Mit Spannung und großer Freude nahmen die Mitarbeitenden des Stadt- und Geschichtsmuseums in Lüdenscheid einen besonderen Transport entgegen: Nach mehreren Monaten aufwendiger Restaurierung sind die historische Musterbücher mit Knöpfen und Schnallen wieder in der Stadt angekommen.
Glänzende Zeugnisse der Industriegeschichte
Bei den mehreren Kilo schweren „Büchern“ handelt es sich um beeindruckende Folianten, die aus den Nachlässen traditionsreicher Lüdenscheider Unternehmen wie Funcke & Brüninghaus, C. Th. Dicke, P.C. Turck Wwe. und Linden stammen. Entstanden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, dokumentieren sie eindrucksvoll die Vielfalt und Innovationskraft der damaligen Metallwarenindustrie.
„Diese Musterbücher sind echte Schatzkammern unserer Industriegeschichte“, erklärt Museumsmitarbeiterin Stefanie Müller. Denn auf den schweren Pappseiten finden sich Hunderte fein gearbeiteter Metallteile – Knöpfe, Schnallen und Applikationen in nahezu unerschöpflicher Vielfalt. „Sie zeigen nicht nur die enorme Formenvielfalt, sondern auch das hohe handwerkliche und technische Niveau der Lüdenscheider Unternehmen.“ Viele der damals angewandten Fertigungsmethoden seien heute kaum noch bekannt oder würden nicht mehr genutzt.

Arbeitsmittel und Verkaufskataloge
Musterbücher waren weit mehr als repräsentative Sammlungen. Sie dienten auch als Präsentationsmittel für internationale Kundschaft und zugleich als interne Arbeitsgrundlage. „Jedes Teil war handschriftlich nummeriert, um es eindeutig zuordnen und die jeweils notwendigen Werkzeuge für die Fertigung festlegen zu können“, erläutert Stefanie Müller. Noch bevor gedruckte Kataloge zum Standard wurden, reisten Handelsvertreter mit schweren Originalmustern oder kunstvoll gezeichneten und handkolorierten Abbildungen durch Europa. Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum modernen Produktkatalog war die Gründung einer Musterkarten-Druckerei durch Wilhelm Tappe imJahr 1803 – ebenfalls in Lüdenscheid.
Aufwendige Restaurierung
Acht ausgewählte Bände aus dem Museumsbestand wurden nun mit Unterstützung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe von den Restauratorinnen Corinna Krömer und Lea Schürmann-Bartusch aus Kiel restauriert: Sie reinigten und polierten die zahlreichen Metallteile, entfernten Verschmutzungen und stabilisierte beschädigte Bindungen — bei mehreren hundert Einzelelementen pro Band war dies ein äußerst zeitintensives Unterfangen. „Umso größer ist die Freude, dass die Bücher nun wieder in einem präsentationsfähigen Zustand sind“, freut sich Stefanie Müller.
Bald wieder öffentlich zu sehen
Der Einsatz hat sich gelohnt: In der aktuell im Aufbau befindlichen neuen Dauerausstellung des Stadt- und Geschichtsmuseums können Besucherinnen und Besucher die restaurierten Musterbücher nach der Eröffnung erstmals wieder im aufgeschlagenen Zustand betrachten. „Mit der Präsentation möchten wir Industriegeschichte anschaulich und greifbar machen“, so die Stadt Lüdenscheid. „Die Bücher eröffnen faszinierende Einblicke in die Produktrepertoires bedeutender Lüdenscheider Hersteller — und sind zugleich eine kleine glänzend-glitzernde Zeitreise in den Mode- und Formengeschmack des späten 19. Jahrhunderts.“











