Öffentliches Interesse: Die Anzahl der erschienenen Bürger überstieg die der vorhandenen Stühle im Ratssaal. Denn auf der Agenda des Ausschusses für Kultur und Sport stand am Montag, 13. April, auch die Neuplanung des Kunst- und Kulturorts.

"Die Haushaltslage ist nicht mehr so rosig, wie sie mal war", eröffnete Bürgermeister Christian Breddermann die Diskussion. "An manchen Stellen haben wir schon Einsparungen beschlossen, aber auch hier halte ich eine erneute Überprüfung für verantwortungsvoll." Die entsprechende Vorlage, in der vier mögliche Varianten der Neuplanung – die von der geplanten Umsetzung bis zum kompletten Stopp des Projekts reichen – wurde kurz vor Ostern von der Verwaltung vorgestellt und nun im Ausschuss für Kultur und Sport erstmalig diskutiert. Am Ende der Sitzung sprach sich das Gremium einstimmig für eine Neuplanung auf Basis der dritten Variante aus.

"Wir stehen nach wie vor hinter dem Projekt"

"Ein Baustopp ist von unserer Seite aus nicht gewünscht", betonte der Bürgermeister. Vielmehr sei nun das erklärte Ziel, mit "allen Beteiligten und Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen und uns anzuhören, welche konkreten Wünsche und Bedürfnisse erfüllt werden müssen."

Für Breddermann stehen die Erneuerung der Heizungsanlage und die Errichtung barrierefreier Toiletten nicht zur Diskussion. "Und einladend aussehen soll der dritte Ort natürlich auch", fügte er hinzu. "Schwer im Magen" liegen ihm hingegen die Folgekosten, etwa durch spätere Zinsbelastungen: "Besonders die dritte, von uns vorgeschlagene Variante würde die kommenden Haushalte bereits jetzt entlasten. Wir möchten weiterhin investieren – jedoch mit Augenmaß", stellte er abschließend fest.

"Da muss noch Fleisch an den Knochen"

"Der Umbau des 8Giebel war immer ein Herzensprojekt von uns", stellte Kathrin Janowski (SPD) fest. Jedoch seien die Pläne für den Umbau "seinerzeit unter völlig anderen Bedingungen" beschlossen worden. "So viel Geld haben wir einfach nicht mehr", bedauerte sie – und dankte anschließend sowohl "dem Bürgermeister als auch dem Kämmerer" dafür, dass sie den Rat "in dem Prozess an die Hand genommen haben."

Janowski übte jedoch auch Kritik an der Vorlage: "Wir stehen der dritten Variante grundsätzlich offen gegenüber, aber die geschätzten Zahlen sind uns noch zu wenig differenziert. Da muss noch Fleisch an den Knochen." Der Vorschlag der SPD laute daher, einen Arbeitskreis zu bilden.

"Der Verein muss in die Planung mit einbezogen werden"

Der Fraktionsvorsitzende Klaus Nelius brachte für die UWG einen Beschlussvorschlag ein. Laut diesem soll unter anderem der geplante Neubau für die Musikschule entfallen und stattdessen das alte Pfarrhaus erhalten und in die künftige Nutzung integriert werden.

Der Verein "8Giebel friends & more" soll, genauso wie die Volkshochschule, von Anfang an in die Planungen mit einbezogen werden. "Wir müssen jetzt, mit der Hilfe aller Beteiligten, herausfinden, was wirklich benötigt wird - und was einfach nur nice to have wäre", betonte er.

Ziel der Überarbeitung soll es laut UWG sein, gegenüber den bisherigen Varianten Einsparungen bei den Investitions- und Folgekosten zu erzielen. Eine Städtebauförderung in Höhe von 50 Prozent sieht die UWG hierbei als Voraussetzung für die Umsetzung an. Alle weiteren im ISEK vorgesehenen Begleitmaßnahmen sollen dafür zunächst zurückgestellt und von den politischen Gremien neu bewertet werden.

