Wenn am späten Samstagabend, 11. Juli, auf dem Feuerwehrfest in Delle die letzten Töne erklingen, endet in Breckerfeld eine Ära: Martin Luks, im Ort besser bekannt als „DJ Martin“, legt ein letztes Mal auf. Über fast drei Jahrzehnte hinweg hat er Generationen zum Tanzen gebracht — auf Schützen- und Scheunenfesten, Hochzeiten und auch größeren Bühnen. Nun nimmt der beliebte „Dorf-DJ“ Abschied von den Turntables — und schenkt seine Zeit künftig der Familie.

Überregionale Nachrichten

Vom Kinderzimmer auf die Bühne

Alles begann vor 27 Jahren, als Hobby, im Kinderzimmer. „Die Boxen wurden irgendwann immer größer und lauter, und das Licht hat mich immer mehr fasziniert“, erinnert sich Luks. Es folgten erste Auftritte auf Geburtstagen von Freunden und deren Eltern. Durch einen Freund, den er augenzwinkernd „Eisenkarl“ nennt,  lernte er seinen langjährigen Weggefährten Manuel kennen. Auch er war damals schon Hobby-DJ. „Gemeinsam ist man stärker“, sagt Luks. „Und so sind wir gemeinsam Stück für Stück gewachsen.“ Bis heute verbindet die beiden eine enge Freundschaft: „Manuel ist sogar mein Trauzeuge.“

DJ Martin (l.) und DJ Manuel (r.) verbindet seit vielen Jahren eine Freundschaft. Auf zahlreichen Veranstaltungen sorgten sie gemeinsam für Stimmung.
Foto: privat

Ein Anruf mit Folgen

Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte Luks ausgerechnet dort, wo nun auch sein Abschied stattfinden wird: beim Feuerwehrfest in Delle. „Ich saß mittags noch im Garten, als mein Handy klingelte. Die Feuerwehr fragte mich, ob ich einspringen kann, weil ihr eigentlich für den Abend gebuchter DJ abgesagt hatte.“ Aus der spontanen Zusage wurde der Start in eine jahrzehntelange Karriere. „Das ist nun schon geschätzt über 25 Jahre her“, sagt er ein bisschen wehmütig.

Zwischen Dorffest und großer Halle

Zu den prägendsten Jahren zählen für Luks die Jahre 2003 bis 2006. In dieser Zeit war er Hallen-DJ der Union Baskets Schwelm in der Uni-Halle Wuppertal — und er begleitete das Team vom Spielbetrieb in der zweiten Basketball-Bundesliga bis zum Aufstieg in die erste Liga. Die Aufstiegsfeier in Schwelm bescherte ihm dann auch seinen bislang größten Auftritt: „Es waren mehr als 4500 Leute da. Das war schon krass.“

Doch trotz großer Bühnen hatten für ihn die Veranstaltungen in Breckerfeld immer einen besonderen Stellenwert. „Hier ging es mir nicht nur darum, gebucht zu sein, sondern ein Teil davon zu sein.“ Besonders danke er daher der Feuerwehr Delle, der Landjugend Breckerfeld, den Bauernschützen und den Junggesellenschützen — jenen Vereinen, mit denen über Jahre eine enge Verbindung gewachsen sei.

Generationen tanzen gemeinsam

„Jeder Auftritt ist etwas Besonderes“, sagt Luks. Doch nicht alle blieben ihm ausschließlich positiv in Erinnerung. So habe ihn vor einigen Jahren eine italienische Hochzeit musikalisch vor große Herausforderungen gestellt: „Es waren ausschließlich italienische Gäste anwesend — und ich habe gemerkt, dass ich mit meinem Musik-Wissen und Playlists an Grenzen komme.“ Zwar habe er sich „tapfer geschlagen“, dennoch habe es ihm für das Brautpaar leid getan, dass er „in diesem Fall nicht die optimale Besetzung gewesen“ sei, erzählt er augenzwinkernd.

Verändert habe sich die Partykultur in Breckerfeld aus seiner Sicht überraschend wenig: „Die Leute, die früher zu meiner Musik getanzt haben, sind heute Eltern — und ihre Kinder tanzen jetzt auch dazu.“ Besonders freut ihn, "dass viele Musikklassiker generationsübergreifend funktionieren und die Jugend heute oft noch dieselben Songs feiert, zu denen schon ihre Eltern getanzt haben".

