Hoch oben in einem Baum hatte die Asiatische Hornisse ihr Nest gebaut. Rund 20 Meter über dem Boden mussten die ehrenamtlichen Hornissenbekämpfer arbeiten. Ihr Ziel: Das Nest entfernen und verhindern, dass im kommenden Jahr weitere Königinnen neue Völker gründen.
Die Asiatische Hornisse breitet sich auch im Märkischen Kreis zunehmend aus. Vor einigen Tagen entdeckten Anwohner in Schalksmühle ein Nest in einem Baum direkt gegenüber ihrem Fenster im Obergeschoss. Sie informierten den Bürgermeister, der sich daraufhin mit der Gruppe ehrenamtlicher Hornissenbekämpfer in Verbindung setzte.
Dass es wichtig ist, die invasive Insektenart möglichst einzudämmen, wird immer wieder thematisiert. Die Imkergruppe um Christian Conrad ist deshalb für jede Meldung eines Nestes dankbar. „Dabei geht es nicht darum, unsere Honigbienen zu schützen, das machen wir Imker schon selbst“, erklärt Conrad einem Passanten, der nicht verstehen wollte, warum das Nest entfernt werden musste. Die Asiatische Hornisse bedrohe sämtliche Bestäuberinsekten: „Schmetterlinge, Wildbienen und alle anderen werden irgendwann in unseren Breiten ausgerottet sein, wenn sich die asiatische Hornisse weiterhin so extrem schnell vermehrt. Wollen sie das?", fragt Conrad ein wenig provokant.
Fotogalerie
Ausrüstung durch Spenden finanziert
Das Nest in Schalksmühle hatten die Hornissen in rund 20 Metern Höhe gut versteckt. Zwischen den Blättern des Baumes war es nur schwer zu erkennen. Nach der Ortung und der Beratung über die beste Vorgehensweise packten die Hornissenbekämpfer am Freitag, 18. September, ihr umfangreiches Equipment aus: Zur Ausrüstung gehören besonders dicke und stichsichere Schutzanzüge und unter der Kapuze tragen die Helfer zusätzlich einen Helm mit Visier. Hinzu kommen Lanzen, Sauger, ein Kompressor und weitere Hilfsmittel.
Für die Anschaffung des Materials spendete die Sparkasse — nach Vermittlung durch die Städte Schalksmühle, Halver, Lüdenscheid und Herscheid — 7000 Euro. Die notwendigen Schutzanzüge sind darin nicht enthalten. Sie kosten pro Stück knapp 400 Euro und konnten durch private Spenden angeschafft werden. Zwei weitere Schutzanzüge erhielt die Gruppe über eine Förderung des Landes NRW.
Eine Anschaffung, die sich gelohnt hat, denn das Nest in Schalksmühle war das siebzehnte, das die Gruppe inzwischen ehrenamtlich entfernt hat — und es liegen bereits weitere Meldungen vor.
Fotogalerie
Sicherheit für Helfer und Anwohner
Weil sich das Nest in großer Höhe befand, musste die Lanze zunächst auf die erforderliche Länge von rund 20 Metern verlängert werden. In das Rohr führten die Helfer einen Schlauch ein, über den später heißer Wasserdampf in das Nest geleitet wurde.
Während der Vorbereitungen sperrten die Helfer die Zuwegung zum Nest für Passanten. Das dient der Sicherheit, denn nach einem Angriff auf ihr Nest können Hornissen ausschwärmen und Menschen als Bedrohung wahrnehmen — und diese dann angreifen. Unter dem Nest legten die Helfer außerdem eine große Plane aus. Sie sollte herabfallende Nestteile und tote Hornissen auffangen.
Bis dahin durften auch Phil Thebrath (9) und sein Handballkamerad aus dem Nachbargarten die Vorbereitungen beobachten. Für die eigentliche Bekämpfung mussten die beiden jedoch ins Haus gehen, um die weiteren Aktionen sicher vor Stichen durch die Fensterscheibe zu beobachten.
Erfolgreicher Angriff
Ralf Klein-Übbing vom Herscheider Imkerverein und Andreas Klein vom Imkerverein Lüdenscheid übernahmen die Arbeit direkt am Nest. Gut geschützt in ihren Spezialanzügen schoben sie das inzwischen auf rund 20 Meter verlängerte Rohr mit der spitzen Lanze bis an das Nest und stachen hinein. Zehn Minuten lang leiteten sie nun heißen Wasserdampf in das Nest. „Bei dieser Temperatur stockt das Eiweiß, aus dem die Maden bestehen, und tötet sie somit auch. Auch die flugunfähige Königin und viele Hornissen im Nest werden auf diese Weise abgetötet“, erklärt Christian Conrad das Verfahren.
