Am Sonntag, 5. Oktober, um 15 Uhr bietet sich die Gelegenheit, an einem begleiteten Rundgang durch die aktuelle Fotografie-Ausstellung in der Galerie der Stadt Lüdenscheid teilzunehmen. Im Mittelpunkt des Rundgangs stehen die Fotografien der Dortmunderin Anneliese Kretschmer (1903-1987).

Kretschmer ist keine Unbekannte in der Riege der sogenannten „Neuen Frauen“, jener professionell arbeitenden Fotografinnen in den 1920er Jahren wie Florence Henri (1893-1982) oder die Deutsch-Amerikanerin Ilse Bing (1899-1998), die ab 1930 in Paris ansässig war und mit der Annelise Kretschmer befreundet war. Kurz zuvor 1929 hatte Kretschmer bereits als eine der ersten Frauen in Deutschland ein eigenes Fotoatelier in Dortmund, im zweiten Stock des Geschäftshauses ihrer Eltern eröffnet.

Bereits in der Zeit der Weimarer Republik fanden ihre Arbeiten internationale Anerkennung. Die Porträtfotografie wurde ihr Metier. Ausgehend von den charakteristischen künstlerischen Entwicklungen der Weimarer Republik – der Neuen Sachlichkeit und des Bauhauses – erarbeitete sich Kretschmer mit ihrem bildnerischen Werk eine eigenständige Position. Die in der Städtischen Galerie zu sehende Wanderausstellung des LWL-Museumsamtes für Westfalen würdigt die Arbeit dieser Fotografin und zeichnet ihre künstlerische Entwicklung in vier Kapiteln nach.

 Das fotografische Porträt ist ebenso Thema einer Serie des Künstlers WOLS, geboren 1913 in Berlin als Alfred Otto Wolfgang Schulze. Wols zählt vor allem als Maler und Zeichner zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Ab 1932 lebte er überwiegend in Paris, verkehrte im Kreis der Surrealisten und pflegte freundschaftliche Kontakte unter anderen mit Max Ernst, Tristan Tzara, André Masson und Marcel Duhamel. Sein fotografisches Werk entsteht in diesen Jahren bis 1939. 

Diese beiden und eine weitere fotografische Position mit Eindrücken der Stadt Halle an der Saale in den letzten Wochen vor der Maueröffnung 1989 sind Thema des Rundgangs am 5. Oktober.

Der Eintritt zu den Ausstellungen ist frei. Die Führungsgebühr beträgt 3 Euro.