Mit den ersten milden Tagen kehrt Bewegung zurück auf das Feld hinter der ehemaligen Baumschule Kriese in Ehringhausen. Die Erde wird gelockert, erste Reihen vorbereitet, und in den Gewächshäusern sprießen bereits die jungen Pflanzen. Bei den „Ackerfreunden“ in Breckerfeld beginnt damit nicht nur eine neue Gartensaison, sondern auch ein besonderes Jahr: Die Gemeinschaft feiert ihr zehnjähriges Bestehen — und sucht weitere Mitstreiter.
Vom Samenkorn zur eigenen Ernte
Wer über das Gelände geht, spürt schnell, dass es hier um mehr geht als um Gemüseanbau. Zwischen Gewächshäusern, Beeten, Kräutern und vereinzelten Sitzplätzen eröffnet sich ein Ort, an dem Naturerlebnis und Gemeinschaft ineinandergreifen.
Auf rund 4000 Quadratmetern bewirtschaften die Ackerfreunde ihre Parzellen von jeweils 45 Quadratmetern. Und was zu dieser Jahreszeit noch karg aussieht, wird bald wieder eine erstaunliche Vielfalt an Gemüse hervorbringen: Kartoffeln, Möhren, Kohlrabi, Mangold, Salate, Zwiebeln oder Zuckererbsen — rund 20 Kulturen finden auf einem Feld Platz, wie die „Ackerfreundinnen“ Melanie Paudtke-Kriese und Ines Reiling beim Besuch von LokalDirekt vor Ort erzählen. Gepflanzt wird dabei nach einem durchdachten System aus Fruchtfolge und Mischkultur —„ganz ohne chemische Hilfsmittel“, wie beide betonen. Lediglich Pferdemist oder, speziell für Kartoffeln, auch Wolle komme auf dem Acker zum Einsatz.
Der Weg zum Acker beginnt im Frühjahr meist im großen Gewächshaus. Dort werden, oft auch in Gemeinschaft, Samen ausgesät und Pflanzen vorgezogen oder geteilt, die später auf die einzelnen Felder verteilt werden. „Es ist jedes Jahr aufs Neue faszinierend zu sehen, wie aus kleinen Samen kräftige Pflanzen werden“, sagt Ines Reling. „Die Freude, wenn alles so angeht, wie man es sich erhofft hat, ist immer groß.“
„Sind die Pflanzen bereit, in die Felder eingesetzt zu werden, stehen sie für unsere Ackerfreunde direkt am Acker“, erklärt Melanie Paudtke-Kriese. Damit auf den Beeten alles seinen Platz findet, helfen gespannte Leinen und beschriftete Metallschilder den Bewirtschaftern der jeweils 3 Meter x 15 Meter großen Parzellen dabei, wo und in welchem Abstand welche Pflanze gesetzt wird — eine Mischung aus Planung und praktischem Lernen direkt vor Ort. "Wir achten dabei darauf, die Prinzipien der Fruchtfolge und der geeigneten Nachbarpflanzen einzuhalten“, erklärt Paudtke-Kriese. Außerdem werde im 4-Jahres-Rhythmus gepflanzt, damit sich die Nährstoffe im Boden auf natürlichem Wege regenerieren können.
Um das umsetzen zu können, wird schon vorher festgelegt, welches Gemüse an welchem Ort angebaut wird. Mehrjährige Pflanzen, wie zum Beispiel Kräuter, werden auf extra Bereiche angepflanzt. „Gerade für Menschen, die erst mit Gemüseanbau anfangen, sind diese Pläne und Vorgaben eine enorme Hilfe“, wissen Reiling und Paudtke-Kriese aus Erfahrung. „Aber auch wir sind mit unserem Wissen nie am Ende und entwickeln uns immer weiter, probieren immer wieder mal neue Tipps aus. Und geben diese natürlich auch weiter.“ Beispielsweise, was die natürliche Schädlingsbekämpfung angehe: „Kohlfliegen lassen sich gut durch den Duft von Tomatenpflanzen abhalten“, erklärt Reiling, die dies auf ihrem Feld bereits erfolgreich erprobt habe.
Auch nach zehn Jahren ist Stillstand für die Ackerfreunde somit kein Thema. In dieser Saison sollen erstmals Flächen für Erdbeeren und Rhabarber entstehen, dazu sollen weitere Beerensträucher gepflanzt werden.
