Mit dem Beginn der Amphibienwanderung haben Ehrenamtliche am Samstag, 7. März, entlang der Straße an der Kerspe-Talsperre wieder Krötenschutzzäune errichtet. Der Einsatz ist notwendig, um Frösche und Kröten auf ihrem Weg zu den Laichgewässern vor dem Straßenverkehr zu schützen.
Bis zu drei Kilometer auf Wanderschaft
Rund um die Talsperre liegt ein wichtiges Lebensgebiet für zahlreiche Amphibienarten. Besonders die Erdkröten machen sich mit den ersten milden Temperaturen auf den Weg von ihren Winterquartieren zu den Gewässern, in denen sie geboren wurden. Dabei legen die Tiere teilweise Strecken von bis zu drei Kilometern zurück. Ihr Ziel sind die Vorstaubecken der Kerspe-Talsperre.
Ehrenamtliche sichern den Weg
Da die Tiere dabei eine Landstraße überqueren müssen, engagieren sich seit mittlerweile 16 Jahren der BUND Kierspe-Meinerzhagen, der NABU, der Hegering sowie weitere Helferinnen und Helfer für ihren Schutz.
Auf einer rund 300 Meter langen Strecke wurde am vergangenen Samstag ein Krötenschutzzaun errichtet, der weder über- noch unterwandert werden kann. Etwa alle zehn Meter sind Eimer im Boden eingelassen, die mit Laub und kleinen Stöcken ausgelegt sind. In diese Behälter fallen die wandernden Tiere entlang des Zaunes.
Die eingesammelten Amphibien werden morgens und abends von Helferteams kontrolliert und anschließend sicher auf die andere Straßenseite gebracht. Gerade zu Beginn der Wanderung sind häufig sehr viele Tiere gleichzeitig unterwegs.
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Straßenverkehr als große Gefahr
Die Schutzmaßnahmen sind notwendig, weil die Straße für Amphibien eine erhebliche Gefahr darstellt. Neben dem Risiko überfahren zu werden kann bereits der Luftdruck vorbeifahrender Fahrzeuge für die Tiere tödlich sein.
„Schon ein Auto mit Tempo 30 kann gefährlich werden“, erklärt Gudrun Barth vom BUND Kierspe-Meinerzhagen. „Der entstehende Unterdruck kann bei den kleinen Tieren schwere innere Verletzungen verursachen.“
Bestände werden seit Jahren beobachtet
Die Auswertung der vergangenen Jahre zeigt, dass die Zahl der Erdkröten in der Region insgesamt zurückgegangen ist. Allerdings unterliegen die Bestände natürlichen Schwankungen, da Weibchen nur etwa alle drei bis fünf Jahre zur Fortpflanzung an die Gewässer zurückkehren.
Zusätzlich stehen die Amphibien unter Druck durch Fressfeinde, erklärt Barth. Besonders der Waschbär habe sich in den vergangenen Jahren zunehmend ausgebreitet: „Das hat auch der Wupperverband bestätigt, die Spuren von Waschbären lassen häufig an den Überresten gefressener Tiere erkennen.“
Auch andere Tiere geraten in die Eimer
Neben Kröten und Fröschen landen gelegentlich auch andere Tiere in den Sammelbehältern, darunter Laufkäfer, Rollasseln, Hundertfüßer oder Spitzmäuse. „Bei den Kontrollgängen werden sie wieder freigelassen, sofern sie sich nicht bereits selbst mithilfe der im Eimer liegenden Stöcke befreit haben“, so Barth.
Perspektive für dauerhafte Lösungen
Langfristig könnten technische Lösungen die Schutzarbeit erleichtern. Nach Angaben des BUND laufen Gespräche mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW über mögliche Unterführungen für Amphibien: „Es gibt Überlegungen, bei zukünftigen Baumaßnahmen auch Krötentunnel einzubauen“, berichtet Gudrun Barth. „Vielleicht zunächst ein oder zwei. Dann müsste man beobachten, ob die Tiere diese Übergänge auch tatsächlich annehmen.“
Auswertung im Frühsommer
Die Entwicklung der Amphibienbestände soll auch weiterhin genau dokumentiert werden. Eine Auswertung der diesjährigen Krötenwanderung wird voraussichtlich Ende Mai oder Anfang Juni vorliegen.









