„Wir brauchen Hilfe, um helfen zu können“, sagt Astrid Lehmann, Leiterin der Tafel in Schalksmühle. Die Einrichtung ist nach eigenen Angaben dringend auf Spenden angewiesen, um ihre Arbeit weiterhin finanzieren zu können. Um auf die angespannte finanzielle Lage aufmerksam zu machen, traf sich das Team der Tafel mit LokalDirekt.

Neben Lehmann engagieren sich Sabine Kapfer als Teamleiterin, Alexander Ritter als Helfer sowie insgesamt 18 Ehrenamtliche für die Tafel in Schalksmühle. Die Arbeit beginnt früh am Morgen. „Wir fahren morgens in Schalksmühle los“, erklärt Lehmann. Insgesamt werden 14 Märkte in Schalksmühle, Halver und Breckerfeld angefahren, um Lebensmittel abzuholen. Die Waren werden bereits an den Rampen vorsortiert. Obst und Gemüse lagern anschließend im alten Schulgebäude in Schalksmühle, während Kühlware, Brot und trockene Lebensmittel in den Räumen der Tafel untergebracht werden. „Meist kommt alles weg“, betont Lehmann. Die Nachfrage ist hoch, Überschüsse gibt es kaum.

Ausgabe in Schalksmühle und Halver

Mittwochs werden die Kisten für Schalksmühle gepackt, freitags die für Halver. In die Kisten kommen unter anderem Gemüse, Hygieneartikel, Konserven und Süßigkeiten. Die Ausgabestellen befinden sich in der Schulstrasse 10 in Schalksmühle sowie in der Mühlenstraße 2 in Halver. „Die Menschen können sich nehmen, was sie möchten“, erklärt Lehmann. Für die Ausgabe erhebt die Tafel einen Kostenbeitrag von drei Euro.

Die Zahl der Menschen, die auf die Hilfe der Tafel angewiesen sind, steigt kontinuierlich. „Es kommen jede Woche mehr dazu“, sagt Lehmann. Besonders seit Beginn des Ukraine-Krieges habe sich die Situation zugespitzt. Dabei handele es sich längst nicht mehr überwiegend um ukrainische Familien. Aktuell versorgt die Tafel rund 700 Personen. Darunter sind auch ältere Menschen, die nicht mobil genug sind und deshalb separat angefahren werden. „Vom Alter null bis hundert ist alles dabei – jede Nationalität, jedes Alter und jedes Geschlecht“, so Lehmann.

Astrid Lehmann (l.) und Sabine Kapfer bitten um Spenden für die Tafel
Foto: Hösterey

Hilfe, die ankommt

Neben den organisatorischen und finanziellen Herausforderungen erleben die Ehrenamtlichen immer wieder besondere Situationen. Lehmann berichtet von einer Familie mit sechs Kindern, die kurz davor waren ihr Haus zu verlieren: „Das Haus stand auf der Kippe. Wir haben dann eine Anfrage bekommen, ob wir die Familie nicht für ein Jahr unterstützen könnten, obwohl sie gesetzlich kein Anrecht darauf hatten. Da haben wir natürlich nicht nein gesagt“, betont sie.

Ein Engagement, das seit Jahrzehnten anhält

Astrid Lehmann begann ihre Arbeit für die Tafel im Jahr 2000 durch einen Bekannten. Damals wurde ihr bewusst, dass Armut auch in Schalksmühle eine Realität ist: „Dann standen auf einmal Kinder vor unserem Auto, die sich um Brot geboxt haben“, berichtet sie. Bis 2004 sei die Schalksmühler Tafel von der Tafel Lüdenscheid getragen worden, danach wurde die Förderung eingestellt. „Plötzlich kamen Fragen wie: ´Was haben wir euch getan? Warum kommt ihr nicht mehr?´“, erinnert sich Lehmann.

Daraufhin wurde ein Antrag bei der Tafel Deutschland gestellt, um die Tafel in Schalksmühle neu zu gründen – mit Erfolg. Heute investiert Lehmann rund 50 Stunden pro Woche in das Ehrenamt: „So bin ich einfach erzogen worden. Meine Mutter sagte immer, wenn ich nicht mit den anderen Kindern teile, dann blutet ihnen das Herz. Das hat sich eingeprägt. Alles, was du gibst, bekommst du auch wieder zurück.“

Steigende Kosten und notwendige Reparaturen

Neben dem hohen Arbeitsaufwand belasten vor allem die steigenden Kosten die Tafel. Besonders ins Gewicht fallen Reparaturen an den drei Fahrzeugen. Für den großen Transit fallen aufgrund eines Maschinenschadens 6.500 Euro an. Ohne eine kulante Werkstatt lägen die Kosten bei rund 18.000 Euro. Ein Mercedes Vito muss für etwa 1.000 Euro repariert werden, ein weiterer VW verursacht rund 600 Euro Kosten. Insgesamt benötige die Tafel jährlich etwa 60.000 Euro, um alle Ausgaben zu decken. „Mit 50.000 Euro wäre ich auch schon zufrieden“, sagt Lehmann.

Die monatlichen Unterhalts- und Instandhaltungskosten belaufen sich auf rund 9.000 Euro. Dazu zählen unter anderem Versicherungen, Stromkosten von etwa 600 Euro monatlich sowie 500 Euro für Diesel. Zudem nutzt Lehmann private Räumlichkeiten zur Lagerung der Waren. Miete erhalte sie dafür seit drei Jahren nicht mehr. „Man sieht diese Kosten oft nicht, weil es viele Kleinigkeiten sind“, fasst sie zusammen.

Spenden reichen derzeit nicht aus

Zwar gibt es regelmäßige Unterstützer: Ein Spender überweist monatlich 600 Euro, ein weiterer spendet zur Weihnachtszeit 10.000 Euro. Dennoch reiche diese Unterstützung nicht aus, um alle Kosten zu decken. „In diesem Jahr ist bisher nicht viel zusammengekommen“, sagt Lehmann. Ohne weitere Spenden müsse sie auf private Rücklagen zurückgreifen. „Es ist immer das gleiche, es geht nur um Geld. Ich wünsche mir einfach, dass wir in Zukunft sorgenfreier Leben können.“

Auch LokalDirekt hat die Arbeit unterstützt. Bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Kommunalwahlen 2025 kamen dabei durch den Verkauf von Getränken 200 Euro zusammen, die an die Tafel gespendet wurden. „Damit haben wir zumindest die Süßigkeiten wieder raus“, sagt Lehmann mit einem Lächeln.

Von links: Marvin Schüle (LokalDirekt), Astrid Lehmann (Leiterin der Tafel Schalksmühle), Sabine Kapfer (Teamleiterin).
Foto: Amaris Seegmüller

Wer die Arbeit der Tafel Halver/Schalksmühle unterstützen möchte, kann Geld auf das Spendenkonto überweisen:

Spendenkonto:

Sparkasse an Volme und Ruhr

IBAN DE94 4505 0001 1800 1856 78

BIC: WELADE3HXXX

Sachspenden werden an den Ausgabestellen entgegengenommen.