Als die ersten Wachstropfen aus dem Nest fielen, war die Erleichterung groß. „Wir sind drin“, hieß es von Klein-Übbing und Klein. Damit war klar, dass der Angriff auf das Nest erfolgreich verlaufen war. Anschließend pumpten die Helfer über die Lanze heißes Wasser in das Nest. Dieses besteht aus zerkautem Holz und ähnelt damit in seiner Struktur Papier. Durch das Wasser weicht das Material auf und fällt zu großen Teilen herunter.
Fotogalerie
Vom Wasserdampf zum Sauger
Am verbliebenen Rest des Nests sammelten sich nun die Hornissen, die dem Wasserdampf entkommen waren. Ralf Klein-Übbing und Andreas Klein holten dauarufhin die Lanze ein. Dieser Moment gehörte zu den gefährlichsten Teilen des Einsatzes: Die Hornissen hatten die Lanze als Angreifer identifiziert und sammelten sich auch an deren Spitze. Die Helfer mussten die Lanze dennoch abmontieren und durch einen Saugrüssel ersetzen. Damit saugten sie die verbliebenen Hornissen vom Restnest ab.
Die eingefangenen Tiere wurden anschließend mit CO₂ betäubt und drei Tage lang bei minus 18 Grad eingefroren. „Das ist die humanste Methode, die aktuell möglich ist“, sagt Christian Conrad.
Nach Schätzungen der Bekämpfer lebten rund 1200 Hornissen sowie zahlreiche Larven in dem etwa medizinballgroßen Nest. Durch die Entfernung konnten demnach bis zu 50 junge Königinnen nicht mehr schlüpfen. Sie hätten im kommenden Jahr jeweils zehn bis 15 neue Völker gründen können.
Christian Conrad hofft außerdem, dass die Entfernung des Nests in der Nähe der Primusschule die Sorgen einiger Eltern verringert. Sie hatten wiederholt Asiatische Hornissen in einem Korallenbeerenstrauch am Eingangsbereich der Schule beobachtet.
Fotogalerie
Imker arbeiten ehrenamtlich
Auch Markus Leischer, Obmann und zweiter Vorsitzender des Imkervereins Hagen sowie Wespen- und Hornissenfachberater für Hagen, nahm an dem Einsatz teil. Er wollte sich über die Vorgehensweise der Gruppe informieren und Erfahrungen austauschen: Die Zusammenarbeit der verschiedenen Imker und Fachberater sei wichtig, um weitere Möglichkeiten zur Eindämmung der Asiatischen Hornisse zu entwickeln.
Die Imker hoffen zugleich, dass sich weiter herumspricht, wie Nester gemeldet werden können. Nach Angaben der Gruppe geht es dabei nicht nur um den Schutz heimischer Insekten, sondern auch um so die Bestäubung von Obstbäumen und anderen Pflanzen sicherzustellen.
„Die Entfernung der Nester durch uns ist in den Städten, die uns bei der Anschaffung der Ausrüstung unterstützt haben, immer kostenlos für die Melder der Nester und auch für die Grundstücksbesitzer, auf denen die Nester gefunden werden“, betont Conrad. In anderen Städten könne für die Entfernung eine Rechnung über die Aufwandsentschädigung anfallen. Damit sollen auch Fälle vermieden werden, in denen Betroffene, wie kürzlich ein Halveraner Ehepaar, an unseriöse Schädlingsbekämpfer geraten und trotz hoher Rechnungen ihre Hornissennester nicht loswerden.
Über Spenden freut sich die Gruppe dennoch, da die Ausrüstung regelmäßig ergänzt oder defekte Teile ersetzt werden müssen. Geplant ist unter anderem die Anschaffung eines Ortungssystems, mit dem sich die Nester leichter aufspüren lassen.
Fotogalerie
Zum Thema Asiatische Hornisse berichtete LokalDirekt bereits mehrfach:
- Asiatische Hornisse breitet sich aus — Imker warnen vor Folgen
- Chinesische Einwanderin per Schiff wird zur Plage - Kampf gegen die Asiatische Hornisse
- Imker informieren rund um die Asiatische Hornisse






