„Aufgrund des Zuzugs geflüchteter Menschen aus der Ukraine sind die Fallzahlen gegenüber dem Vorjahr spürbar angestiegen“, erklärte Renate Holke, stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters Märkischer Kreis, anlässlich der jüngsten Bilanz-Pressekonferenz zur aktuellen Lage auf dem Arbeitsmarkt. Sie fügt hinzu: „Seit Juni verzeichnen wir für diesen Personenkreis einen Zugang von 1727 Bedarfsgemeinschaften und 2516 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Dazu kommen noch 1274 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahre.“ Auch wenn einigen geflüchteten Menschen der Übergang in den Arbeitsmarkt bereits gelungen sei, stehe bei vielen anderen der Erwerb von Deutschkenntnissen zunächst noch im Vordergrund.
Die Langzeitarbeitslosigkeit habe sich nach Lockerung der pandemischen Lage wieder reduziert, die Chancen von länger Beschäftigungslosen auf dem Arbeitsmarkt im Märkischen Kreis seien gestiegen. Bei der Vermittlung von Geflüchteten gebe es gleich mehrere Hemmnisse, so Renate Holke. „70 Prozent von ihnen sind alleinerziehende Mütter mit Kindern. Deren Männer kämpfen in der Heimat im Krieg“, weiß die Vize-Geschäftsführerin des Jobcenters.

Die berufliche Qualifikation der Zugewanderten sei ganz unterschiedlich. 28,5 Prozent von ihnen seien dem Helfer-Bereich zuzuordnen, 26,6 Prozent haben eine Facharbeiterausbildung, bei 44,9 Prozent der aktenkundigen Job-Suchenden sei die berufliche Qualifikation entweder nicht erfasst oder es gebe noch keine Kenntnisse darüber. Die Vergleichbarkeit von Schul- und Berufsabschlüssen sei auch nicht immer gegeben.
Bei den Ukrainerinnen stelle das Jobcenter eine hohe Bereitschaft fest, für den Lebensunterhalt selber sorgen zu wollen. „Auch bei den Arbeitgebern ist das Interesse an gut ausgebildeten Fachkräften aus der Ukraine groß“, so Holke. Die wüssten, dass es zumeist gut motivierte Frauen und Männer seien, die auf den ersten Arbeitsmarkt wollten. Um Arbeitgeber und Geflüchtete noch besser zusammenbringen zu können, seien im Frühjahr sogenannte Kennenlern-Börsen geplant. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“, so Holke.
Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermittlung in Arbeit sei aber nach wie vor die Verbesserung der deutschen Sprachkenntnisse. 972 Personen seien derzeit in Sprachkursen, leider gebe es nicht genügend Plätze. Holke: „Es gibt längere Wartezeiten.“ Immerhin sei es gelungen 101 Personen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. 10,3 Prozent der Geflüchteten verfügen über Grundkenntnisse der deutschen Sprache, 19 Prozent hätten keine Kenntnisse. Für 70,6 Prozent wisse man es einfach nicht.
Wieso es so schwierig sei, den Stand der Deutschkenntnisse zu erfassen, erklärt Renate Holke so: „Die Menschen haben nach ihrer Flucht erst einmal andere Sorgen – Wohnung, Verpflegung, Kinderbetreuung in Schule und KiTa etc.“.








