Vom Leuchtturm der Freiheit zum demokratischen Niedergang: Lesend und im Gespräch stellten Prof. Mathias Hanses, ehemaliger Schüler des Evangelischen Gymnasiums Meinerzhagen, der seit zwei Jahrzehnten in den USA lebt und lehrt, und Autor Klaus Brinkbäumer dessen Buch „Der amerikanische Albtraum — Faschismus made in USA“ vor.

Überregionale Nachrichten

Brinkbäumer war Auslandskorrespondent des „Spiegel“ und verlegte 2018 erneut seinen Lebensschwerpunkt in die USA. Er zweifelt, ob die USA je demokratisch waren. Wahlkreise würden passend zurechtgeschnitten, mit Wahrheiten halte man es unter Präsident Donald Trump nicht so genau. „Das zerstört die Demokratie. Die Menschen gehen nicht mehr wählen“, so Brinkbäumer. Die Erosion gebe es schon seit „der geschenkten Wahl“ 2000, als Al Gore gegen den Republikaner George W. Bush unterlag. Die Anfänge des Regelbruchs.

Vor allem seit Trump die Amtsgeschäfte führt würden Feindbilder produziert, Richterposten mit ergebenen Gefolgsleuten besetzt, Wahlergebnisse infrage gestellt, nationalistisch argumentiert, Medien als Feinde skizziert, Wirklichkeit umgedeutet. Mit Peter Thiel als Finanzier im Hintergrund werde versucht, die Demokratie abzuschaffen und die Herrschaft weißer Männer als Übervater-Figur zu festigen.

Wie Ungleichheit bei Wahlen zementiert wird, machte der Autor am Beispiel Wyomings deutlich. Der Bundesstaat mit nur 800.000 Einwohnern stelle zwei Senatoren fürs Parlament, Kalifornien mit 40 Millionen Einwohnern habe aber auch nur zwei Senatoren. Ähnlichkeiten zum Faschismus hitlerscher Prägung seien größer als die Unterschiede, meint Brinkbäumer.

„Meister der Emotionalisierung“

Trump bescheinigte der Autor und ehemalige „Spiegel“-Chefredakteur, er sei ein „Meister der Emotionalisierung“. Er steuere die Aufmerksamkeit und „die Welt starrt hin“. Hilfreich dabei: die Interessen der Tech-Giganten wie Mark Zuckerberg oder Elon Musk in Verbindung mit Algorithmen, die die Realität verzerren.

Mathias Hanses bestätigte die Einschätzungen aus seiner US-Erfahrung. Man fühle sich weitgehend wehrlos. Ein Ausgleich verschiedener Positionen, die „Pendelbewegung“, gerate in Gefahr gestoppt zu werden. Widerstand sehen beide auch. Da war die Bischöfin, die bei Trumps Amtseinführung um Respekt für die Verlierer bat oder die Proteste in Minneapolis, als Beamte der Einwanderungsbehörde zwei Menschen erschossen.

Zwei Männer sitzen an einem Tisch auf einer Bühne und diskutieren. Links trägt einer einen Tweed-Anzug, der andere rechts einen blauen Anzug und Turnschuhe.
Prof. Martin Hanses und Klaus Brinkbäumer (re.) analysierten kenntnisreich und unterhaltsam die Entwicklung der USA unter Trump.
Foto: Rüdiger Kahlke

Noch, so Brinkbäumer, hätten die Demokraten „ein kleines Zeitfenster“, die Weichen neu zu stellen. Sie dürften keine Fehler mehr machen und müssten die Zwischenwahlen im November sowie die nächste Präsidentenwahl gewinnen.

Politik — ernst und unterhaltsam

Die Fakten sind verstörend, die Botschaft ist beängstigend: die USA verabschieden sich von der Demokratie. Die beiden Kenner er US-amerikanischen Szene machten das am Sonntagabend deutlich — und zeigten dabei, wie interessant und unterhaltsam Politik vermittelt werden kann. Ein Verdienst der Literaturtage, die die Stadtbücherei und die Buchhandlung Schmitz gemeinsam stemmen: " Zentrale Institutionen für die Stadt und die Gemeinschaft, in der wir leben", zollte Klaus Brinkbäumker den Veranstaltern verdientes Lob.

Klaus Brinkbäumer signiert Bücher an einem Tisch, umgeben von einer Gruppe von Menschen unterschiedlichen Alters.
Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, sich das Buch von Klaus Brinkbäumer signieren zu lassen.
Foto: Rüdiger Kahlke

Als nächster Gast der Literaturtage wird am Mittwoch, 27. Mai, Ex-Außenminister Joschka Fischer erwartet. Er stellt sein Buch „Wer sind wir?“ vor.