„Hier wächst unsere Zukunft“, steht es plakativ auf den Tafeln in den jungen Kulturen. Der Neuaufbau des heimischen Waldes läuft seit dem Ende der Borkenkäfer-Kalamität. Aber was wächst da eigentlich? Und wie kann man das schützen?

Es war eine spontane Idee von Thomas Bette, interessierte Bürger zu einem Spaziergang einzuladen. Bette ist alles Mögliche gewesen in seinem Berufsleben. Aber immer ging es um Bäume; als Forstwirt und Forstwissenschaftler, inzwischen als Baumpfleger und tätig im Umweltmonitoring für dasLandesamt für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen (LANUK).

Jäger ist er auch seit 45 Jahren und im Hegering Halver Obmann für Naturschutz. Und als er ins Gespräch kam mit weniger waldaffinen Menschen, „die eine Buche nicht von einer Eiche unterscheiden konnten“, kam ihm die spontane Idee zur Morgenrunde.

Rudelbildung bei Ostendorf

Die Exkursion findet also statt am Sonntagmorgen (11. Oktober) bei Ostendorf. Es regnet vorher und hinterher. Am Ende sind es acht Teilnehmer mit drei Hunden, was man angesichts der kühl-feuchten Witterung immerhin als nennenswerte Rudelbildung im ruhig-schlummernden Wald bezeichnen kann.

Der Begriff „Wald“ allerdings ist irreführend. Denn der Wald, wie man ihn noch vor zehn Jahren kannte, ist nach der Käfer-Katastrophe ab 2018 und bis Ende 2022 abgesägt, containergerecht geschnitten auf 11,30 Meter Länge, abgefahren und verschifft nach China. 400.000 Festmeter waren das, das Achtfache der Kyrill-Schäden. Allein in Halver.

Inzwischen steckt viel Geld und Arbeit in der Neubewaldung. Waldbesitzer nehmen selbst Geld in die Hand, arbeiten zusammen mit der Forstbetriebsgemeinschaft und dem Land NRW, das bei fachgerechter Aufarbeitung Zuschüsse in Aussicht stellt. Baummischungen von 4 plus x Arten sind vorgegeben. Die Hoffnung ist, dass diese Waldentwicklungspläne, wie sie fachlich heißen, tatsächlich die Pflanzen enthalten, die im Klimawandel eine Chance haben. „Das ist hier wie im Labor“, kommentiert Bettina van Giesen, Bettes Frau.
Bald auch Esskastanien

Das bedeutet beispielsweise, dass man in einigen Jahren vielleicht bei Ostendorf Esskastanien sammeln kann. Je nach Standort sind Buchen, Eichen und Lärchen gesetzt. Manches kommt auch ganz von selbst. Birken und Ebereschen drücken sich auch ohne fremdes Zutun durch die Farne und das Brombeergestrüpp ans Licht.

In der Perspektive allerdings wären sie alle chancenlos gegen die Buche. „Die Buche tötet alles“, sagt Bette über den dominanten Baum in unserer Landschaft. Ihr dichter Kronenraum lässt wenig Licht auf den Boden. Entsteht eine Lücke, kommen junge Buchen in hoher Geschwindigkeit nach.

Nadelholz bleibt unverzichtbar

Doch allein mit der Buche ist auch kein Staat zu machen, erläutert Bette auf Nachfrage eines Teilnehmers. Die Fichte, unter Umständen auch die Douglasie, würden mit ihrem langfaserigen Holz an vielen Stellen benötigt für Bauen und Papierherstellung. „Wir können darauf verzichten, wenn wir nicht mehr aufs Klo gehen und keine Dachstühle mehr bauen.“ Doch mit Buche geht das eben nicht. Und auch die hat zunehmend Probleme mit den erbarmungslosen Trockensommern, wie er anhand eines Zweiges aus der Krone minutiös ausliest.

Rehe: "Betrieb wie auf dem Aldi-Parkplatz"

Das Klimaproblem haben aber auch die jetzt eingebrachten Jungpflanzen. Und noch eines mehr: Was gerade in den teuren Kulturen heranwächst, wird abgefressen durch Rehwild. Man sehe wenig davon, wird Bette gefragt. Doch der Wald ist voll mit Rehen, die dort Deckung und Futter zuhauf finden. Bette kennt Wärmebilder aus Schonungen, wo es zugehe „wie auf dem Aldi-Parkplatz“, berichtet er vom Betrieb im Wald, den allenfalls die Jäger mit der Nachtbildkamera erkennen können. „Ohne die Jagd wird es nicht gehen“, sagt er klipp und klar am Rande einer Fläche, wo in diesem Jahr bereits zwölf Rehe zum Abschuss kamen.