Meldungen über tausende Jugendliche ohne berufliche Perspektive in Nordrhein-Westfalen haben Anfang Mai für Aufmerksamkeit gesorgt. Für den Ennepe-Ruhr-Kreis zeichnet die Kreisverwaltung nun ein differenzierteres Bild.

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"Anteil der Schulabgänge ohne Abschluss steigt im Abgangsjahr 2025 auf Zehnjahreshöchststand", meldete das Statistische Landesamt am 12. Mai. Demnach haben im vergangenen Jahr 7430 von insgesamt 178.135 Schülerinnen und Schülern in Nordrhein-Westfalen eine allgemeinbildende Schule ohne Abschluss verlassen. Das entspricht einem Anteil von 4,2 Prozent. 2015 hatten 2,2 Prozent aller Abgängerinnen und Abgänger eine allgemeinbildende Schule ohne Abschluss verlassen.

Die Kreisverwaltung des Ennepe-Ruhr-Kreises nahm diese Meldung zum Anlass, die Zahlen für ihre Region aufzuschlüsseln.

Zahlen nur Momentaufnahme

Nach Angaben der Kreisverwaltung verließen im Jahr 2025 rund 4400 Schülerinnen und Schüler die allgemeinbildenden Schulen sowie nicht berufsqualifizierende Bildungsgänge der Berufskollegs im Kreis. „289 von ihnen fehlte eine direkte berufliche Anschlussperspektive“, erklärt Emanuel Hartkopf von der Abteilung Bildung und Integration.

Um diese Zahl einordnen zu können, verweist er auf die Grundlage der Daten – auf das so genannte „Schülerdatenübermittlungsgesetz NRW“. Dieses verpflichtet Schulen, einige Wochen vor den Sommerferien Informationen über die jungen Menschen zu liefern, die die Schule voraussichtlich ohne konkrete Perspektive verlassen. „Da viele zunächst ‚Unversorgte‘ bis zum tatsächlichen Schuljahresende in Eigenregie oder mit Unterstützung noch einen beruflichen Anschluss finden, liefern die mit dem Schülerdatenübermittlungsgesetz gesammelten Zahlen nur eine Momentaufnahme“, macht Hartkopf deutlich. Diese spiegele das Bild der berufliche Anschlussperspektive von Schulabgängern nur verzerrt wider.

Daten als Grundlage für gezielte Unterstützung

Eigene Recherchen des Kreises stützen diese Einschätzung: Mehr als 100 der laut Statistik 289 gemeldeten Jugendlichen nahmen im Anschluss Angebote der Berufskollegs im Kreis an. Weitere fanden außerhalb des Kreisgebiets eine Perspektive.

Der eigentliche Nutzen der Datenerhebung liegt laut Kreis daher weniger in der Statistik als in der Unterstützung der Jugendlichen „Sowohl die Agentur für Arbeit als auch die kommunale Koordinierungsstelle ‚Kein Abschluss ohne Anschluss‘ haben so die Möglichkeit, mit den Betroffenen Kontakt aufzunehmen, sie zu beraten und ihnen passende Angebote für den Übergang in Ausbildung, Studium oder Beruf zu machen“, unterstreicht Hartkopf.

Breites Angebot zur Berufsorientierung

Der Ennepe-Ruhr-Kreis setzt seit Jahren zudem auf weitere Angebote, um den Übergang von der Schule in den Beruf zu erleichtern. Dazu zählen unter anderem Ausbildungs-Speeddatings vor den Sommerferien in Ennepetal, Hattingen und Witten, die in diesem Jahr von insgesamt 550 Schülerinnen und Schülern genutzt wurden. Ein weiteres sind die so genannten Endspurtbörsen nach den Sommerferien. Diese Präsentation von noch freien Ausbildungs- und Schulplätzen nutzten im letzten Jahr bei Veranstaltungen in Ennepetal und Witten 365 Jugendliche.

"Niemand soll verloren gehen"

„Der Übergang von der Schule in den Beruf ist für viele eine entscheidende Phase. Unser Anspruch ist, niemanden zu verlieren“, betont Hartkopf. Der Kreis arbeite dazu eng mit Schulen, Berufskollegs, Arbeitsagentur, Jobcenter, Städten und Unternehmen zusammen.

Nach Einschätzung der Verwaltung zeigen die Maßnahmen Wirkung: „Die damit erzielten Erfolge könnten sich sehen lassen. Der Kreis hat nur einen Anteil von deutlich unter einem Prozent an der Gesamtzahl der in NRW unversorgten Jugendlichen.“ Und das, obwohl der Bevölkerungsanteil der betreffenden Altersgruppe von 15 bis unter 25 Jahren im Ennepe-Ruhr-Kreis im Vergleich zum gesamten Bundesland rund doppelt so hoch sei.