Mit feinem Humor, musikalischen Einlagen und einem Blick für die Absurditäten des Alltags sorgte die Kabarettistin Tina Teubner im Pädagogischen Zentrum der Gesamtschule Kierspe am Samstag, 7. März, für einen unterhaltsamen Abend.
Viel Applaus für Kabarett und Musik
„Das hat sich doch gelohnt, oder“, fragte eine Besucherin ihren Sitznachbarn. Der quittierte nickend, als andere die Kölner Kabarettistin und ihren kongenialen Partner am E-Piano, Ben Süverkrüp, nach gut zwei Stunden applaudierend von der Bühne begleiteten. Der Titel ließ Geschlechterkampf und Gender-Problematik vermuten. Vielleicht passend zum Weltfrauentag am 8. März, vermutete Kuk-Vorsitzender Rolf Muck in seiner Begrüßung.
Humorvolle Seitenhiebe auf Trends und Zeitgeist
Tina Teubner, die Musiktherapie und Violine studiert hat, spannte den Bogen aber weiter. Sie nahm Trends wie Selbstoptimierung und Achtsamkeits wellen ins Visier, mokierte sich über Jogger, die selbst an der roten Ampel noch vor sich hintippeln, lenkte den Blick auf Helikoptermütter, die schon bei Kleinkindern Vergleiche anstellen („Emil kann sich noch umdrehen.“), die in die Frühförderung müssen, um mithalten zu können, die Individuen sein sollen, aber gleichzeitig nicht auffallen dürfen und folgert: „Es gibt keine optimale Erziehung.“ Achtsamkeit habe die Chefetagen erobert. Und wenn die Top-Manager, besäuselt von Meditationsmusik in ihren Brioni-Anzügen von der Matte ins Büro eilen, werden erstmal 120 Leute gefeuert: „Massenkündigung, das ist Feng Shui zu Ende gedacht.“
Kabarett mit feinen Spitzen
Statt konfrontativem, knallharten Kabarett kritisiert Tina Teubner mit Komik, mit feinen Spitzen. „Alle wollen die Welt verändern, niemand sich selbst“, zitiert sie Leo Tolstoi und rät zur Selbstreflexion, ermuntert, „mal über blanke Lebensfreude zu reden“. Gläser mit selbstgemachter Marmelade als Geschenk gehören allerdings nicht dazu. Die Deko-Deckchen auf den Mitbringseln seien „Leichentüchlein für totgekochtes Obst“. Besser wäre es, die an der Bundestraße gepflückten Beeren „einfach wieder frei zu lassen“, wie es Angler mit ihren Fischen machen. Hämisch echauffiert sie sich über hyperaktive Rentner, die joggen, aber bei „Rot“ über die Ampel laufen. Sie haben „die Russen überlebt“. Dagegen sei ein Audi Quattro harmlos.
Musik als zweites Standbein des Abends
Mal greift sie zur Geige, mal zum Bogen und lässt damit die Säge singen, agiert mit Ben Süwerkrüp als Gesprächs- oder Musikpartner. Der zeigt, wie Musikgeschichte verlaufen wäre, wären schon die Klassik-Komponisten mit dem heutigen Medien-Geklingel „zugeballert“ worden wären. Süverkrüp ist geschmeidiges Scharnier zwischen Musik und Kabarett. Beide zusammen haben 2010 den Deutschen Kleinkunstpreis in der Kategorie „Chanson“ gewonnen.
Die Suche nach dem kleinen Glück
Mit dem Engagement hatte KuK eine glückliche Hand. Die Besucher wussten das zu schätzen. Viele, vermutete Tina Teubner, seien gar nicht unglücklich. „Wir haben nur vergessen, wie entsetzlich profan Glück sein kann.“ Es seien die einfachen Dinge, wie Kakao mit Sahne, im Bett liegen, angebranntes Rührei essen, spüren, wenn die Tage wieder heller werden, jemanden trösten.
Kabarett, das zwei Stunden Glück bescherte, das Mut machte, anstößt aktiv zu werden, eine „Revolution der Lust, der Mündigkeit und Poesie“ zu entfachen. „Lasst uns die Stradivari unter den Arschgeigen sein“, meint Tina Teubner und entlässt die Besucher mit Johannes Brahms „GutenAbend, gute Nacht“ ins Wochenende. Die Eingangsfrage ist schnell beantwortet: Ja, es hat sich gelohnt.