Martin Luks alias "DJ Martin" bei einem seiner letzten Gigs auf dem Scheunenfest der Landjugend Breckerfeld.
Video: Satur

Der bewusste Schritt zurück

Der Entschluss, aufzuhören, reifte bei Martin Luks während der Corona-Pandemie: „Da habe ich gemerkt, wie schön ein regelmäßiges freies Wochenende ist.“ Als Familienvater von drei Kindern möchte der 45-Jährige künftig mehr Zeit mit seiner Frau Hannah sowie seinen Söhnen Anton und Tom und seiner Tochter Kiara verbringen.

Zeit — das sei der Hauptgrund für seinen Abschied vom DJ-Pult, erklärt Luks, der hauptberuflich als selbständiger Service-Techniker für Dachfenster tätig ist. „Der Aufwand für jeden Auftritt wird oft unterschätzt. Aber für fast jede Veranstaltung geht ein ganzes Wochenende drauf — einladen, aufbauen, Musik machen, abbauen, ausladen. Dazu kommt noch die Pflege der Technik.“ Dass er das über Jahre leisten konnte, verdanke er vor allem seiner Frau: „Hannah hält mir den Rücken frei, unterstützt mich immer und hat Verständnis, wenn es mal länger dauert.“

Ein Abschied voller Emotionen

Der Abschied fällt ihm sichtlich schwer: „Ich bin emotional bis zum Anschlag geladen. Je näher der Tag kommt, desto mehr steigen mir die Tränen in die Augen.“ Schließlich hätten ihn die Musik, die Feste und das Partypublikum mehr als die Hälfte seines Lebens begleitet.

Dass sein letzter Auftritt beim Feuerwehrfest in Delle stattfindet, sei für ihn eine bewusste Entscheidung gewesen: „Dort hat alles angefangen — und dort soll es auch enden.“ Über die Jahre seien ihm die Deller Kameradinnen und Kameraden „ein Stück weit Familie geworden“. Mit einem breiten Grinsen ergänzt er: „Sie haben mir auch meine manchmal große Klappe verziehen — denn frech sein kann ich, aber bitte mit Niveau.“

Musik als Antwort

Musik bedeutet Luks sehr viel: „Ich habe in der Musik immer Antworten gefunden“, sagt er — und verweist auf sein Unterarm-Tattoo mit der Aufschrift „Music is the answer“. Für jede Stimmung, für jede Lebenssituation lasse sich der passende Soundtrack finden, ist sich der erfahrene DJ sicher.

Ein Song, der ihn, den „Party-DJ“, während all der Jahre als DJ besonders begleitet hat, ist aber ausgerechnet eine Ballade: „Angels“ von Robbie Williams. „Wenn dieses Lied zum Beispiel alle Gäste im Festzelt mitsingen — das ist Gänsehaut pur.“

Vom DJ zum Partygast

Was er am meisten vermissen wird, kann er noch nicht sagen: „Ich bin ja nicht weg — nur der DJ ist weg.“ Als „Breckerfelder Partylümmel“ will er weiterhin auf Festen präsent sein — dann jedoch als Gast: „Ich freue mich darauf, zu kommen und zu gehen, wann ich will. Sonst war ich ja immer der Erste und der Letzte.“

Martin Luks freut sich vor allem aber darauf, an den Wochenenden künftig mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können. „Meine Tochter geht auch gerne mal mit ihrem Papa feiern“, lacht er. Generell würden seine Kinder Interesse an Musik zeigen: „Meine Söhne Anton und Tom waren immer sehr stolz, dass ich der ‚Dorf-DJ’ bin und haben mir sogar manchmal schon ein bisschen geholfen.“ Denn das DJ-Gen hat Luks ihnen offenbar vererbt: „Sie möchten später selbst einmal auflegen. Aber das hat noch etwas Zeit“, sagt Luks schmunzelnd.

Der letzte Soundcheck für den letzten Gig: Beim Feuerwehrfest der Löschgruppe Delle am Samstag, 11. Juli 2026, wird Martin Luks das letzte Mal als Breckerfelder "Dorf-DJ" für Stimmung sorgen.
Foto: privat

Seine Zeit als aktiver DJ sei nun jedenfalls vorbei. Am 11. Juli heißt es ein letztes Mal: „DJ Martin sorgt für Stimmung.“ Der 45-Jährige ist sich sicher, dass bei ihm auf seinem letzten Gig „das ein oder andere Tränchen rollen wird“. Aber mindestens genauso sicher ist, dass die Breckerfelder noch ein letztes Mal gemeinsam mit ihm feiern, zu „Aloha heja he“ rudern und zu „Bella Napoli“ rudeln werden — und so gebührend Abschied nehmen von einem, der das Dorfleben über Jahrzehnte mit seinem Sound geprägt hat.