Es ist ein historisches Datum: Am 1. April 2025 gründen Akteure der Industriekultur aus ganz Deutschland den „Bundesverband Industriekultur Deutschland e. V.“ im LWL-Museum Zeche Zollern in Dortmund. Damit erhalten technische Kulturdenkmäler eine zentrale, schlagkräftige und bundesweit agierende Interessenvertretung. Initiatoren des Projektes sind die Landschaftsverbände Westfalen-Lippe (LWL) und Rheinland (LVR) sowie ERIH (European Route of Industrial Heritage, die Europäische Route der Industriekultur), zu der auch der regionale Verein WasserEisenLand gehört und der RVR (Regionalverband Ruhr).
Der Bundesverband will künftig in allen relevanten Bereichen rund um das Thema Industriekultur kompetenter Partner sein – ob Bildung, Beschaffung von Fördermitteln, politische und rechtliche Unterstützung oder Erhalt sowie die Nutzung von Industriedenkmälern als Orte für Wirtschaft, Freizeit und Kultur. Der Verband wird für einen Projektzeitraum von drei Jahren mit insgesamt 300.000 Euro ausgestattet. Das Geld stammt von der LWL-Kulturstiftung sowie der regionalen Kulturförderung des LVR. Auch der Regionalverband Ruhr (RVR) als Träger der Route Industriekultur will sich finanziell beteiligen. Der Verein hat seine Geschäftsstelle im LWL-Museum Zeche Zollern in Dortmund.
Starke Interessensvertretung auch für kleine Industriedenkmäler
Von einem solchen Verband profitieren auch die technischen Kulturdenkmäler im Märkischen Kreis und in der Region Südwestfalen: Neben größeren Technikmuseen wie zum Beispiel dem Deutschen Drahtmuseum in Altena oder der Luisenhütte Wocklum in Balve, in Trägerschaft des Märkischen Kreises, prägen vor allem kleine, oft gemeinnützig geführte Denkmäler die hiesige Industriekulturlandschaft. Mit sehr viel Engagement und Herzblut sind es ehrenamtlich Engagierte Märker, organisiert in Vereinen und Initiativen, die kleine Museen mit Leben füllen, Führungen realisieren und in Live-Vorführungen die Arbeitswelten vergangener Zeiten lebendig werden lassen. Insbesondere diese kleinen „Player“ benötigen eine starke Interessenvertretung, um langfristig erfolgreich sein zu können.
Akteure aus der Region befürworten den neuen Bundesverband Viele dieser Einrichtungen sind in Südwestfalen/im Märkischen Kreis im Verein „WasserEisenland – Industriekultur in Südwestfalen“ organisiert. Den Vorsitz hatte von 2008 bis 2023 Stephan Sensen, Leiter der Museen des Märkischen Kreises, inne. Dass nun ein bundesweit agierender, schlagkräftiger Verband die Industriekultur unterstützt, freut ihn sehr: „Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung systematischer und kontinuierlicher Förderung der Industriekultur durch den Bund – eine gute Nachricht für alle Akteure, auch für die Szene der Industriekultur in Südwestfalen“, sagt Sensen. Er hatte sich in der Vergangenheit für die Gründung eines Bundesverbandes eingesetzt.
Dr. Oliver Schmidt, seit 2023 neuer Vorsitzender und Leiter des Sauerlandmuseums Arnsberg, hat das Projekt im vergangenen Jahr weiter vorangetrieben. „WasserEisenland wird als aktives Mitglied die Fahne für die industriekulturellen Akteure in Südwestfalen hochhalten – besonders vor dem Hintergrund ihrer dezentralen Struktur und den vielen ehrenamtlich geführten Museen“, erklärt Schmidt. „Weil die Industriekultur-Szene hier so vielfältig und dynamisch wachsend ist, sehen wir uns immer wieder neuen Herausforderungen gegenüber. Themen wie die Gewinnung von ehrenamtlich Engagierten, Fördermittelakquise oder aber Fragen nach dem Schutz von technischem Kulturgut vor Starkwetter-Ereignissen sind nur einige Beispiele. Ein starkes Netzwerk ist dann unheimlich hilfreich. Nicht nur regional, sondern nun auch bundesweit.“
Auch Dr. Sandra Hertel, Leiterin der Historischen Fabrikanlage Maste Barendorf in Iserlohn und Vorstandsmitglied von WasserEisenLand, hat sich für das Projekt stark gemacht. Sie wird Mitte Mai das neue Nadelmuseum in der Historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf Iserlohn eröffnen und sieht in der Gründung des Bundesverbandes eine Riesenchance für den Märkischen Kreis und ganz Südwestfalen: „Wir erhoffen uns langfristig vor allem die Sicherung von finanziellen Mitteln und die Stärkung des öffentlichen Bewusstseins für die einzigartigen Denkmäler im Märkischen Kreis. Sie sind ein wichtiges, kulturelles Erbe, das die Region geprägt hat uns auch heute noch prägt.“
Zur Gründungsversammlung des neuen Bundesverbands Industriekultur Deutschland e. V. waren Dr. Oliver Schmidt, Dr. Sandra Hertel und Friederica Ihling, Leiterin des Sauerländer Besucherbergwerks in Ramsbeck, als Vertreterinnen für WasserEisenLand eingeladen.
Weitere Informationen zum Verein WasserEisenLand unter www.wassereisenland.de . Kontakt: Bettina Hornemann, Märkischer Kreis, Kultur und Tourismus, Telefon 02352 966 7020, E-Mail: [email protected] oder [email protected].
Hintergrund:
WasserEisenLand e.V. unterstützt bereits seit 1996 die regionale Industriekultur mit ihren einzigartigen Technikdenkmälern. Konkret fördert WasserEisenLand den Erfahrungsaustausch, hilft bei der Akquise von Fördergeldern, kümmert sich um ein gemeinsames Marketing und hilft bei der touristischen Erschließung von Kulturdenkmälern im „Dornröschenschlaf“.
Lange Zeit gab es keine Institution, welche die Interessen der Industriekultur in Deutschland bundesweit vertreten hat. In der Vergangenheit hat die deutsche Sektion der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH – European Route of Industrial Heritage) einen Teil der Lobbyarbeit übernommen. Auf der Jahrestagung von ERIH Deutschland im März 2023 in Nürnberg haben 39 Verbände und Institutionen der Industriekultur in Deutschland, darunter auch WasserEisenland, eine gemeinsame Erklärung zur Notwendigkeit einer systematischen und kontinuierlichen Förderung der Industriekultur durch den Bund abgegeben. Aus diesem Statement ging die Gründung des Bundesverbandes am 1. April 2025 im LWL-Museum Zeche Zollern in Dortmund hervor.