Am 1. April eröffnete Abdullah Al-Shaikhli an der Frankfurter Straße seinen KfZ-Meisterbetrieb “A to Z Motors”. 500 Tage später zeigt sich: Die anfängliche Skepsis, die ihm mancher für die Standortwahl entgegenbrachte, war unbegründet.
Mundpropaganda bringt Kundschaft aus mehreren Städten
Mit seinen gerade einmal rund 8700 Einwohnern galt Breckerfeld nicht gerade als naheliegende Adresse für eine neue Selbständigkeit — zumindest, wenn Al-Shaikhli im Vorfeld auf die Skeptiker gehört hätte. Denn er sah und sieht das komplett anders: „Die Zweifel kann ich absolut nicht nachvollziehen”, sagt der gebürtige Gevelsberger.
Allerdings habe ihn schon ein bisschen überrascht, wie gut die Mundpropaganda unter den Breckerfeldern funktioniere. "Die meisten Kunden kommen auf Empfehlung anderer Kunden", sagt er. „Erst steht das Auto des Großvaters auf der Hebebühne, wenige Wochen später meldet sich dessen Sohn, und kurz darauf folgt die Enkelin mit einer eigenen Anfrage.“ Manche Kunden nehmen dabei sogar eine Anfahrt von zwei Stunden in Kauf: Auf den Auftragsscheinen finden sich Adressen aus Hagen, Dortmund, Krefeld oder Düsseldorf. Häufig handle es sich dabei um Verwandte von Breckerfeldern, die inzwischen aber selbst zu Stammkunden geworden seien oder wiederum eigene Empfehlungen mitbringen würden, erzählt Al-Shaikhli.
Oldtimer als Highlight, E-Autos zur Inspektion
Zu seinen ungewöhnlichsten "Werkstattbesuchern" zählten bislang ein Oldtimer-Mercedes S280 sowie ein Alfa Romeo aus den 1970er-Jahren. „Das sind für mich echte Highlights neben dem Alltagsgeschäft!”, schwärmt der junge KfZ-Meister. Für solche „alten Schätzchen” gelte in der Werkstatt besondere Vorsicht: "Das Fahrzeug wird ähnlich wie bei einer Operation komplett mit Vlies abgedeckt, nur der zu bearbeitende Teil bleibt frei." Auch sonst werde in der Halle auf Sauberkeit und ausreichend Abstand geachtet, damit keine zufälligen Schäden entstehen.
Elektrofahrzeuge, erklärt er, kämen aufgrund ihrer jungen Baujahre meist nur zur Inspektion in die Werkstatt an der Frankfurter Straße. „Die führen wir dann gemäß Herstellerangaben durch und tragen sie ins digitale Serviceheft ein, damit die Garantie nicht verfällt.”
Rückblickend würde er wenig ändern
Auf die Frage, was er heute anders machen würde, antwortet Al-Shaikhli zunächst spontan: nichts. „Ich dachte, es wäre schwieriger, selbständig zu sein — aber hier in Breckerfeld sind einfach alle total freundlich und nett.” Nach kurzem Überlegen fällt ihm dann doch etwas ein: Erst jetzt habe er ein Banner bestellt, das von der Straße aus zeigt, wie der Betrieb heißt und was dort gemacht wird. Bislang hängt lediglich das alte Schild des Vorgängers mit der Aufschrift „Meisterbetrieb” am Haus. „Einige Kunden haben mir erzählt, sie hätten angenommen, wir wären ein Gebrauchtwagenhandel, weil ständig so viele Fahrzeuge davor stehen — dabei waren das durchweg Werkstattaufträge“, schmunzelt er.
Neue Technik und Kooperation mit dem TÜV
Weil das Geschäft offenbar gut läuft, ist der Betrieb in den vergangenen 500 Tagen gewachsen. Investiert wurde unter anderem in neue Technik und Werkzeugausstattung, etwa zwei Klimaanlagen-Prüfgeräte für alte und neue Fahrzeuge. Und weil mittlerweile auch der alte, teils abgesunkene Werkstattboden begradigt wurde, kommt ab September eine Kooperation mit dem TÜV Nord hinzu: Zweimal wöchentlich sollen dann TÜV-Abnahmen direkt vor Ort möglich sein.
Team gewachsen – von Berlin bis ins Büro
Auch personell hat sich in den vergangenen 500 Tagen einiges getan. Zum Team gehören inzwischen drei fest Angestellte und ein Auszubildender, dazu nimmt Al-Shaikhli immer wieder tage- oder wochenweise Schüler für ein Praktikum bei sich auf: „Ich möchte jungen Menschen zeigen, wie abwechslungsreich und zugleich anspruchsvoll unser Beruf ist.“ Auch deswegen ist es für ihn selbstverständlich, in seinem Betrieb selbst auszubilden. „Und es macht echt Spaß“, betont Azubi Julian Artmeier.
Besonders stolz ist Al-Shaikhli darauf, dass der gelernte Fahrzeugingenieur Foued Souayeh aus Berlin zu ihm nach Breckerfeld gewechselt hat. „Foued hat richtig was drauf und gibt keine Ruhe, bis er den Fehler gefunden hat — und manchmal findet er ihn auch viel schneller als wir anderen zusammen”, lacht er. Souayeh war über Social Media auf den kleinen Betrieb aufmerksam geworden, wollte zunächst nur zwei Wochen hineinschnuppern — und blieb.
Als „gute Seele” des Betriebs bezeichnet Al-Shaikhli seine Büroangestellte Dorothea Kabeck, die zuvor beruflich nichts mit Autos zu tun hatte. „Sie war vom ersten Tag an total engagiert bei der Sache.” Bei kleineren Problemen recherchiere sie eigenständig nach Lösungen, kümmere sich zudem herzlich um die Kunden und versorge sie in Wartezeiten mit Kaffee oder selbstgebackenen Muffins. Auch die Umgestaltung des Beratungsbüros mit Deko und Pflanzen gehe auf sie zurück: „Viele Kunden loben es, dass der Beratungs- und Wartebereich nicht direkt an eine klassische KfZ-Werkstatt erinnert“, sagt Al-Shaikhli.
Ein Traum, der in Breckerfeld Wirklichkeit wurde
Fragt man Al-Shaikhli nach einem Fazit der vergangenen 500 Tage, strahlt er. Die Selbständigkeit als KfZ-Meister sei schon lange sein Traum gewesen: „Und für mich ist genau hier in dieser kleinen Stadt mein Traum in Erfüllung gegangen.”