"Kultur sollte ein niederschwelliges Angebot sein"

"Das Thema ist sehr komplex", stellte Jochen Bernsdorf (Bündnis90/Die Grünen) fest - und sei in den vergangenen Wochen in der Fraktion ausführlich beraten worden. Fest stehe für ihn, dass "Kultur ein niederschwelliges Angebot sein und bleiben muss – in das auch entsprechend Geld fließen sollte." Schon allein deshalb, so Bernsdorf weiter, müsse am Mathagen "ein Ort geschaffen werden, an dem man sich wohlfühlt."

Auch Bernsdorf übte Kritik: "An der Vorlage stört uns, dass die Zahlen bislang nur geschätzt sind und darüber hinaus noch keine konkrete Planung vorliegt." Die zuvor von Kathrin Janowski (SPD) vorgeschlagene Bildung eines Arbeitskreises hielt er "für eine gute Idee, der wir uns gerne anschließen würden."

"Endlich wird das Thema mal offen diskutiert"

Auch André Krause, Fraktionsvorsitzender der CDU, schloss sich der Kritik seiner Vorredner an: "Mir fehlen hier konkrete Zahlen, um überhaupt etwas planen zu können. Die Vorlage muss definitiv noch mit solchen unterfüttert werden. Ob dafür die Bildung eines Arbeitskreises erforderlich ist, wage ich an dieser Stelle in Frage zu stellen." Die Integration des Vereins "8Giebel friends & more" halte er "für eine absolute Selbstverständlichkeit."

Ein weiteres Anliegen sei der CDU Fraktion die Schaffung von Parkraum: "Der Einsatz von mehr Ordnungskräften kann nicht die Lösung sein und trägt nicht zur Attraktivität des Kulturorts bei. Wenn die Besucher dort ständig Knöllchen bekommen, kommen sie irgendwann nicht wieder." Einer Neuplanung könne die CDU deshalb nur zustimmen, wenn diese eine Lösung der Parkplatzsituation beinhalte.

Erfreut zeigte sich Krause hingegen darüber, dass das "Thema nun endlich mal offen diskutiert wird." Und gab zu bedenken, dass das Projekt ursprünglich als Dritter Ort, also auch als Begegnungsstätte, geplant war. "Bis zur Umsetzung dessen sehe ich noch ein Stück Weg vor uns liegen", betonte er.

Insgesamt, so Krause abschließend, stehe die Fraktion der dritten Variante offen gegenüber, schloss sich jedoch den allgemeinen Bedenken an: "Die Vorlage muss definitiv noch mit Zahlen unterfüttert werden."

"Wir können heute noch kein fertiges Zahlenkonzept erwarten"

"Ich stelle fest, dass wir mit unseren Meinungen gar nicht so weit auseinanderliegen", stellte Jan Schriever, Fraktionsvorsitzender der FDP, fest. Und sprang der Verwaltung zur Seite: "Wir können heute noch kein fertiges Zahlenkonzept erwarten, wenn ich mir natürlich auch eine Benchmark der Kosten wünschen würde."

Außerdem sprach er sich ebenfalls für die Bildung eines Arbeitskreises aus - "um in diesem weiter konkret planen zu können." Auch die FDP-Fraktion halte die dritte Variante für die sinnvollste. Abschließend gab Schriever zu bedenken, dass man sich bei der Neuplanung zunächst auf eine Richtung einigen solle.

"Das alles treibt mich auch um"

Karin Brauckmann (UWG) zeigte sich, mit Blick auf die geschätzten Zahlen, ebenfalls besorgt: "Mich treibt das auch alles um. Was ist denn mit den Planungskosten, können wir die Höhe schon abschätzen?"

Kämmerer Jonas Douvré erklärte: "Bei den bislang veranschlagten Planungskosten handelt es sich um den absoluten Worst Case. Es ist gut möglich, dass sich der Wert noch zu unseren Gunsten verändert."

Fachbereichsleiter Alexander Gundlach ergänzte: "Wir hoffen, dass die Honorare am Ende nicht so hoch ausfallen, wie sie jetzt veranschlagt wurden. Am Ende muss uns jedoch auch klar sein, dass derjenige, der den Auftrag erhält, auch dafür bezahlt werden muss."

