Im Ennepe-Ruhr-Kreis ist erstmals ein Wolfsriss bei Nutztieren eindeutig genetisch nachgewiesen worden. Wie die Kreisverwaltung am Donnerstag, 16. April, mitteilt, basiert die Bestätigung auf Untersuchungen des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK).

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Mehrere Schafe getötet

Der Vorfall ereignete sich bereits am 18. Februar in Ennepetal. Nach den vorliegenden Erkenntnissen war eine Schafherde ausgebrochen. Sechs Tiere wurden tot aufgefunden, drei weitere wurden vermisst. Nach der Meldung durch den Tierhalter wurde der Fall zunächst geprüft und nun abschließend als Wolfsriss bestätigt: Die genetische Analyse ergab, dass ein weiblicher Wolf aus einem Rudel in Rheinland-Pfalz für den Angriff verantwortlich ist.

Erster gesicherter Nachweis

„Mit diesem bestätigten Fall liegt erstmals im Ennepe-Ruhr-Kreis ein genetisch gesicherter Wolfsnachweis im Zusammenhang mit einem Schadensereignis vor“, erklärt die Kreisverwaltung. Bislang habe es im Kreisgebiet lediglich einzelne Sicht- und Videonachweise gegeben, zuletzt im Januar 2023 in Witten und Wetter (Ruhr). Insgesamt seien in den vergangenen fünf Jahren fünf gesicherte Nachweise dokumentiert worden, die auf durchziehende Tiere hindeuteten.

Dass die verantwortliche Wölfin aus Rheinland-Pfalz stammt, unterstreiche die hohe Mobilität der Tiere: Wölfe wandern nach Erreichen der Geschlechtsreife aus ihren Rudeln ab und legen auf der Suche nach eigenen Revieren teils große Entfernungen zurück.

Keine Hinweise auf dauerhaft ansässigen Wolf

Trotz des nun bestätigten Risses in Ennepetal gibt es nach Angaben der Verwaltung weiterhin keine Hinweise auf ein dauerhaft ansässiges Tier im Kreisgebiet. Fachlich gelte ein Wolf erst dann als standorttreu, wenn innerhalb von sechs Monaten wiederholt Nachweise desselben Individuums erbracht werden.

„Aufgrund der Nähe zu bestehenden Wolfsgebieten im Märkischen Kreis, im Hochsauerlandkreis und im Rhein-Sieg-Kreis sowie der grundsätzlichen Eignung des Kreises als Lebensraums ist es jedoch nicht ausgeschlossen, dass künftig weitere Tiere durch das Kreisgebiet ziehen oder sich ansiedeln“, so die Verwaltung.

Verhaltenstipps und Unterstützung für Tierhalter

„Wölfe gelten als scheu und meiden den Menschen. Begegnungen sind selten, verlaufen in der Regel unauffällig und enden meist mit der Flucht des Tieres“, erklärt die Kreisverwaltung. Für den Fall einer Begegnung werde empfohlen, Abstand zu halten, ruhig zu bleiben und sich bemerkbar zu machen. Von Wolfsrissen betroffene Tierhalter unterstütze das Land durch Entschädigungen und Förderprogramme für den Herdenschutz.

Schnelle Meldung entscheidend

Zuständiger Ansprechpartner für Sichtungen von und Vorfällen mit Wölfen ist das LANUK – Hinweise zu Telefonnummern und einem Online-Meldeformular finden sich unter www.wolf.nrw. „Da verwertbare DNA-Proben möglichst innerhalb von 24 Stunden gesichert werden müssen, um eine eindeutige Zuordnung zu ermöglichen, sollte die Meldung bei Nutztierrissen sehr schnell und zeitnah erfolgen“, betont die Kreisverwaltung.