Die Begegnung von Bundespräsident Karl Carstens am 25. Juni 1982 mit der Herscheider Feuerwehr schmückt als Schwarz-Weiß-Bild das Gerätehaus an der Bahnhofstraße. Damals war das Spritzenhaus gerade erst in Betrieb genommen worden und die große Errungenschaft, der ganze Stolz der Ebbegemeinde. Eine Ortsbesichtigung des neu gebildeten Feuerwehr- und Katastrophenschutz-Ausschusses des Gemeinderates zeigte jetzt, dass 50 Jahre nach Projektierung des Gerätehauses die Neubaupläne mehr als zur berechtigt sind.

 

Überregionale Nachrichten

Wehrleiter André Zimmermann führte den Ausschuss, den Bürgermeister und weitere Vertreter der Gemeindeverwaltung durch die Hauptwache an der Bahnhofstraße. Die Führung begann im Bereich der Umkleide. Den 35 Männern steht der seinerzeit in Eigenleistung entstandene Umkleideraum zur Verfügung; die sieben Feuerwehrfrauen legen in einem nebenan stehenden Container ihre Schutzkleidung an.

An den Bau der Herrenumkleide erinnerte sich Feuerwehr- und Politik-Senior Erwin Pierskalla lebhaft: „Alles preiswert selbst organisiert und gebaut.“ Pierskalla war als Alterskamerad mit bei der Besichtigung; sein Sohn Frank ist heute für die SPD Mitglied im Ausschuss, der sich mit dem Neubau der Feuerwehr beschäftigt.   

Der Anbau der Umkleide machte es seinerzeit möglich, die Spinde aus der Fahrzeughalle herauszunehmen. Bis dahin hatten sich die Feuerwehrleute noch hinter den Löschfahrzeugen umgekleidet. Wer jedoch denkt, die neue Umkleide habe für mehr Raum in der Fahrzeughalle gesorgt, irrt. Es ist eng, sehr eng. Drei Großfahrzeuge, die den Raum kompakt ausfüllen, stehen in der Remise — Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug, Löschgruppenfahrzeug, Gerätewagen-Logistik, ein Lkw fast größer als der andere, alle auf Allradfahrgestellen, hoch und mächtig. Kein Vergleich mit den Fahrzeugen, die zu Karl Carstens Zeiten 1982 vorhanden waren — Unimog-Tanklöschfahrzeug TLF 8/18 und Magirus-Deutz LF 8 waren im Vergleich zu den heutigen Modellen geradezu zierlich.

Ein viertes Fahrzeug, das Kleinlöschfahrzeug auf der Basis des Ford Ranger, steht in der ehemaligen Garage des DRK Herscheid, die sich neben der Halle der Rettungswache befindet. Das fünfte Fahrzeug der Löschgruppe Herscheid, der Einsatzleitwagen, ist neben dem Gerätehaus unter freiem Himmel abgestellt, was dem wertvollen Fahrzeug alles andere als zuträglich ist.

Die Karawane der Interessierten zog weiter ins zweite Obergeschoss. Dort befindet sich der ehemalige Raum der Jugendfeuerwehr, der heute nur noch als Büro dient — dem Raum fehlt der zweite Rettungsweg, weswegen ein Schulungsbetrieb hier nicht mehr zulässig ist. Deshalb teilt sich die Jugendfeuerwehr nun den einstigen Schulungsraum der Löschgruppe im Parterre mit dem Musikzug der Feuerwehr und der sporadischen Funkzentrale bei Großschadenslagen, dem sogenannten Meldekopf. Die Einsatzabteilung der Löschgruppe ihrerseits komme inzwischen zur Ausbildung im Bürgersaal des Rathauses oder im Bildungszentrum unter, informierte André Zimmermann.

In der ersten Etage des Feuerwehrhauses befindet sich die ehemalige Hausmeisterwohnung. Hier wurden die Kleiderkammer, ein Kleingerätelager, ein Lagerraum für ABC-Einsatzmaterialien und ein Büro eingerichtet. Die Lagerräume wirken mit Regalen und Garderobenständern eng, „aber immerhin und zum ersten Mal können wir Uniformen hängend aufbewahren, denn bisher lagerten sie in Kartons“, berichtete der Wehrleiter.

Beim Rundgang um das Gerätehaus stellten sich ungeschminkt weitere Eindrücke ein. Das von vorne immer noch ansehnliche Spritzenhaus offenbart sich von der Rückseite als "Schachtelhausen". Auf dem nach hinten sehr begrenzten, schmalen Grundstück wurde ans Feuerwehrhaus immer wieder angebaut. An der Halle der Rettungswache erkennt man einen massiven Stahlwinkel, der zur Stabilisierung angebracht wurde und der die Ecke zusammenhält. Eines Tages hatte sich ein massiver Versatz gezeigt, der in der Ecke zu einem derben Spalt in der Plattennaht geführt hatte. Der schwierige Untergrund scheint zu arbeiten — das setzte dem Gebäude zu. Die Beschaffenheit des Untergrunds sollte in der späteren Sitzung des Feuerwehr- und Katastrophenausschusses im Rathaus noch Thema werden.