Llebendige Gemeinschaft
Was den Acker besonders macht, zeige sich oft in den kleinen Momenten: ein kurzer Plausch zwischen den Beeten, ein Tipp zur besseren Ernte oder ein spontanes Treffen bei Kaffee und Kuchen. Mehrmals im Jahr lädt die Gruppe auch zu zwanglosen Begegnungen ein — ohne Verpflichtungen, dafür aber mit einem regen Austausch zu Pflanzen, Konservierung der Ernte oder Rezepten. „Wir haben hierfür aber auch eine WhatsApp-Gruppe, in der wir uns untereinander austauschen und unterstützen“, so Reling. Beispielsweise wenn es um eine „Urlaubsvertretung“ fürs Gießen geht.
Ein Ort zum Durchatmen
„Viele kommen zunächst wegen des Gärtnerns“, sagt Melanie Paudtke-Kriese. „Aber sie bleiben, weil hier über die Jahre eine entspannte Gemeinschaft entstanden ist. Man erntet hier nicht nur Gemüse, sondern auch Ruhe und Zufriedenheit“, beschreibt sie die Motivation vieler Beteiligter. Und Ines Reiling ergänzt: „Es ist ein Stück Lebensqualität, draußen zu sein und zu sehen, was aus der eigenen Arbeit entsteht.“
Die Altersstruktur ist bewusst offen gehalten, Familien mit Kindern, Berufstätige und Ruheständler arbeiten Seite an Seite. „Einige Mitglieder nehmen sogar längere Anfahrtswege in Kauf, um die ruhige Lage und den Blick ins Grüne zu genießen“, schmunzelt Melanie Paudtke-Kriese. Zwischen Gemüsebeeten, Wildkräutern und Obststräuchern sei für viele in der Gruppe in den vergangenen Jahren regelrecht ein kleiner Rückzugsort vom Alltag entstanden.
Neue Mitstreiter gesucht
Mit dem Start in die neue Saison soll aber nicht nur das Gemüse wachsen, sondern auch die Gemeinschaft: „Wir haben aktuell noch acht Parzellen frei“, erzählt Melanie Paudtke-Kriese. Für 120 Euro im Jahr erhalten neue Ackerfreunde ein eigenes, 45 Quadratmeter großes Stück Acker — „auf Wunsch ist es aber auch teilbar“, wie sie betont. So könnten sich zum Beispiel zwei Familien eine Parzelle teilen und gemeinsam bewirtschaften. „Wer sich vor Ort informieren möchte, kann uns gerne ansprechen“, so Reiling und motiviert Interessierte, ein in eigenes kleines Stück Natur zu bewirtschaften: „In der Erde wühlen, kreativ werden, sehen wie Pflanzen gedeihen, sie später ernten, lecker zubereiten oder für den Winter konservieren, ohne Chemie, aber mit altem Wissen — das hat etwas Beruhigendes und Erfüllendes zugleich.“
Wer einen ersten Eindruck von den Ackerfreunden bekommen möchte, ist eingeladen, unverbindlich am Freitag, 27. März, ab 15 Uhr vorbeizukommen — dann trifft sich die Gruppe zum gemeinsamen Vorsäen im Gewächshaus.
Informationen im Überblick
Ort: Hinter der ehemaligen Baumschule Kriese an der Berghauser Straße in Breckerfeld-Ehringhausen
Fläche: über 4000 Quadratmeter Gesamtfläche
Parzellen: 45 Quadratmeter (3 x 15 Meter), Teilung möglich
Kosten: 120 Euro pro Jahr
Freie Plätze: aktuell noch 8 Parzellen verfügbar
Ausstattung:
- Gartengeräte vor Ort
- Brunnenwasser
- Gewächshäuser zur Anzucht
- Parkplätze
Gemeinschaft & Organisation:
- rund 20 Gemüsesorten pro Feld
- Anbau nach Fruchtfolge und Mischkultur
- gemeinsame Termine zum Vorsäen
- freiwillige Treffen und Austausch
- Teilnahme auch für Nicht-Breckerfelder möglich
Kontakt:
- Ines Reling: 01523/3981338
- Melanie Paudtke-Kriese: 0163/3335396










