"Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage": Unter diesem Leitmotiv fand an der Primusschule eine Mottowoche zur Rassismusprävention statt. Lehrerin Islim Erdal hatte vor diesem Hintergrund für die Schülerinnen und Schüler der Klassen neun und zehn am Donnerstag, 11. Juni, ein besonderes Konzert mit "Musik aus den Konzentrationslagern" organisiert.

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Erinnerungskultur fördern

Rund 110 Schülerinnen und Schüler kamen dazu am Donnerstagmorgen im 8Giebel zusammen. "Unser Ziel ist es, ihnen einen Zugang zur Erinnerungskultur und menschlicher Verantwortung zu ermöglichen", machte Erdal deutlich. Erst Anfang des Jahres seien die Schülerinnen und Schüler in Berlin gewesen und hätten dort zahlreiche historische Orte besucht. "Das passte thematisch super", freute sich die Lehrerin.

Rund 45 Minuten dauerte das Konzert von Svenja Giliberto (Bratsche), Arsenis Selalmazidis (Geige) und der Giedrius Zukanskas (Cello), die mit ihrem Programm bereits an 19 Schulen zu Gast. Die drei Musiker sind Teil des Ensembles "Compania" aus Münster und verstehen ihre Auftritte "nicht als Kunstaspekt, sondern als Erinnerungsaspekt", erklärte Giliberto. Sie moderierte zwischen den einzelnen Stücken und gab den Jugendlichen Hintergrundinformationen aus musikalischer und historischer Sicht.

Im Gespräch mit LokalDirekt machte sie deutlich: "Wir glauben, das Erinnerung nichts nach hinten Gewandtes ist, sondern für die Zukunft wichtig ist. Deswegen wollen wir den Kindern eine Erinnerung mitgeben. Es ist extrem wichtig und wird immer wichtiger."

Hymne des antifaschistischen Widerstandes

Den Auftakt machte das wohl bekannteste Stück, das in einem Konzentrationslager entstanden ist. Bereits 1933, so erklärte es Giliberto den Jugendlichen, errichteten die Nationalsozialisten im Emsland Arbeitslager, zu dem Zeitpunkt überwiegend für politische Gegner. Aufgabe der sogenannten Moorsoldaten war es, das Moor trockenzulegen und kultivierbar zu machen. "Die Geschichte der Lager ist nicht vorbei. Die Formen haben sich vielleicht ein bisschen geändert, aber die systematische Entmenschlichung gibt es weiterhin", so Giliberto.

Das "Lied der Moorsoldaten" verbreitete sich für die damalige Zeit schnell durch Verlegungen, Besuche und auch durch Wachleute. Bemerkenswert: In der letzten Strophe ändert sich der Refrain, aus "wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit dem Spaten ins Moor" wird "dann ziehen die Moorsoldaten nicht mehr mit dem Spaten ins Moor!" Mit dieser Hoffnung am Ende der letzten Strophe habe sich das Lied letztlich zu einer „Hymne des antifaschistischen Widerstandes" entwickelt.

In dem 45-minütigen Programm waren jedoch auch Stücke zu hören, wie beispielsweise "Lippen schweigen" aus der Operette "Lustige Witwe", die ursprünglich nicht aus Konzentrationslagern stammten, jedoch aus den verschiedensten Gründen auch dort gesungen wurden.

Das Ensemble hatte ursprünglich eine rund zweistündige Version des Programms für ein gesamtes Orchester ausgearbeitet. Schnell sei den Musikern jedoch klar gewesen: "Das muss an eine Schule." Und noch vor der Uraufführung des Originalprogramms spielten die Musiker in verringerter Besetzung vor jungen Menschen.

Mittlerweile, so erklärte Giliberto, sind Schulen der Haupt-Auftrittsort für das Programm. "Wenn die Kinder davon etwas mitnehmen, haben wir viel erreicht", fasste Lehrerin Islim Erdal den Auftritt und die Informationen zusammen.