Karin Brauckmann (UWG) hielt an ihren Bedenken fest: "Wir müssen diese Zahlen sehr genau betrachten und im Auge behalten – und dabei bedenken, dass wir heute eventuell eine maßgebende Entscheidung treffen und auf den Weg bringen."

"Wir sollten auch den Ehrenamtlichen Wertschätzung entgegenbringen"

Uwe Lal (UWG) meldete sich zu Wort: "Ich möchte an dieser Stelle festhalten, dass es sich schon jetzt um ein Begegnungszentrum handelt. Da passiert so viel mehr als Kulturveranstaltungen. Die Parksituation ist natürlich nicht optimal, das ist uns bewusst. Trotzdem möchte ich noch mal allen bewusst machen, dass dort etwas Wunderbares entstehen kann – und wir auch den Ehrenamtlichen, die sich für den Ort einsetzen, die entsprechende Wertschätzung entgegenbringen sollten."

"Ich verstehe den Wunsch nach konkreten Zahlen, können diese aber aktuell nicht liefern"

Bürgermeister Christian Breddermann nahm zu dem Wunsch nach einer genaueren Planung Stellung: "Ich verstehe den Wunsch nach konkreten Zahlen, können diese aber aktuell nicht liefern. Wir haben bereits einige gute Gespräche mit einem potenziellen Planer geführt, aber bevor wir diesem keinen offiziellen Auftrag erteilt haben, werden wir auch keine konkreten Zahlen bekommen."

Das Thema Förderung, so führte der Bürgermeister weiter aus, sei für ihn ebenfalls noch nicht vom Tisch, jedoch bislang "nur ein Blick in die Glaskugel". In der von der Verwaltung empfohlenen dritten Variante sei eine mögliche Förderung noch nicht berücksichtigt, es sei aber durchaus möglich, eine solche zu bekommen.

"Wir sollten jetzt nicht übers Knie brechen"

Uwe Lal (UWG) gab zu bedenken, dass es im Falle des Pfarrhauses "mit einer reinen Aufhübschung nicht getan ist." Vielmehr sei der Umfang der erforderlichen Sanierungsarbeiten zu prüfen, um schlussendlich eine - wie in dem eingereichten Beschlussvorschlag der UWG - gewünschte sinnvolle Einbindung zu gewährleisten. Und noch eine Bitte trug Lal vor: "Wir sollten heute nichts übers Knie brechen, sondern vielmehr alle Beteiligten in die Planung einbinden."

Workshop soll Klarheit und Ideen bringen

André Krause, Fraktionsvorsitzender der CDU, schlug einen Workshop vor: "Wir haben sowas schon mal veranstaltet, und eine Wiederholung erscheint mir sinnvoll – schon allein, um eine Verzahnung zum Verein herzustellen."

Die Verzahnung, erwiderte Fachbereichsleiterin Anja Wolf, sei zwar bereits vorhanden. Sie stimmte dem Vorschlag von André Krause aber zu.

Der besagte Workshop findet am Dienstag, 21. April, um 18 Uhr im 8Giebel statt – gemeinsam mit den Mitgliedern des Vereins "8Giebel friends & more".

Abstimmung über modifizierte Vorlage

Am Ende der Sitzung formulierte Fachbereichsleiterin Anja Wolf eine modifizierte Beschlussvorlage.

In dieser empfiehlt die Verwaltung, die bauliche Weiterentwicklung des 8Giebels künftig auf Grundlage der Variante drei neu auszurichten. Vorgesehen ist eine überarbeitete Planung unter Einbeziehung von Politik, Ehrenamtlichen und weiteren Beteiligten wie Anwohnern. Die bislang vorgesehenen ISEK-Begleitmaßnahmen sollen zunächst nicht weiterverfolgt werden – es sei denn, sie sind Voraussetzung für den Erhalt von Fördermitteln. In diesem Fall sollen sie in reduziertem Umfang neu geplant und abgestimmt werden. Zudem regt der Ausschuss an, zusätzliche Parkplätze auf dem Gelände zu schaffen.

Das Gremium stimmte einstimmig über die Beschlussvorlage ab.