Neues Feuerwehr-Gerätehaus soll 9,25 Millionen Euro kosten

Alexander Zuchowski (FDP) ist der Vorsitzende des neuen Ausschusses. Er eröffnete dessen erste Sitzung — ein ungewöhnlicher Vorgang — mit einem persönlichen Wort. Dies sei ein neuer Ausschuss, der von allen Fraktionen des Gemeinderates gewollt worden sei „Wenn es um die Sicherheit der Bürger geht, dann stehen wir alle zusammen.“ Zuchowski würdigte die Arbeit der Feuerwehr und lobte das ehrenamtliche Engagement. Nun stehe die „größte eigenfinanzierte Investition an, die die Gemeinde je gestemmt“ habe. In einer Zeit, in der das Weltgeschehen höchst besorglich, in der bisher Undenkbares eingetreten sei, gehe es darum, Herscheid sicher in die Zukunft zu führen.

Diplom-Ingenieur Michael Holke vom Planungsbüro WP Architekten und Ingenieure aus Dortmund stellte danach die erste öffentlich verfügbare Planung für das neue Gerätehaus an der Bahnhofstraße vor. Das Büro hat unter anderem das neue Gerätehaus in Rärin und das neue Busdepot der MVG in Lüdenscheid gebaut; die Homepage der Architekten verzeichnet als Referenzobjekte nicht weniger als 18 realisierte Feuerwachen auf der Achse Lünen – Dortmund – Hagen – Märkischer Kreis.

Bei dem jetzt vorgelegten Plan wird auf Dauer allein das zweigeschossige Feuerwehrhaus mit dem angesetzten Riegel der Rettungswache erhalten. Dieses Bestandsgebäude gilt es zu ertüchtigen, alle anderen Funktionsräume werden neu errichtet. Die bisherige Fahrzeughalle wird abgerissen, sobald eine neue Brandschutzhalle steht. Die Fläche der alten Halle wird für den Bau von Funktionsräumen benötigt.

Holke stellte eine runderneuerte Rettungswache und eine neue, große Halle für den Rettungswagen zur Raiffeisenseite hin vor. Zur ehemaligen Bahnhofsseite hin wird ein neues aufstehendes Gebäude mit Schulungs- und Büroräumen, Hochregallager für Ausrüstungen, eine siebenständigen Fahrzeughalle plus Waschhalle und ein Umkleidetrakt für Damen und Herren vorgesehen. Die Umkleiden werden mit einer Schwarz-Weiß-Trennung versehen; in einer Schleuse entledigen sich die von Einsätzen zurückkehrenden Feuerwehrleute ihrer Schutzausrüstung (Schwarzbereich), um zu ihrer Privatkleidung (Weißbereich) zu gelangen.

Zusammen mit einem ausreichend bemessenen Parkplatz wird die neue langgestreckte Feuerwache das gesamte Gelände einnehmen, das der Abriss des alten Bahnhofs freigegeben hat. Die Verkehrswege sollen so angelegt werden, dass sich ankommende Kräfte und die ausrückende Feuerwehr kollisionsfrei bewegen können.

Ein Aufhorchen gab es, als die Rede auf die Baukosten kam. Bisher stand die Zahl „7 Millionen“ im Raum — diese Marke räumte Michael Holke emotionslos ab und trug vor, dass die „7“ aus einer 2022 erstellten Studie abgegriffen war. Die allgemeine Kostensteigerung seither gehe einher mit einem gegenüber der Machbarkeitsstudie um 800 Quadratmeter erweiterten Raumprogramm. Der Mehrbedarf ergebe sich aus einer neuen DIN-Norm für Feuerwehr-Gerätehäusern (DIN = Deutsches Institut für Normung) und einem neuen Layout für die Rettungswache mit ausreichend bemessener Fahrzeughalle.

Problematisch sei der Baugrund. Untersuchungen hätten ergeben, dass erst ab einer Tiefe von drei bis vier Metern ein tragfähiger Untergrund anstehe. Man habe einen schwammigen Boden mit vielen organischen Resten vorgefunden. Ein solcher Untergrund werde die aufstehenden Lasten nicht sicher tragen können. Eine Bohr-Pfahlgründung sei unabdingbar. Heißt: Die neue Feuerwache wird ein Haus sein, das auf tief in den Untergrund eingelassenen Betonpfählen steht.

Alles das führe mit Stand von heute zu Baukosten in Höhe von 9,25 Millionen Euro. Mit einem Baubeginn rechnete Holke für Juli 2027 und mit 22 Monaten Bauzeit. Während dieser Zeit gelte es, in sinnvoller Abfolge Neues zu bauen und Altes abzureißen, sodass die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr stets erhalten bleibe.

Das neue Feuerwehrhaus wird auch als Kriseninformations- und Ersthilfezentrum (KIEZ) fungieren und deshalb mit einem Notstromaggregat ausgerüstet, das bei Stromausfall einen 72-stündigen Vollbetrieb der Wache sicherstellt.

Die Pläne werden nun zwischen den Ratsfraktionen, der Feuerwehr und der Gemeindeverwaltung diskutiert — und dabei werden die Baukosten die wohl entscheidende Rolle spielen. Architekt Holke hatte bereits angezeigt, dass ihm sehr bewusst sei, dass die Kosten an einen Deckel stießen. Vor Politik, Verwaltung und Planern liegt eine gewaltige Aufgabe.