Es menschelte beim „Politischen Frühstück“ der Senioren-Union Herscheid, als Ralf Schwarzkopf als neuer Landrat zu Besuch war. Am 4. Februar schilderte er im Bistro des Seniorenzentrums, was das neue Amt mit ihm mache. Dazu kamen aus dem Teilnehmerkreis auch dezidierte Nachfragen.

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Er lerne seit seiner Amtsübernahme jeden Tag etwas Neues, bekannte der Landrat, der sich als der Mann auf der Brücke eines ganz großen Schiffes vorstellte. In der Verwaltung, der Kreispolizeibehörde, im Bereich der Kliniken und bei der MVG gebe es in der Summe rund 6000 Mitarbeiter.

Nach dem Vortrag des Landrates blieb Zeit für Begegnungen.
Foto: St. Aschauer-Hundt

Schwarzkopf beschrieb, dass er in schwierigen Zeiten das Amt angetreten habe. Der russische Präsident Putin führe Krieg gegen unsere Form des Lebens und die Gesellschaft sei vor die Frage gestellt, „was uns die Freiheit wert ist“. Er würdigte die Arbeit des Bundeskanzlers, „der sehr strukturiert für Deutschland arbeitet“, forderte, in der Energieversorgung die Unabhängigkeit Deutschlands herzustellen („90 Prozent unseres LNG-Gases kommen aus den Vereinigten Staaten“) und lobte Digitalminister Dr. Karsten Wildberger für die begonnene Modernisierung („kluger Mann; ich schätze ihn sehr“).

Dass Deutschland zu langsam auf Kurs komme („die deutsche Behäbigkeit“) liege an den kommenden Landtagswahlen und Bremsmanövern der SPD.  „Wir warten auf den großen Wumms.“ Dieser erfordere eine Prioritätensetzung, um die jetzt wichtigen Dinge anzugehen. -  Im Märkischen Kreis seien das auch und unter anderem Investitionen in den Zivil- und Katastrophenschutz. Ebenso sei ihm als Landrat überaus wichtig, die Einstellung der 1700 Mitarbeiter im Kreishaus zu verändern:  Es sei „unser aller Steuergeld“, das da im Kreishaus umgesetzt werde.

Senioren-Unions-Vorsitzender Wolfgang Weyland kündigte an, Schwarzkopf  bei diesem Kurs zu begleiten: „Wir werden ihn daran messen, was er sich vorgenommen hat." Überdies habe Herscheid mit Thomas Hartung einen guten Vertreter im Kreistag.  

Kluger Frager: Der 84-jährige Manfred Löhmann, rheinische Frohnatur, war früher Mitarbeiter in der CDU-Geschäftsstelle und vertrat Herscheid im Kreistag.
Foto: St. Aschauer-Hundt

Daraufhin meldete sich Manfred Löhmann, rheinische Frohnatur, zu Wort. Der heute 84-Jährige war einst Mitarbeiter in der Kreisgeschäftsstelle der CDU und Kreistagsabgeordneter der Union für Herscheid. Löhmann an Schwarzkopf: Die Arbeit als Landtagsabgeordneter sei doch ausfüllend und erfolgreich gewesen. „Was hat Sie denn bewogen, als Landrat zu kandidieren?“ Schwarzkopf antwortete, dass er sein Landtagsmandat mit Hingabe ausgeübt habe. „Ich wollte die Arbeit in Düsseldorf für Sie gut und gründlich erledigen. Im Parlament in Düsseldorf für Sie sitzen zu dürfen war für mich ein Privileg.“ Ganz nebenbei sei es auch „nett“ gewesen, in der großen Stadt am Rhein zu sein, jedoch: „Unternehmer und Landtagsabgeordneter zu sein, bedeutete eine Sieben-Tage-Woche.“ Es sei ein wahrer Knochenjob gewesen.

In der heimischen Firma in Lüdenscheid seien bereits die Weichen für eine Nachfolge gestellt gewesen, wäre es zu einer zweiten Legislaturperiode als Abgeordneter gekommen. Dann aber habe sich die Situation im Kreishaus zugespitzt. „Es gab ein zerrüttetes Verhältnis zwischen meinem Vorgänger, den Kreistagsfraktionen und auch der Verwaltung.“ Vor diesem Hintergrund sei nicht absehbar gewesen, wie alle Beteiligten künftig wieder mitgenommen, zu positivem Wirken hätten abgeholt werden können. In dieser Situation habe er, Schwarzkopf, sich gesagt, dass es so nicht weitergehe – und er habe sich zur Verfügung gestellt.

Das alles habe sich vor dem Hintergrund abgespielt, dass er mit dem seinerzeitigen Landrat Marco Voge befreundet gewesen sei: „Eine sehr traurige Angelegenheit.“ Jetzt gelte es, mit einer neuen Mannschaft nach vorne zu schauen. Die Fachbereichsleitungen in der Kreisverwaltung seien wieder komplettiert, eine Strategiesitzung für die Führungskräfte sei terminiert.

Er selbst stelle fest, dass es im Kreishaus anders schön sei als im Abgeordnetenhaus in Düsseldorf. Mit 1700 Mitarbeitern in der Kernverwaltung des Märkischen Kreises könne man kraftvoll nach vorne gehen. Schwarzkopf: „Und wenn Sie mich alle unterstützen, kann nichts mehr schiefgehen.“

Gastgeber Wolfgang Weyland beschied dem neugierigen Manfred Löhmann, klug gefragt zu haben – denn die gleiche Frage habe auch ihm auf der Zunge gelegen. Sprach's und gab den abschließenden Slogan des Politischen Frühstücks aus: „Der gute Mann in Düsseldorf ist ab sofort der gute Mann in Lüdenscheid!“