Kirche einmal ganz anders, sehr handfest und muskelbepackt: Bei der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Plettenberg-Wiesenthal war beim „Männerabend“ einer zu Gast, der in der Szene als „breitester Pastor Deutschlands“ gehandelt wird. Marcus Schneider aus Wuppertal ist von fast quadratischem Format, muskelbepackt, reichlich tätowiert – und nimmt kein Blatt vor den Mund. An die 80 Männer waren gekommen, um Kirche und Glauben unter dem Leitmotiv „Jetzt ist Deine Zeit“ zu erleben.
Den Abend organisiert hatte der 33-jährige Familienvater Dario Strauß, unterstützt von einem Team der Gemeinde. Er berichtete eingangs von seinen Jungs und davon, was diese unter „ihrer Zeit“ verstehen – das reicht von Spielen, Drachen bauen bis hin zu Freunde treffen, Radfahren, Zocken und „Zeit für mich haben und das machen, was Spaß bereitet“ – eine Auszeit also, in der man zu sich kommt.
Dieses „Zu sich kommen“ stellte Marcus Schneider im Interview mit Dario Strauß und bei der späteren Predigt in den Mittelpunkt. Er berichtete von seinem Leben als Familienvater mit vier Kindern „und meiner tollen Frau Esther“, seinem alten VW-Bulli als Familienkutsche und von seinem persönlichen, bisweilen sehr schwierigen Werdegang. Belastung und Verfehlung konnte Schneider mithilfe des Glaubens verarbeiten und ablegen – – und wandelte sich zum Pastor, Bodybuilder und Jugendbetreuer. Seine Kirche und sein Jugendzentrum ist das Gym „Mutig und Stark“, ein Wuppertaler Sozialwerk der Christus-Gemeinde. In einer ehemaligen Fabrikhalle entstand das Kraftsportzentrum, in dem heute 450 größtenteils schwierige Kinder und Jugendliche betreut werden. Ein weiteres Gym nach dem Wuppertaler Modell entsteht gerade in Hamm.
Das Gym ist die Hülle für Jugendarbeit in jeder Form, „ein Fitness-Studio, das keines ist“, formuliert Schneider. Ja, da gebe es Kraftsport, Boxen, Ringen und Basketball – und damit sei es „das geilste Gym der Gegend für die, die nichts haben“. Der Herzschlag der Einrichtung sei es, Begegnung zu schaffen, Jugendlichen aufzuhelfen, die hingefallen seien, Halt und Unterstützung zu bieten. „Wir haben bei Mutig und Stark alle Nationalitäten, sind zu 80 Prozent Migranten. Bei uns gibt es Mohammed in 20 Schreibvarianten.“
Über das Vehikel des Sports und der jeweiligen Vermittlung eines guten Gedankens bei jeder Übungsstunde gelinge es, dass sich die Jugendlichen öffnen. „Viele von ihnen haben keine heile Familie. Wir sind das Licht in einem dunklen Stadtteil.“ Das sei jeden Tag ein Ansporn: „Wir wollen nicht das Leichte, sondern das Richtige tun.“
Das Gym in Wuppertal wird von äußerst geringen Mitgliedsbeiträgen – zehn Euro pro Monat pro Kind oder Jugendlichem – getragen, wobei das natürlich die Kosten nicht deckt und obendrein etliche Besucher nicht einmal den Zehner aufbringen können. Patenschaften von Gemeindegliedern helfen, ebenso wie Spenden. Gespendet wurden auch die Trainingsgeräte, die ein renommierter Ausstatter europäischer Fitnesszentren zur Verfügung stellte. „Wir haben den Ferrari der Geräte“, warb Marcus Schneider um weitere Patenschaften für Mutig und Stark.
Als Dank für eine Predigt, die Mission, Jugendarbeit und ein „Zu sich kommen im Glauben“ in den Mittelpunkt gestellt hatte, überreichte Dario Strauß dem muskelbepackten Mutmacher eine Geschenktüte aus dem Sauerland – „zehn Eier von meinem Schwager und ein Glas Honig von meinem Schwiegervater“ und symbolbeladen für den breitesten Pastor eine Fünferdose Dicke Sauerländer.









