„Krass, wie schnell unsere Verwaltung arbeitet“, merkte Sebastian Wagemeyer an, als bei einer ganz besonderen Baustellenbesichtigung am Freitag, 3. März, das auf allen Ebenen beschleunigte Verfahren für die neue Feuer- und Rettungswache am Römerweg in Lüdenscheid gelobt wurde.
In den Worten des Bürgermeisters schwang etwas Ironie mit, und doch zeigt sich, wozu eine Verwaltung im Stande ist, wenn es hart auf hart kommt. Dieser Fall dürfte unzweifelhaft hier gegeben sein, denn der Interims-Standort ist der Brücken-Baustelle geschuldet, die in Kürze das Verkehrschaos besonders im Lüdenscheider Norden „perfekt“ machen dürfte.
Schon vom ersten Tag der Brückensperrung an wurden die Ausrückezeiten für Feuerwehr und Rettungsdienst thematisiert, die durch die Verkehrsbehinderungen auf den Umleitungsstrecken zu lang wurden. Die nun unmittelbar anstehende Vollsperrung der Altenaer Straße zur Sprengung der Rahmedetalbrücke am 7. Mai wird sich massiv auf die Versorgungslage auswirken. Immerhin wird aber die neue „Filiale“ der Feuer- und Rettungswache am Dukatenweg rechtzeitig fertig.
Ein solches Vorhaben ist ein Kraftakt in allen Disziplinen. Angefangen bei der Grundstückssuche. Die stellte auch bei diesem Bauvorhaben eine harte Nuss dar, zumal das Thema „Verkehrsanbindung“ für eine Feuerwache nochmals deutlich entscheidender ist, als für einen Gewerbebetrieb.
Nach einiger Zeit fand sich aber am Römerweg eine geeignete Fläche. In der Zwischenzeit begannen auch die Überlegungen, in welcher Bauart das Gebäude errichtet werden soll. Denn: Die Nutzung ist zeitlich begrenzt. Zumindest geht Lüdenscheids Feuerwehr-Chef Christopher Rehnert derzeit von etwa fünf Jahren aus – die prognostizierte Bauzeit der ersten Fahrspur der neuen Brücke.
In Stein gemeisselt ist die „5“ aber nicht. Das hängt einerseits von der tatsächlichen Bauzeit der Brücke ab, zum anderen davon, wie sich die Verkehrssituation entwickelt, wenn sich beide Fahrtrichtungen zunächst die eine Fahrbahn teilen. Ausserdem werden im Märkischen Kreis infolge des wachsenden Bedarfes neue Standorte für Rettungswagen geschaffen.
Daher ist es durchaus denkbar, dass auch über die geplante Zeit hinaus ein Rettungswagen im Bereich Lüdenscheid-Nord stationiert bleibt. „Ob der allerdings am Römerweg bleibt und das noch in diesem Gebäude, ist allerdings eher unwahrscheinlich“, erläutert Rehnert.
Damit die neue Wache in kürzester Zeit fertiggestellt werden kann, sind auch aussergewöhnliche Konzepte beim Bauverfahren selbst nötig. Bei der Fahrzeughalle, die noch errichtet werden muss, wird eine durchaus verbreitete Bauweise verwendet: Hier wird mit einer für derartige Gebäude gängigen Leichtbauweise gearbeitet.
Doch beim Flachbau, in dem etwa Verwaltungs- und Aufenthaltsräume untergebracht werden sollen, kommt ein ungewöhnliches System zum Einsatz: Der rund 600 Quadratmeter großen Flachbau wird in Modulbauweise errichtet. Ein Spezialist hierfür fand sich mit der Firma deumoba in Ense. Zwar bewirbt deumoba das eigene System vorrangig für Kindergärten und Schulen, doch ließ sich damit auch die neue Wache errichten.
Auf den ersten Blick wirkte das Gebäude wie ein Fertighaus. Doch ein Blick ins Innere zeigt: Da steckt mehr hinter. Das Gebäude lässt sich nämlich nach Nutzungsende wieder abbauen und andernorts aufstellen. Entsprechend weit ist der Innenausbau. Während die Fassade noch Rohbau-Charme versprühen, waren die Toiletten bereits fertig – allerdings noch nicht angeschlossen, wie ein Vertreter des Bauunternehmens vorsichtshalber erklärt.
Der wesentliche Vorteil beim sogenannten „Modul-Bau“ liegt in der Flexibilität, die nach Darstellung des Bauunternehmens mit hoher Qualität gepaart ist. Im Prinzip ist dies die hochwertige Alternative zum typischen Container-Bau. Nach Fertigstellung, die bereits in Kürze erreicht werden soll, würde man von dem Konzept kaum noch etwas erahnen, wird seitens der Baufirma erklärt.
Auch energetisch sei man gut aufgestellt: eine Wärmepumpe wartet auf ihren Einsatz. Insgesamt wird ein hoher Komfort versprochen. Architektin Silke Mikler-Fahl ist sich sicher: „Die Feuerwehr wird hier überhaupt nicht mehr ausziehen wollen.“
Dazu muss sie allerdings erstmal einziehen, denn mit dem bloßen Gebäude ist es hier auch nicht getan. Obwohl die üblichen Planungsverfahren zur Inneneinrichtung kaum angewandt werden konnten, stellen die Verantwortlichen der Feuerwehr klar: Das ist auch personell ein Kraftakt.
Der neue Standort wird nicht direkt einer Einheit zugeordnet sein. Grob gesagt ist er eine Niederlassung der hauptamtlichen Wache am Dukatenweg, wird aber auch den Löschzug Oberrahmede ergänzen. Dessen Gerätehaus steht in der Bedarfsumleitungsstrecke „Im Grund“ äußerst unglücklich. Es liegt auf der Hand, dass sowohl das Ausrücken selbst, als auch die Anfahrt des Gerätehauses durch die ehrenamtlichen Kräfte im Verkehrschaos mehr als problematisch werden kann. Bei Aufgaben, bei denen es auf jede Minute ankommt.
Auf der Baustelle wird mit Hochdruck daran gearbeitet, dass schnellstmöglich Entlastung geschaffen werden. Die zahlreichen Kabel und Versorgungsleitungen, die bereits in den einzelnen Modulen verbaut sind, werden nun angeschlossen. Jeden Tag werden Baufortschritte sichtbar.
Trotz aller Vorteile bleibt auch ein solches System nicht von den üblichen Bau-Problemen verschont. Aber diese sind alle gelöst worden. Dass nach Vorliegen aller Pläne die Baugenehmigung binnen einer Woche erteilt worden war, hat das Projekt unzweifelhaft beschleunigt.
Bürgermeister Wagemeyer und den Sachbearbeitern in seinem Rathaus wird man es verzeihen können, wenn Bauanträge für weniger brisante Projekte nicht ganz so flott abgearbeitet werden. Dieser Bau dürfte dringlich genug gewesen sein. Allerdings könnte es auch sein, dass manche Abkürzung der Dienstwege in Zukunft häufiger genommen werden.
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