Dirk Stiepert bleibt länger im Amt als geplant. Der Leiter der Hagener Außenstelle der Autobahn GmbH des Bundes verschob seinen Ruhestand – wegen eines Bauwerks, das seine letzten Monate bestimmte.

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Eigentlich hätte der 65-Jährige bereits im Oktober 2025 in Rente gehen können. Doch er verlängerte seinen Vertrag. Am 22. Dezember 2025 wurde die Talbrücke Rahmede auf der A 45 für den Verkehr freigegeben – früher als ursprünglich vorgesehen. „Ich wollte das Projekt unbedingt zu Ende bringen“, erklärt Stiepert. Der Termin war zunächst für Sommer 2026 angesetzt. Dass die Freigabe vorgezogen werden konnte, lag am Einsatz der Teams in Hagen und der beteiligten Bauunternehmen. Für die Menschen in Lüdenscheid war es ein „Weihnachtsgeschenk“.

Aufbau einer neuen Organisation

Fünf Jahre zuvor hatte Stiepert eine zentrale Rolle beim Aufbau einer neuen Struktur übernommen. Mit der Gründung der Autobahn GmbH zum 1. Januar 2021 entstand eine bundesweit einheitliche Organisation. In der Niederlassung Westfalen leitete er die Außenstelle Hagen.

Der Start war anspruchsvoll. Die neue Gesellschaft musste die Strukturen von zuvor 16 Länderverwaltungen zusammenführen. Gleichzeitig mussten laufende Projekte ohne Unterbrechung weitergeführt werden. Viele erfahrene Mitarbeiter wechselten von Straßen.NRW zur neuen Gesellschaft, was den Übergang erleichterte. Dennoch blieb die Anfangsphase geprägt von hohem Aufwand und organisatorischer Anpassung.

Die Rahmedetalbrücke als Ausnahmefall

Die größte Herausforderung zeichnete sich früh ab. Bei einer Überprüfung der Bauwerke wurde deutlich, dass sich die Talbrücke Rahmede in einem kritischen Zustand befand. Nach intensiven Abstimmungen wurde die Sperrung beschlossen.

Für die Mitarbeiter begann eine außergewöhnliche Phase. Stiepert beschreibt sie als „Marathon ohne Training“. Vergleichbare Situationen hatte er in seiner Laufbahn nicht erlebt. Zwar gehörten unerwartete Probleme im Straßen- und Brückenbau zum Alltag – etwa schwieriger Baugrund oder Konflikte in Planungsverfahren. Doch die Kombination aus Zeitdruck, Umfang und öffentlicher Aufmerksamkeit machte dieses Projekt besonders.

Verkehr und Verschleiß

Im Rückblick sieht Stiepert vor allem eine Entwicklung als prägend: den stark gewachsenen Verkehr. Sowohl die Menge der Fahrzeuge als auch deren Gewicht hatten deutlich zugenommen.

Historische Aufnahmen zeigten Autobahnen mit wenigen Fahrzeugen. Heute prägen dichte Lkw-Kolonnen das Bild. Diese Dauerbelastung setzt insbesondere Brücken stark zu, aber auch Fahrbahnen leiden zunehmend. Die Folge sind zahlreiche Sanierungen und Neubauten, vor allem auf stark frequentierten Strecken wie der A45 oder der A1.

Mit den vielen Baustellen wuchs auch die Kritik. Verkehrsteilnehmer äußerten ihren Unmut zunehmend direkt, oft auch in sozialen Medien.

Stiepert hat gelernt, mit dieser Kritik umzugehen. Für jüngere Mitarbeiter stellte der teilweise scharfe Ton jedoch eine Herausforderung dar. Gleichzeitig betont er, dass die Maßnahmen notwendig gewesen seien: Ziel sei es gewesen, die Infrastruktur zu erhalten und langfristig zu verbessern.

Fortschritte entlang der A45

Trotz der Belastungen wurden zahlreiche Projekte umgesetzt. Zwölf Brücken im Bereich der Niederlassung Westfalen waren bereits neu gebaut worden, weitere befanden sich im Bau. Zusätzlich wurden zahlreiche Bauwerke verstärkt, um Bauzeiten zu verkürzen und den Verkehr aufrechtzuerhalten.

Die Außenstelle Hagen spielte dabei eine zentrale Rolle, unter anderem bei den Talbrücken Rahmede, Kattenohl und Sterbecke.

Zum Ende seiner Laufbahn zieht Stiepert eine positive Bilanz. Die Fokussierung auf die Autobahnen sowie die Verbindung aus zentraler Steuerung und regionaler Erfahrung hätten sich bewährt.

Ein vollständiger Abschied erfolgt zunächst nicht. Bis Ende des Jahres übernimmt er kommissarisch die Leitung der Außenstelle Osnabrück. Danach will er sich privaten Vorhaben widmen: Zeit mit der Familie, Reisen, Langlauf im Winter – und Motorradfahren.

Nadja Hülsmann übernimmt Leitung in Hagen

Zum 1. Mai übernahm Nadja Hülsmann die Leitung der Außenstelle Hagen. Die Bauingenieurin hatte zuvor den Geschäftsbereich Bau und Erhaltung geführt und verfügt über langjährige Erfahrung im Brückenbau sowie in verschiedenen Funktionen bei Straßen.NRW.

Mit ihrem Wechsel bleibt die Kontinuität in Hagen gewahrt – in einer Phase, in der die Anforderungen an die Infrastruktur weiterhin hoch bleiben.