Bautz: Als Hauptverantwortlicher warst du vor allem an den Tagen unmittelbar vor dem Festival im Dauerstress. Hast du es inzwischen geschafft, ein bisschen Schlaf nachzuholen?
Phillip Nieland: „Tatsächlich bin ich gestern Abend früh eingeschlafen und habe bis heute Morgen durchgeschlafen. Davor waren es immer nur drei bis vier Stunden Schlaf pro Nacht, weil ich in einem ganz anderen Rhythmus war. So langsam fällt der Druck aber ab, und ich komme langsam wieder zur Ruhe.“
Wie fällt dein Fazit nach dem Festival-Wochenende aus?
Phillip Nieland: „Ich bin sehr zufrieden und wahnsinnig glücklich. Es war sehr schön zu sehen, wie viel Fröhlichkeit doch noch in dieser Stadt ist nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie und trotz der A45-Vollsperrung. Die ganze Crew und ich sind unfassbar stolz, dass es uns mit den vielen Partnern und Sponsoren gelungen ist, in Lüdenscheid wieder ein solches Event auf die Beine zu stellen. Die Atmosphäre war super und die Stimmung friedlich. Richtig gut fand ich auch, dass noch mehr Familien mit Kindern da waren als 2019. Wir wollten der Stadt und der Region etwas zurückgeben,
und das hat funktioniert.“
Wie haben Künstler und Agenturen auf das Spektakel am Nattenberg reagiert?
Phillip Nieland: „Super positiv. Einige sind auch deutlich länger vor Ort geblieben als geplant. LX & Maxwell zum Beispiel sind auf eigenen Wunsch schon um 22 Uhr aufgetreten, weil sie tags darauf frühmorgens nach Österreich fliegen mussten. Nach dem Auftritt sollte es eigentlich direkt ins Hotel gehen, aber die beiden waren dann doch noch bis kurz vor 2 Uhr da. Auch Bausa war nach seinem Auftritt noch lange am Nattenberg. Wir haben außerdem viel Lob für die Location und die professionelle
Organisation bekommen, unter anderem von Nico Santos und den Rogers. Das hat uns sehr gefreut.“
Wo siehst du Nachbesserungsbedarf?
Phillip Nieland: „In Sachen Organisation haben wir gemerkt, dass wir noch professioneller werden müssen. Dafür brauchen wir aber auch ein größeres Team, um die vielen Themen und Aufgaben, die vor allem im Vorfeld und im Nachgang des Festivals anfallen, auf weitaus mehr Schultern verteilen zu können. Man muss wissen, dass inklusive meiner Person ein gerade mal vierköpfiges Team federführend rund um das Festival arbeitet und dies teilweise nur nebenberuflich und überwiegend ehrenamtlich. Dies sind Matthias Czech und Gregor Biedrzycki von der Agentur David & Goliath sowie Linus Wortmann von KKW Architekten, alle drei auch Mitglieder des Vereins Willi & Söhne. In 2019 war das Team mit dem damaligen Geschäftsführer des LSM, Andre Westermann, noch um eine Person stärker. Andres Tätigkeiten mussten in diesem Jahr noch zusätzlich auf die verbleibenden Schultern verteilt werden. Auch bei der Rückgabe der Token müssen wir nochmal nachjustieren. Die Bands, die unmittelbar auf der Main und der Collabo Stage nach den Headlinern aufgetreten sind, hatten teilweise weniger Publikum als erwartet. Hier müssen wir das Konzept auch nochmal optimieren.“
Sprechen wir über Zahlen. Wie viele Festival-Besucherinnen waren es an beiden Tagen?
Phillip Nieland: „Insgesamt waren knapp 20.000 Menschen da. Am Freitag war das Festival etwas besser besucht als am Samstag. Damit sind wir absolut zufrieden, auch wenn wir erwartet hatten, an den Tageskassen noch mehr Tickets zu verkaufen. Im Vorverkauf sind weit mehr als 90 Prozent der Eintrittskarten weggegangen.“
Wie viele Mitarbeitende und Ehrenamtlerinnen waren übers Wochenende im Einsatz?
Phillip Nieland: „Pro Tag mehr als 500. Jeder einzelne hat einen wahnsinnig guten Job gemacht. Ich möchte mich auch auf diesem Wege nochmal ausdrücklich bei allen bedanken, die mitgeholfen haben. Ohne so viele tolle Leute wäre es nicht möglich, ein solches Festival durchzuziehen.“
Wie ist das Wochenende aus wirtschaftlicher Sicht gelaufen? Die anhaltende Corona-Pandemie
und die Preisexplosionen treffen die ohnehin gebeutelte Kulturbranche ja besonders hart.
Phillip Nieland: „Die schwarze Null war und ist das Ziel und sollte nach diesem Wochenende auch machbar sein. Hätten wir das Festival unter normalen Bedingungen machen können, hätten wir definitiv ein Plus hinbekommen. Durch die zweimalige Verschiebung und massive Preissteigerungen auf dem Markt sind allerdings einige Posten nochmal deutlich teurer geworden als ursprünglich im Budget vorgesehen, teilweise um 25 bis 50 Prozent. Umso positiver ist das zu erwartende Ergebnis zu bewerten. Hinzu kommt, dass die Menschen durch die vielen Preiserhöhungen weniger Geld in der
Tasche haben und sich nach mehr als zwei Jahren Corona erstmal wieder daran gewöhnen müssen, Partys zu feiern. Das alles hat man natürlich die ganze Zeit im Kopf. Aber dann machst du die Tore auf, die Leute strömen aufs Gelände – und du wirst mitgezogen in diese große Party. Das Wochenende war also auch eine emotionale Achterbahnfahrt. Aber: Wir haben es hinbekommen. Das liegt auch daran, dass wir so viele lokale Partner haben, die das Ganze mit uns durchgezogen haben.“
Wie geht es jetzt weiter mit Festival? Dürfen wir uns im kommenden Jahr auf eine Neuauflage freuen?
Phillip Nieland: „Das Festival ist ein voller Erfolg, den wir gerne fortsetzen möchten. Wir möchten das Bautz in der Kulturlandschaft etablieren und sind insgesamt auf einem sehr guten Weg, auch wirtschaftlich. Klar ist aber auch: Ohne einen großen Geldgeber oder einen Zuschuss aus der Stadtkasse werden wir das erstmal nicht schaffen. Wir hoffen auch aus der Politik auf breite Unterstützung. Das Bautz Festival hat nicht nur wahnsinnig viel Potential, sondern steht auch für eine ganze Menge Herzblut und Engagement unterschiedlicher Akteure der Stadtgesellschaft. Damit können wir sehr viel bewegen. Das hat das Wochenende eindrucksvoll bewiesen.“










