Andreas Voit ist der „Mann des Wassers“ in Herscheid. Er wurde nach dem Hochwasser 2021 übergangsweise aus dem Ruhestand wieder ins Rathaus zurückgebeten, wo er immer noch regelmäßig einige Stunden die Woche beschäftigt ist. Er gab im Planungs- und Bauausschuss einen Überblick darüber, was sich in Sachen Wiederaufbau getan hat.
Voit erklärte, dass ein großer Schwerpunkt der Hochwasserschäden im Bereich Schwarze Ahe zu finden ist. In Vogelsang war eine Brücke unterspült worden, weshalb Sofort-Maßnahmen in Form einer Behelfsbrücke durchgeführt wurden. Diese Brücke soll unterhalb neu gebaut werden, wofür die Weichen gestellt sind. Die Behelfsbrücke dient so lange als Notbrücke. Voit warte aktuell auf die Baugenehmigung, die durch die Untere Wasserbehörde erteilt wird. Außerdem habe man in der Schwarzen Ahe ein ehemaliges Schulgebäude gekauft, um dort dem Lauf der Schwarzen Ahe mehr Raum zu geben.
Voit erklärte, dass im Rahmen des Wiederaufbauplanes viele Durchlässe geräumt werden mussten und Uferbefestigungsmaßnahmen in verschiedenen Ortsteilen durchgeführt wurden. In Hüinghausen wurde ein Mini-Bagger nahe der Firma W. Schröder in den Dienst geschickt, der einen 1,20 Meter hohen Durchlass freiräumte.
Nicht nur die Ufer wurden in Mitleidenschaft gezogen. Auch viele Forstwege seien überschwemmt und somit beschädigt worden. Insgesamt habe man diesbezüglich bisher ca. 15 Kilometer sanieren können.
Im Freibad war der Bruchbach über die Ufer getreten. Dort hat man für zukünftige Hochwasserereignisse eine Pallisadenwand errichtet, um das Einlaufen des Bachwassers ins Schwimmbecken zu verhindern. Am Betriebsgebäude wurden Hochwasserschutzwände installiert, die im Katastrophenfall in kurzer Zeit und mit wenig Aufwand in Betrieb genommen werden können.

„Wir werden in den kommenden ein bis zwei Jahren definitiv noch mit dem Wiederaufbau beschäftigt sein. Dennoch sind wir froh, dass wir bisher schon viel bewirken konnten“, erklärte Andreas Voit. Die weiteren Planungen sähen vor Grundstücke aufzukaufen, um dem Wasser mehr Raum zu geben.
Froh sei Voit über die 100-Prozent-Förderung des Landes zum Wiederaufbau der Kommunen, ohne die diese Maßnahmen nicht möglich wären. Um die weiteren Kosten des Aufbaus tragen zu können, ist die Gemeinde dabei, einen Änderungsantrag zum Wiederaufbauplan im März an die Behörden zu übermitteln.
Beim Schutz vor Hochwasser ist auch Eigeninitiative gefragt
„Der Klimawandel ist da und ist sichtbar!“ Mit diesen alarmierenden Worten startete Dr. Johannes Osing seinen Vortrag zum Klimafolgenanpassungskonzept. Das Konzept wurde in Zusammenarbeit mit allen Kommunen im Kreis entworfen und soll vor allem sensibilisieren und gut auf den möglichen Ernstfall vorbereiten. Dabei hat man sich dazu entschlossen, den Bereich „Wasser“ zu priorisieren. Am Beispiel der Hochwasserkatastrophe 2021 erklärte Osing, wie wichtig entsprechende Maßnahmen sind, die möglichst früh von jedem Einzelnen ergriffen werden können.
Das Hauptproblem seien laut Osing, die kleinen Bäche, da diese meist viel näher an Häusern liegen, als es bei Flüssen der Fall ist. „Wir bräuchten eigentlich Frühwarnsysteme, die bei bestimmten Pegelständen Alarm schlagen“, so Dr. Osing. Da es diese aber nicht hier bei uns gibt, müsse jeder Eigentümer selbst aktiv werden, um sein Leben und Eigentum im schlimmsten Fall zu schützen. „Die Kommunen sind nicht für alles verantwortlich. Hier ist Eigeninitiative gefragt“, appelliert er an alle Bürger, die in der Nähe von Gewässern wohnen. „Abwarten ist hier die falsche Taktik“, rief er zum Handeln auf.
Im Rahmen der Entwicklung des Klimafolgenanpassungskonzeptes wurde eine sogenannte Starkregenmodellierung entworfen, die sich Interessierte über einen Webviewer online ansehen können. Es wird in einer Simulation dargestellt, wie das Wasser sich im Starkregenfall seinen Weg durch den entsprechenden Ort bildet.











