Riesiger Rucksack. Gleißende Sonne. Der Anhalter ist heilfroh, dass wir ihn mitnehmen. „Jeder Meter zählt“, sagt Jörg Adelsberger, als er sich mit seinem opulentem Backpack auf den Beifahrersitz quetscht.
Sein Ziel: Willingen im Hochsauerland. Hier ist er gut drei Stunden zuvor mit seinem Gleitschirm gestartet. Der 56-Jährige ist gerade im Tal der Schwarzen Ahe, Nähe Vogelsang, notgelandet. „Mindestens 150 Kilometer“ wollte er fliegen. Über Solingen und Dormagen sollte es, grobe Richtung, gen Aachen gehen. Das Wetter war eigentlich Ideal. „Schönwetterwolken“, zeigt er nach oben. Dazu Ostwind, der ihn geschoben hatte. Über Herscheid dämmerte ihm, dass er es nicht schaffen würde. Da sind noch die Sperrzonen in der Luft rund um die Airports Düsseldorf und Köln/Bonn. Als lila Linie zeigt die App auf dem Handy die geplante Flugroute an. Dicht daneben die rot umrandeten Flächen – Sperrgebiet. Ein No-Go.

Runter geht immer
„Landen darf man immer“, erklärt Adelsberger. Das dürfe selbst auf dem Rasen eines Eigenheims sein. „1000 Meter über Grund mache ich mir da keine Gedanken“, schildert er. Da sei es auch kein Problem, in so einem engen Tal einen Landeplatz zu finden. Einen und dazu einen „Plan B“ habe er immer im Blick. „Eine Sache der Erfahrung“, sagt er und erwähnt ganz nebenbei, dass er „schon überall“ geflogen ist, selbst Brasilien habe er schon von oben gesehen. Dabei schraubt er sich auch schon mal auf 5000 Meter Höhe. Wird da der Sauerstoff nicht knapp? „Man atmet schneller“, sagt er, und müsse aufpassen, nicht zu hyperventilieren. – Erfahrungssache, dass man da nicht zu lange oben bleibt.
Jörg Adelsberger fliegt sei 35 Jahren, hat 3500 Flugstunden mit dem Schirm hinter sich.

Bevor man abhebt, „muss man einen Schein machen“, erläutert er. 20 Stunden Theorie sind nötig, dazu 40 Flüge unter Aufsicht. Anfangs „darf man nur im Gleitwinkel des Schirms fliegen“, also im Nahbereich. Ansonsten zählen Kenntnisse in Meteorologie, um die Thermik nutzen zu können. Man muss navigieren können und die Grenzen kennen. Was darf man wo? „Ein Düsenpilot guckt nicht nach rechts und links, der fliegt seinen Kurs“, erklärt der Schirmpilot, wo Gefahren lauern.
Viel Technik vor der Brust
Beim Hobby hilft ihm auch Technik: GPS-Gerät, Kompass und Smartphone trägt er auf einer Konsole wie ein Cockpit vor der Brust. Selbst auf geringe Höhenunterschiede reagiert das Messgerät, gibt per Signal an, ob die Pilot steigt oder sinkt. Ja, und der Rest ist: Erfahrung. Zurück geht es ganz konventionell – mit Bus und Bahn. Klar, dass wir den Gestrandeten noch bis zur Haltestelle in Altemühle im Versetal bringen. Und während wir uns noch unterhalten, kommt schon ein Bus – zur Freude des Fliegers. Die Reise zurück wird vermutlich deutlich länger dauern als der Hinflug bis zum Zwangsstopp.










