Der Haushalt der Stadt dreht weiter im roten Bereich. Bürgermeister Armin Kibbert und Simon Thienel, Kämmerer und Erster Beigeordneter, stellten in der Ratssitzung am Montag, 12. Oktober, den Verwaltungsentwurf für das Jahr 2027 vor. Das geplante Defizit für das kommende Haushaltsjahr beziffert Thienel auf 7,2 Millionen Euro.
„Wir stehen an einem Punkt, an dem der Ausblick auf ein drohendes Haushaltssicherungskonzept unser Handeln bestimmt. Trotz zahlreicher harter Sparmaßnahmen und eines umfangreichen Konsolidierungspaketes ist die finanzielle Realität schwieriger als zu Beginn des Jahres“, stellte Kibbert in seiner Haushaltsrede fest.
Dem Kreis geht das Geld der Kommunen aus
Den Hauptgrund benannte Thienel im Anschluss: „Dem Kreis geht das Geld der Kommunen aus. Heute legen wir Ihnen den Haushalt 2027 mit einem geplanten Defizit von 7,2 Millionen Euro vor. Im Jahr 2026 zahlen wir rund 23 Millionen Euro an den Kreis, 2027 sollen es 25,2 Millionen Euro sein. Im letzten Jahr der Mittelfristplanung 2030 stehen stand heute insgesamt 27,16 Millionen Euro an – bei einem geplanten Defizit der Stadt Halver von über 8 Millionen Euro.“
Kibbert erwähnte auch die geopolitische Lage als kostentreibenden Faktor mit steigenden Treibstoffpreisen, Verknappung von Rohstoffen und gestörten Lieferketten. Zugleich appellierte er an den Zusammenhalt der Bürgerschaft: „Umso wichtiger ist es mir, dass wir den Bürgerinnen und Bürgern offen und ehrlich begegnen und ihnen zeigen: Wir lassen Sie mit dieser Situation nicht allein. Wir stehen als Verwaltung gemeinsam mit dem Stadtrat dafür ein, die Stadt auch in schwierigen Zeiten weiterzuentwickeln.“
Der Bürgermeister verwies aber auch auf Fortschritte im vergangenen Jahr, die dazu beigetragen haben, Halver lebenswerter zu machen. Dazu gehörten unter anderem Investitionen in Schulen, die Skate- und Bike-Arena sowie den Glasfaserausbau.
Arbeitsauftrag ohne Denkverbote
Der Haushalt 2027 sei als „Arbeitsauftrag“ zu verstehen und „als Verpflichtung zu Ausgabendisziplin, zur Priorisierung unserer Pflichtaufgaben und zur aktiven, kritischen Vertretung der Interessen Halvers gegenüber Kreis und Land." Wir werden weiter über einschneidende Maßnahmen sprechen müssen – und gemeinsam nach tragfähigen Kompromissen suchen. Dabei darf es keine Denkverbote geben.“
Tiefer in die Zahlen stieg Thienel ein: Der vorläufige Jahresabschluss 2025 liege bei einem Minus von rund 3,5 Millionen Euro – rund eine halbe Million Euro schlechter als prognostiziert. Allerdings gebe es auch einen Lichtblick: Nach aktueller vorsichtiger Hochrechnung werde man das laufende Jahr 2026 nicht mit dem geplanten Defizit von 7,1 Millionen Euro abschließen, sondern mit voraussichtlich 5,3 Millionen Euro.
Gewerbesteuer stetig rückläufig
Die Vorzeichen bleiben jedoch düster, führte Thienel weiter aus. Die Gewerbesteuereinnahmen der letzten drei Jahre seien rückläufig – von 9,3 Millionen Euro im Jahr 2024 auf rund 8,7 Millionen Euro in diesem Jahr zum 30. September. Positiv schlage hingegen ein spürbarer Schuldenabbau zu Buche, der mithilfe von Bund und Land sowie durch die Übertragung des Kanalnetzes an den Ruhrverband gelang. In der Summe spare dies jährlich mehrere hunderttausend Euro an Zinsen und Tilgung.
Zwar mahnte Thienel in seiner letzten Haushaltsrede, sich mit Blick auf die Stadtentwicklung nicht die Luft zum Atmen nehmen zu lassen. Doch das geschehe vor einem ernsten Hintergrund: „Wir müssen uns nicht mehr die Frage stellen, ob uns eine Genehmigungspflicht und die Haushaltssicherung droht, sondern ab wann das passiert.“








