Im Märkischer Kreis gibt es Grund zur „tierischen“ Freude: Wie die Untere Naturschutzbehörde bestätigt, sind zwischen dem 16. und 18. April sieben Wanderfalken-Küken geschlüpft. Die „Jäger der Lüfte“ galten ab 1970 in Nordrhein-Westfalen über mehrere Jahrzehnte als ausgestorben.

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Nester bleiben geheim

Wanderfalken gehören zu den schnellsten Lebewesen der Erde und erreichen im Sturzflug Geschwindigkeiten von bis zu 390 Stundenkilometern. Dass sich die Greifvögel in der Region erfolgreich vermehren, gilt als wichtiger Erfolg für den Naturschutz. „Daher bleiben die Standorte der Nester, in denen nun sieben Jungvögel zur Welt kamen, auch geheim“, erklärt die Kreisverwaltung am Mittwoch, 22. April.

Spannung bis zum Schlupf

Die Zeit rund um die Eiablage und das Schlüpfen war für die Beteiligten besonders aufregend. „Man schaut jeden Tag mehrfach nach, hofft bei jedem Blick in die Kästen, dass alles okay ist“, berichtet eine Biologin der Unteren Naturschutzbehörde. Die Ungewissheit darüber, wann die Küken schlüpfen und wie viele es werden, habe „einen so richtig gepackt“.

Der Märkische Kreis ist aktuell eine Kinderstube für Wanderfalken, die schnellsten Lebewesen der Erde. Das Bild stammt von einer Nistkasten-Kamera.
Foto: Autobahn Westfalen

Möglich wurde die genaue Beobachtung durch neue Kameras in einem Nistkasten, die bereits im Februar installiert wurden. Sie erlauben ein störungsfreies Monitoring der Tiere. „Durch die hochauflösende Außenoptik wird zudem eine berührungslose Ringauslesung ermöglicht“, erklärt die Biologin. Auch mögliche Störungen oder illegale Eingriffe könnten so frühzeitig erkannt werden. Die Technik liefert zudem wichtige Daten zur Brutbiologie, etwa zur Gelegegröße und Schlupfrate.

Neben den bekannten Brutplätzen sollen in den kommenden Wochen weitere Standorte ohne Kameratechnik mit Ferngläsern überprüft werden.

Vom Aussterben zur Rückkehr

Die erfolgreiche Brut ist keine Selbstverständlichkeit. Noch vor wenigen Jahrzehnten, etwa ab 1970, galt der Wanderfalke in Nordrhein-Westfalen als ausgestorben. Hauptgründe waren Umweltgifte und illegale Verfolgung.

Erst ab dem Jahr 2000 begann die Rückkehr: Mit der Installation von Nisthilfen folgten 2001 erste Sichtungen und 2002 die erste nachgewiesene Brut im Kreisgebiet. Heute leben wieder mehrere Brutpaare in der Region — auch dank der Unterstützung durch die Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz NRW.

Von 1970 bis 2001 galt der Wanderfalke in Nordrhein-Westfalen als ausgestorben.
Foto: Symbolbild | Envato Elements

Erste Flugversuche in wenigen Wochen

Für die frisch geschlüpften Küken beginnt nun eine entscheidende Entwicklungsphase. Zunächst werden sie Wechselschicht von Wanderfalkenvater und -mutter gewärmt, geschützt und versorgt. Nach etwa drei Wochen zeigen sie erste Eigenbewegungen, bereit für erste Flugversuche sind sie ab etwa dem 32. bis 42. Tag. Unter dem Schutz ihrer Eltern erreichen sie nach etwa weiteren zwei Wochen ausreichend Flugsicherheit und können Gefahren besser erkennen. Danach verlassen sie den Kasten und suchen eigene Reviere beziehungsweise Partner. 

Engagement für den Artenschutz gefragt

Wer sich für die schnellen Jäger der Lüfte engagieren möchte, kann in Vereinen wie der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW) NRW oder dem NABU mitarbeiten, an Vereine oder Greifvogelstationen spenden sowie illegale Handlungen melden.

„Wer beispielsweise große Glasflächen hat, kann Vogelschlag durch das Aufkleben von Mustern auf Glasflächen verhindern. Es sind wichtige Schritte, damit die Wanderfalken weiterhin bei uns zuhause bleiben“, rät die Biologin der Unteren Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises.