Die Geschwister-Scholl-Realschule (GSR) in Plettenberg soll ab dem Schuljahr 2027/2028 nur noch vier Eingangsklassen aufnehmen. Dafür hat sich der Bildungs- und Sportausschuss am Mittwoch, 28. Oktober, mit sechs gegen fünf Stimmen ausgesprochen. CDU und FDP unterstützten den Vorschlag der Verwaltung, SPD, Grüne und PWG stimmten dagegen. Die Entscheidung trifft der Rat am 10. November.

Die Geschwister-Scholl-Realschule präsentierte sich beim Tag der offenen Tür im November 2025. | Archivvideo
Video: Hans-Jörg Dietz/LokalDirekt

In der Debatte standen mögliche Einsparungen den Folgen für die Schulwahl gegenüber. Bei einer Begrenzung könnten auch Plettenberger Kinder keinen Platz an der Realschule erhalten. Zudem äußerten die Schulleitungen Bedenken gegen die Raumplanung und mögliche Auswirkungen auf das Albert-Schweitzer-Gymnasium.

Verwaltung verweist auf Raumnot und Einsparungen

Moritz Vollmert, Sachgebietsleiter für Jugend, Sport und Schule, fasste die Gründe der Verwaltung zusammen. Die Nachfrage lässt erwarten, dass erneut fünf Eingangsklassen benötigt würden. Wegen der laufenden Baumaßnahmen fehlen dafür jedoch Räume. Ein Asbestfund im Sonderklassentrakt hat die Sanierung verzögert; bereits für das laufende Schuljahr wurden zwei Containerklassenräume beschafft. Eine weitere fünfzügige Aufnahme würde nach Darstellung der Verwaltung zusätzliche Container erfordern.

Langfristig rechnet die Stadt aufgrund sinkender Geburtenzahlen mit weniger Schülern. Zugleich sieht sie Einsparmöglichkeiten durch eine spätere Mitnutzung von Räumen der GSR durch die Hauptschule Zeppelinschule. Dadurch könnte der geplante Umbau des ehemaligen KBOP-Gebäudes weniger umfangreich ausfallen. Die Verwaltung erwartet dabei ein Einsparpotenzial im siebenstelligen Bereich.

Die Begrenzung hätte allerdings Folgen für das Anmeldeverfahren. Nach der vorliegenden Auswertung der Sitzungsvorlage könnten bei unverändertem Anmeldeverhalten etwa 35 Kinder abgewiesen werden. Dabei handelt es sich um eine Prognose. Kinder aus Nachbarkommunen ohne eigene Realschule sind nach Darstellung der Verwaltung bei der Aufnahme mit Plettenberger Kindern gleichzustellen. Ein Losverfahren könnte deshalb auch Bewerber aus Plettenberg treffen.

GSR-Schulleiter sieht Fachräume ausgelastet

Oliver Held, Schulleiter der GSR, stellte grundsätzlich fest: „Ich mache, was der Schulträger mir sagt.“ Er erinnerte jedoch daran, dass die Stadt in den vergangenen zehn Jahren Wert darauf gelegt habe, alle Plettenberger Schüler in Plettenberg unterzubringen.

Kritisch beurteilte Held insbesondere die vorgesehene Mitnutzung der Fachräume durch die Zeppelinschule. Die Realschule benötige diese Räume selbst. „Die Auslastung ist gegeben.“ Er schlug vor, dass die betroffenen Schulleitungen und die Verwaltung die Planung noch einmal gemeinsam prüfen.

Die große Nachfrage wertete Held zugleich als positives Zeichen für den Schulstandort: „Auf die Akzeptanz und die Beliebtheit ihres Schulsystems kann die Stadt Plettenberg sehr stolz sein.“

Realschulleiter Oliver Held (rechts) beurteilt die Mitnutzung von Fachräumen durch die Zeppelinschule kritisch. | Archivfoto
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SPD schlägt Verschiebung vor – Grüne kritisieren Alternativen

Dr. Peter Schmidtsiefer (SPD) bezeichnete die mögliche Einsparung einer siebenstelligen Summe als gewichtiges Argument. Allerdings gebe es noch viele Unwägbarkeiten. Er schlug deshalb vor, die Begrenzung auf vier Züge um ein Schuljahr zu verschieben und die Planungen bis dahin gründlich zu überprüfen.

Katharina Rittinghaus (Bündnis 90/Die Grünen) kritisierte die von der Verwaltung zusammengestellte Liste möglicher Ausweichschulen. Darunter seien beispielsweise zehn Gymnasien. „Bei einer Empfehlung für die Realschule ist das nicht passgenau.“

Auch die Erreichbarkeit schränke die Auswahl ein. Für Schulen in Lüdenscheid müssten die Kinder den Linienverkehr nutzen und Schulwege von 50 bis 80 Minuten bewältigen, erklärte Rittinghaus. „Es bleibt eigentlich nur eine Handvoll Schulen, die wirklich infragekommen.“

Ihre Position formulierte sie deutlich: „Plettenberger Kinder, die auf Plettenberger Schulen gehen möchten, sollten das dürfen.“

Gymnasium befürchtet zusätzliche fünfte Klasse

Elisabeth Minner, Schulleiterin des Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASG), machte auf mögliche Folgen für ihre Schule aufmerksam. Nach den aktuellen Zahlen läge das Verhältnis von Plettenberger und auswärtigen Kindern im Lostopf der GSR bei etwa zwei Dritteln zu einem Drittel.

Minner erwartete deshalb, dass ein großer Teil der abgelehnten Schüler auf das ASG ausweichen würde. „Wir müssen diese Schüler dann aufnehmen, obwohl das nicht zur Empfehlung passt und uns möglicherweise in die Fünfzügigkeit bringt.“

Birgit Langhammer (CDU) verwies dagegen darauf, dass die hohe Nachfrage an der Realschule eine Spitze darstelle, die in wenigen Jahren wieder abflachen werde. Ihre Fraktion unterstütze die Begrenzung aus Kostengründen.

Peter Thiemann (FDP) fragte nach den Mehrkosten einer fünfzügigen Aufnahme an der GSR, falls die Begrenzung um ein Jahr verschoben würde. Kämmerer Jannik Brinkmann bezifferte diese in der Sitzung auf 25.000 Euro pro Schuljahr.

Rat entscheidet am 10. November

Mit ihrer knappen Mehrheit empfahlen CDU und FDP schließlich dem Rat, die GSR ab 2027/2028 auf vier Züge zu begrenzen. Der Vorschlag sieht außerdem vor, die Verwaltung mit dem erforderlichen Genehmigungsverfahren bei der Bezirksregierung Arnsberg zu beauftragen.

Nach Abschluss der Baumaßnahmen und vollständiger Nutzbarkeit der Räume soll die Verwaltung über die Erfahrungen aus dem Anmeldeverfahren 2027/2028 berichten und weitere Perspektiven anhand der Schülerzahlentwicklung aufzeigen.