Das Herz der drittgrößten Industrieregion Deutschlands schlägt in Südwestfalen. Darin waren sich Christopher Mennekes, Vorstandsvorsitzender des Arbeitgeberverbands Olpe, und NRW-Wirtschafts-und Energieministerin Mona Neubaur beim Unternehmertreffen in der Olper Stadthalle einig.

Konkrete Hilfs- oder Förderzusagen hatte die Ministerin nicht im Gepäck, dafür aber großes Verständnis und viel Lob für Engagement und Innovationsfähigkeit der Mittelständler in der Region. „Das soll auch so bleiben“, mahnte Mennekes in seiner Begrüßung vor etlichen Vertretern aus Unternehmen, Politik und Verwaltungen die Regierenden, die Rahmenbedingungen für die Mittelständler zu verbessern.
Ansonsten wüchsen die Zweifel, „ob die Transformation gelingen kann.“ Auch was die Dekarbonisierung und den Ausbau erneuerbarer Energien angeht, zielten der Arbeitsgeber-Vorsitzende und die Ministerin in eine Richtung. Mennekes machte mit Blick auf die Arbeitszeit-Debatte auch klar: „Wohlstand erhalten und weniger arbeiten geht nicht.“ Dazu müsste die Effizienz gesteigert und langsame Prozesse, auch in den Behörden beschleunigt werden.
Unternehmen mit Anstand
Viel Lob für die gleichermaßen innovativen wie bodenständigen Unternehmen in Südwestfalen gab es von der Ministerin in ihrer gut 35-minütigen Politik-Skizze. Beifall gab es für ihre Würdigung der Unternehmen, die trotz der Widrigkeiten nach der Corona-Pandemie und mit dem Überfall auf die Ukraine, weitergemacht hätten und europäische Werte schützten. Das zeige, dass zum Unternehmertum in Südwestfalen auch Anstand gehöre.
Aufgabe der Politik sei es, für günstige Energie zu sorgen. Dazu müsse sie als Grüne auch Konflikte wie die zwischen Naturschutz und neuen Windrädern aushalten. Es gelte, „größere Dinge im Auge zu haben als die eigenen Positionen.“ Beim Windrad-Ausbau sei man auf einem guten Weg. Die Landesregierung forciere eine „integrierte Netzplanung“, damit hier auch künftig genug günstiger Strom verfügbar sei und eine Basis für die Wasserstoffeinsatz biete. Zudem plädierte sie dafür, Energie möglichst regional zu erzeugen.
Appell an Schüler: kommt zurück
Der Fachkräftemangel werde in einer Gemeinschaftsaktion verschiedener Ministerien angegangen. Neben einer Steigerung der Frauenerwerbstätigkeit müssten Beschäftigte auch qualifiziert und bei der Transformation und Digitalisierung, die vielen Angst mache, mitgenommen werden. Dabei sollen die Unternehmen unterstützt werden. In ihrer durchweg frei gehaltenen Rede ermunterte die jungen Leute, nach der Schule eine Ausbildung zu machen, raus zu gehen und sich anderswo umsehen, „aber kommt zurück.“
Neubaur hält mit Blick auf die Region auch einen teilweisen Ausbau der Autobahn für nötig. Das würde in ihrer Partei nicht gerade Konfetti-Kanonen zünden. Vorrang habe jedoch die Sanierung der Infrastruktur. „Was da ist erhalten“, forderte sie, um die Adern für die Produktion offen zu halten. Mit dem Bund sei man im Gespräch, Sonderabfahrten einzurichten, um sperrige Güter besser transportieren zu können. „Das kriegen wir hin“, gab sie sich zuversichtlich. Mit Förderprogrammen wolle die Landesregierung helfen, strukturelle Probleme zu lösen.

Lücken im digitalen Netz sollten bis Ende 2024 beseitigt werden. Gespräche mit Mobilfunk-Anbietern dazu liefen. Bei Gegensätzen ermunterte sie zu „konstruktiver Kritik“ und der Bereitschaft zu Partnerschaft. „Wir stehen alle im Dienst der Gemeinschaft“, mahnte sie. Der Beifall zeigte, dass man sich in der Hinsicht einig war.
Bei einem Stehempfang mit Fingerfood nach dem Vortrag bestand Gelegenheit zu weiterem Austausch.










