Für viele junge Menschen beginnt in diesen Wochen ein neuer Lebensabschnitt: der Start in die Berufsausbildung. Doch der Zugang dazu ist alles andere als selbstverständlich. Aktuelle Zahlen der Agentur für Arbeit im Märkischen Kreis zeigen: Trotz vieler Bewerbungen bleiben hunderte Ausbildungsplätze unbesetzt – insbesondere im Märkischen Kreis schrumpft das Angebot. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert deshalb: Arbeitgeber und Politik müssen handeln.

 

Im Juni 2026 meldeten Betriebe im Märkischen Kreis 1932 Ausbildungsplätze – ein deutlicher Rückgang um 16 Prozent beziehungsweise 367 Plätze im Vergleich zum Vorjahr.

Gleichzeitig stieg die Anzahl an Bewerbern um 10,5 Prozent auf 2214 Personen (+210 absolut). Das bedeute eine negative Trendwende: Traditionell hatte es im Märkischen Kreis bisher mehr Ausbildungsstellen als Bewerber gegeben.

Während die Zahl der unversorgten Bewerber wächst (plus acht Prozent), bleiben auf der anderen Seite dennoch 959 Stellen unbesetzt. 

Trotz steigender Bewerbungen bleiben viele Stellen leer. Das zeigt: Das Problem ist nicht die unwillige Jugend – sondern ein System, das an ihnen vorbeiplant. Es gibt keine einfache „Nachfragelücke“, sondern ein massives Passungsproblem auf dem Ausbildungsmarkt.

Nach Auffassung des DGB finden Angebot und Nachfrage nicht zusammen, weil Ausbildungsplätze zum Sparposten werden: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten reduzieren Betriebe ihr Ausbildungsangebot häufig zuerst – obwohl gerade dann in den Fachkräftenachwuchs investiert werden müsste. Außerdem seien die Auswahlkriterien zu eng: Viele Betriebe suchen vermeintlich „passende“ oder bereits nahezu fertige Bewerber, statt jungen Menschen Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Viele werden frühzeitig aussortiert

Weiter fehlen, so der DGB, Unterstützung und Qualität: Jugendliche mit Unterstützungsbedarf, schwächeren Schulabschlüssen oder Sprachbarrieren würden häufig frühzeitig aussortiert. Zugleich beeinflussten Ausbildungsqualität, Arbeitsbedingungen und Zukunftsperspektiven die Entscheidung junger Menschen.

Der DGB kritisiert weiter, dass Berufsorientierung nicht alle Jugendlichen rechtzeitig erreiche. Dadurch blieben Chancen ungenutzt und Bewerbungsprozesse scheiterten. 

Sebastian Cramer, Jugendbildungsreferent DGB Ruhr-Mark, sagt dazu: „Was wir brauchen, sind Arbeitgeber, die wirklich ausbilden wollen – und keine, die fertige Fachkräfte direkt aus der Schule erwarten. Natürlich sehen wir, dass junge Menschen heute mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen in die Ausbildung starten. Aber gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel von morgen müssen wir jungen Menschen eine Chance geben – auch wenn sie nicht zu 100 Prozent auf die Stellenanforderungen passen.“ 

DGB fordert Ausbildungsgarantie für alle Jugendlichen

Der DGB fordert daher eine gesetzliche Ausbildungsgarantie für alle Jugendlichen, verbindliche Ausbildungsquoten und solidarische Umlagefinanzierung, die Sicherung qualitativer Standards mit Ausbildungskonzepten, Anleitung und Mitbestimmung, eine stärkere Berufsorientierung und passgenaue Vermittlung sowie die Förderung überbetrieblicher Ausbildung in strukturschwachen Regionen. 

Manuel Bunge-Altenberg, Vorsitzender des DGB Märkischer Kreis stellt fest: „Die Gewerkschaften sind starke Partner und verlässliche Unterstützer für Auszubildende – mit Beratung, Schutz und Engagement, wenn es darauf ankommt. Als Sozialpartner gestalten wir Ausbildung gemeinsam mit den Betrieben – fair, sicher und zukunftsfähig. Dazu gehört es auch, die Betriebe immer wieder an ihre Verantwortung zu erinnern. Bei jetzt schon 18.500 Arbeitslosen im Märkischen Kreis ist ein weiterer Abbau von Ausbildungsplätzen eine denkbar schlechte Perspektive für die junge Generation.“

Ausbildung bedeutet Investition in die Zukunft

Wer heute nicht ausbilde, verschärfe den Fachkräftemangel von morgen. „Ausbildung ist keine freiwillige Sozialleistung, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Region. Wer nur Idealbewerberinnen und Idealbewerber sucht, vergibt Chancen. Es braucht jetzt einen Kurswechsel: Mehr Offenheit, mehr Verantwortung – und echte Chancen für alle jungen Menschen“, so Manuel Bunge-Altenberg abschließend.