Der Hauptausschuss der Stadt Halver hat am 12. Mai über eine Änderung der Förderung von Ärzten beraten, die sich in der Stadt niederlassen wollen. Künftig möchte die Stadt vor allem Hausärzte und Kinderärzte gezielt unterstützen und bei der Ansiedlung priorisieren. Hintergrund der Überarbeitung sind der zunehmende Bedarf an Haus- und kinderärztlicher Versorgung.

Fachärzte und psychologische Psychotherapeuten, die sich im Rahmen der ambulanten kassenärztlichen Versorgung in Halver niederlassen oder eine bestehende Praxis übernehmen, sollen dagegen künftig nicht mehr förderberechtigt sein. Die endgültige Entscheidung soll der Rat am 18. Mai treffen.

Verwaltung sieht Handlungsbedarf

Nach Einschätzung der Verwaltung wird insbesondere im hausärztlichen Bereich in den kommenden Jahren ein steigender Bedarf an Neubesetzungen erwartet. Gleichzeitig verfügt Halver derzeit über keinen eigenen Kinderarzt. Familien seien deshalb häufig auf umliegende Städte angewiesen, wo vielfach keine neuen Patienten mehr aufgenommen würden.

Mit der überarbeiteten Richtlinie soll die Förderung deshalb künftig auf Hausärzte und Kinderärzte konzentriert werden. Die Höhe der Zuschüsse bleibt grundsätzlich bestehen, wird jedoch neu verteilt: Hausärzte sollen weiterhin jährlich eine Förderung von 10.000 Euro erhalten, Kinderärzte künftig 20.000 Euro pro Jahr. Die Förderdauer von fünf Jahren sowie die anteilige Förderung bei reduzierten Versorgungsaufträgen bleiben unverändert. Auch die Unterstützung bei der Wohnsitzverlagerung soll fortgeführt werden.

Ausschuss diskutiert Möglichkeiten der medizinischen Versorgung

Im Ausschuss wurde die geplante Neuausrichtung der Förderung ausführlich diskutiert. CDU-Fraktionsvorsitzender Sascha Gerhardt bezeichnete die Anpassung als „eine Anpassung an die Realitäten“. Zugleich wurde deutlich, dass die Stadt weiterhin nach Möglichkeiten sucht, die medizinische Versorgung langfristig zu sichern. „Wir würden sofort tätig werden, wenn ein Arzt in Schalksmühle oder der näheren Umgebung seinen Platz abgibt“, erläutert Bürgermeister Armin Kibbert. Entsprechende Gespräche habe die Verwaltung bereits mit verschiedenen Fachärzten geführt.

Gleichzeitig verwies Kibbert auf die komplexen Rahmenbedingungen innerhalb des Gesundheitswesens. Die Vergabe und Verlagerung kassenärztlicher Sitze sei mit umfangreichen rechtlichen und organisatorischen Vorgaben verbunden. „Es ist ein wahnsinnig kompliziertes System. Wir sind da nach wie vor dran“, sagte der Bürgermeister. Nach seinen Angaben gebe es bereits Interessenten für mögliche Niederlassungen. „Wir haben Ärzte angesprochen. Die würden auch sofort reagieren, wenn ein kassenärztlicher Platz frei wird.“

Fachvortrag der Kassenärztlichen Vereinigung angeregt

UWG-Ratsmitglied Dr. Sabine Wallmann verwies während der Diskussion darauf, dass sich die Strukturen im Gesundheitswesen zunehmend wandeln. Viele Mediziner würden heute eher eine Anstellung bevorzugen als die Übernahme einer eigenen Praxis. „Der Kinderarzt hat ja schon einen Sitz, aber er könnte doch bestimmt einen Arzt nach Halver abordnen“, schlug sie vor. Bürgermeister Armin Kibbert wies jedoch darauf hin, dass auch solche Modelle an enge rechtliche und strukturelle Vorgaben im System der kassenärztlichen Versorgung gebunden seien. „Dann müsste man ein Stück dieses kassenärztlichen Sitzes auch abordnen. Es ist auch da nicht so einfach, wie es am Ende klingt“, erklärte er.

Um die komplexen rechtlichen und strukturellen Fragen besser einordnen zu können, regte Gerhardt an, im zuständigen Ausschuss einen Fachvortrag der zuständigen Stelle einzuholen. Ziel sei es, die Situation fachlich fundiert bewerten zu können und „nicht kontraproduktive Initiativen auf den Weg zu bringen“. Kibbert unterstützte den Vorschlag. Am Ende der Beratung sprach sich der Hauptausschuss einstimmig für die erste Änderung der Richtlinie zur Förderung der Ansiedlung von Haus- und Fachärzten in Halver aus.