Die Absenkung der Vergütung für psychotherapeutische Leistungen um 4,5 Prozent sorgt bundesweit für Kritik. Auch der Sozialpsychiatrische Dienst des Ennepe-Ruhr-Kreises warnt vor spürbaren Folgen für die Versorgung psychisch erkrankter Menschen.
Lange Wartezeiten drohen sich zu verschärfen
Der Sozialpsychiatrische Dienst (SpDi) des Ennepe-Ruhr-Kreises ist Teil des öffentlichen Gesundheitsdienstes und unterstützt Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie deren Angehörige. Zu seinen Aufgaben zählen Beratung in belastenden Lebenssituationen, Hilfe in akuten Krisen sowie die Vermittlung weiterführender Hilfsangebote wie ambulante Therapien oder stationäre Behandlungen. Das Angebot ist kostenfrei, vertraulich und ohne Überweisung zugänglich.
„Wir begleiten Bürgerinnen und Bürger, die von psychischen Erkrankungen betroffen oder bedroht sind, sowie deren Angehörige“, erklärt Psychotherapeutin Elisabeth Miro. Viele Betroffene seien dringend auf einen ambulanten Therapieplatz angewiesen, um ihre Situation zu stabilisieren und Krisen zu bewältigen.
Bereits jetzt sei die Versorgungslage angespannt: „Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz liegen je nach Region und Praxis zwischen sechs Monaten und drei Jahren“, so die Verwaltung des Ennepetal-Ruhr-Kreises. Nach Einschätzung des Sozialpsychiatrischen Dienstes könnten sich diese Zeiten weiter verlängern.
„Für gesetzlich Versicherte würde dies absehbar noch längere Wartezeiten bedeuten. Wochen und Monate, in denen das Risiko einer Chronifizierung von Erkrankungen steigt“, so Miro. Hintergrund sei, dass Praxen versuchen könnten, Einnahmeverluste durch eine stärkere Behandlung privat Versicherter auszugleichen.
Auswirkungen auf den Berufsstand
Zudem könnte sich die Honorarkürzung mittelfristig auch auf die Attraktivität des Berufs auswirken. „Die Regelstudienzeit für Psychologie liegt bei fünf Jahren, die anschließende, privat zuzahlende Ausbildung nimmt weitere drei bis fünf Jahre in Anspruch. Um nach der Ausbildung mit Krankenkassen abrechnen zu dürfen, ist zudem eine Abrechnungserlaubnis erforderlich. Diese kostet je nach Region zwischen 30.000 und über 100.000 Euro“, heißt es aus der Kreisverwaltung.
Ein Berufsweg, der bisher durchaus als krisenfest und damit trotz der hohen Hürden ausreichend attraktiv schien, werde nun durch die Kürzungen infrage gestellt, betont Miro.
Deutliche Kritik von Verbänden
Festgelegt werden die Vergütungssätze durch den Erweiterten Bewertungsausschuss. Die aktuelle Kürzung stößt auch bei der Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie bei Fachverbänden auf deutliche Kritik. Diese sprechen von unbegründeten und „rechtlich fragwürdigen Einschnitten, die die Versorgung langfristig gefährden könnten“.
LokalDirekt sprach zum Thema mit Diplom-Psychologin Melanie Hedtfeld:
Weniger Honorar, mehr Druck: Psychotherapeutin sieht Versorgung gefährdet









