Die Gemeinde Herscheid will aus der Initiative Silent-Rider, gegründet zur Verringerung des Motorradlärms, austreten. Dies soll der Hauptausschuss in seiner öffentlichen Sitzung am Montag, 23. Februar, beschließen.

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Herscheid hat — wie viele sauerländische und bergische Kommunen — seit Jahren ein Problem mit lauten Motorrädern. Die Landesstraße 707 von Valbert über die Nordhelle nach Reblin zählt unter Kradfahrern zu den Geheimtipps der schönsten Strecken. Die Applauskurve an der Einmündung des Nordhangwegs hat einen legendären Ruf.

Wer aber von der Applauskurve und ihrem Reiz für Zweiradfahrer spricht, der muss auch die B-Seite dieser Platte erwähnen — da geht es um Krach, schwere Unfälle, der Unmöglichkeit für Fußgänger, die Straße zu überqueren. Mitte des vorigen Jahrzehnts waren die Belastungen so stark geworden, dass der Märkische Kreis die Nordhelle-Straße für Motorräder sperrte. Vor dem Oberverwaltungsgericht wurde die Sperrung 2019 wieder gekippt. Seither versucht der Kreis mit sogenannten Bischofsmützen in Fahrbahnmitte und Radarüberwachungen den Zweiradverkehr auszubremsen.

Die Sperrung der Nordhelle-Straße L 707 für Zweiräder wurde vom Oberverwaltungsgericht gekippt.
Foto: H. Klein / LokalDirekt

Die Gemeinde Herscheid ihrerseits versuchte es mit Aufklärung — wie auch der Märkische Kreis trat die Ebbegemeinde der Initiative Silent-Biker bei. In der Vorlage zum Hauptausschuss heißt es dazu: „Auf Initiative der Kommunen und Kreise der Region Nationalpark Eifel trafen sich am 6. Juni 2019 rund 50 Vertreter aus ganz Deutschland, um eine gemeinsame Kampagne gegen Motorradlärm zu starten. Die Initiative suchte weitere Mitstreiter, um eine bundesweite Kampagne durchführen zu können.“

Im November 2019 sei die Gemeinde Mitglied im Verein Silent Rider geworden. Für den Beitritt sei damals ein einmaliger Unterstützungsbeitrag von 500 Euro erhoben worden. Angekündigt gewesen sei, dass mit steigender Mitgliederzahl einheitliche Veranstaltungskonzepte, die regional umgesetzt werden könnten, ein Sponsorenkonzept, das weitere Unterstützer und Geldgeber aus den Reihen der Privatwirtschaft ansprechen würde, ein oder mehrere Silent-Rider-Filme, die für die Verbreitung im Internet produziert würden, Silent-Rider-Radiospots, die regional ausgestrahlt werden können, weitere Silent-Rider-Artikel wie Warnwesten, Halstücher und Ähnliches entwickelt würden. Ebenso sei ein Silent-Rider-Symposium, das alle Mitglieder zusammenbringe, um über weitere bundesweit wirksame Schritte zu diskutieren, versprochen worden. Die Umsetzung dieser Maßnahmen sei nicht abgeschlossen.

2021 habe der Verein das Beitragssystem umgestellt, sodass ab 2022 für Herscheid 250 Euro anfielen. Ebenfalls 2021 habe ein gewisser Zerfall des Vereins eingesetzt. Der Bundesverband der Motorradfahrer, der die Initiative Silent-Rider zu Beginn unterstützte, sei wegen Unstimmigkeiten und dem Forderungskatalog aus dem Verein ausgetreten. Grund: Man stehe nicht hinter Plakataktionen, die Motorradfahrer diskreditierten. 2023 trat auch der Märkische Kreis aus.

Das Durchfahrtsverbot für Zweiräder ist gefallen, die großen Warntafeln sind geblieben.
Foto: H. Klein / LokalDirekt

Die Gemeinde Herscheid hatte von dem Verein ein Banner erhalten, schreibt der Bürgermeister in der Vorlage. Das Banner konnte jedoch nicht an der Nordhelle-Straße aufgestellt werden, weil mit dem Landesbetrieb Straßenbau NRW über einen geeigneten Standort keine Einigkeit habe hergestellt werden können.

Inzwischen sei das Anliegen, Motorradlärm zu reduzieren, kein Alleinstellungsmerkmal von Silent-Rider mehr, wird im Rathaus geurteilt. So werde dieses Ziel seit Mai 2021 auch vom Landesverkehrsministerium mit der Initiative #leiserbiker verfolgt. An landesweit rund 150 Standorten werde auf festen Tafeln der Verkehrswachten für ein rücksichtsvolles und leiseres Motorradfahren geworben. Außerdem gebe es eine Online-Mitmach-Aktion zur Nutzung in den sozialen Medien.

Keine konkreten Verbesserungen

Die Gemeinde Herscheid bekenne sich nach wie vor zu den damaligen Gründen für den Vereinsbeitritt, denn Motorradlärm sei auch in Herscheid weiterhin ein Problem. Eine konkrete Verbesserung erwarte man sich durch Silent-Rider aber nicht mehr. Auch in Anbetracht der schlechten Haushaltslage solle deshalb der Austritt beschlossen werden. „Die Gemeinde wird das Thema trotzdem weiter begleiten“, heißt es abschließend in der Vorlage.