100 Jahre TuS Ennepe — ein rundes Jubiläum, das zum Feiern, aber auch zum Reflektieren einer Vereinsgeschichte einlädt, die nun schon ein ganzes Jahrhundert andauert. LokalDirekt hat vorab Blick in die Chronik des Vereins werfen dürfen.

Mehr als Zahlen und Fakten

Eine Vereinschronik kann eine lange Aufzählung von Daten beinhalten, die lediglich einen faktenreichen Eindruck in die Geschichte eines Vereins geben. Die Chronik des TuS Ennepe zu seinem 100-jährigen Bestehen ist aber mehr als das: Sie verrät das Geheimnis, wieso der Verein seit einem Jahrhundert besteht und immer noch bei jungen und alten Mitgliedern als zweite Familie zählt. "Viele bezeichnen unseren Verein auch als zweite Heimat", erzählt Bernd Eicker, Kassierer und seit 55 Jahren Mitglied im TuS Ennepe, im Gespräch mit LokalDirekt nicht ohne Stolz.

Ein Blick in die fast 200-seitige Chronik, die die Vereinsmitglieder Andre Reich, Christian Eicker, Gerd Eicker und Bernd Eicker in zweijähriger Arbeit erstellt haben, offenbart in vielen Anekdoten, lustigen und traurigen Geschichten worauf der Erfolg des Vereins beruht.

Werte eines erfolgreichen Vereins

Torsten Kriegeskorte fasst es in seinem Grußwort zum Jubiläum bereits zusammen: "100 Jahre Vereinsgeschichte — das ist wirklich etwas ganz Besonderes. Ein ganzes Jahrhundert voller Leidenschaft, Zusammenhalt und unzähliger Erinnerungen liegt hinter uns. Dabei sind es nicht nur die sportlichen Erfolge, auf die wir zurückblicken können. Es ist vor allem das Miteinander, das unseren Verein ausmacht: Engagement, Hilfsbereitschaft und Werte wie Fairness, Respekt und Teamgeist. Es gab Herausforderungen und schwierige Zeiten. Doch gerade dann hat sich immer wieder gezeigt, was unseren Verein auszeichnet: Zusammenhalt und die Bereitschaft, gemeinsam anzupacken und weiterzumachen."

Diese Werte betont auch Bernd Eicker. Er stellte die Vereins-Chronik der letzten 100 Jahre vor und betonte dabei immer wieder das große Gemeinschaftsgefühl in Schwenke. "Manche Familien sind schon seit Generationen dabei, wie zum Beispiel die heutige erste Schriftführerin, Claudia Mahler, Enkelin von Ernst Olson, der 1952 der erste Vorsitzende des Vereins war. Er hatte das Amt fast zwanzig Jahre inne. Sie setzt das Engagement für den TuS Ennepe nun schon in der dritten Generation fort," freut er sich.

"Alle müssen und wollen hier mit anpacken, damit unsere Anlage erhalten bleibt", betont Eicker. "Das ist nur möglich durch die engagierte Arbeit der Vorstände, die maßgeblich zum Zusammenhalt der aktuell fast 600 Mitglieder beiträgt." Damit der Sportplatz zur 100-Jahr-Feier perfekt da steht, würden auch wieder alle mithelfen.

Viele Männer - ein Ziel - ein gemeinsamer Erfolg

Schon die Vereinsgründung ist nicht auf die Idee einer Einzelperson zurückzuführen: 1926 versammelten sich 15 Männer, die, wie damals die "Halversche Zeitung" berichtete, zusammenkamen, um einen Turnverein zu gründen. Zur Gründungsversammlung erschienen bereits 47 Sportler, die sich allesamt direkt als Vereinsmitglied eintragen ließen. Wie es sich aus dem Vereinsnamen ableiten lässt, drehte es sich in den Anfangsjahren hauptsächlich ums Turnen. Und das wurde im Saal des Vereinslokals Schulte in Ennepe praktiziert.

Ein Platz muss her

Als diese Räumlichkeit nicht mehr zur Verfügung stand, musste ein neuer Platz für sportliche Bestätigungen gefunden werden. Ein Grundstück, das Gastwirt Friedrich Wilhelm Clever der Schwenker Schule spendete, wurde dafür als besonders geeignet angesehen.

Schon hier zeigte sich der ausgeprägte Gemeinschaftssinn der Vereinsmitglieder: 1931 begannen sie in ihrer Freizeit, den Platz entsprechend herzurichten. In Handarbeit wurden Erdmassen abgetragen, um einen „ebenen, zweckentsprechenden, staubfreien Turnplatz“ zu schaffen, auf dem sowohl Bewegungs- als auch Ballspiele ausgeübt werden konnten. Viele Hände arbeiteten gemeinsam, um das mit Steinen durchsetze Grundstück in einen brauchbaren Zustand zu versetzen. Durch diesen Teamgeist entstand 1931 der Sportplatz "Friedrichshöhe" der nach dem Spender des Grundstückes benannt wurde.

Projekte nur machbar dank Unterstützung der Vereinsmitglieder

Weitere große Projekte waren 1958 die Errichtung des ersten Sportlerheims, das zunächst mehr einer Baracke glich und dessen Ersatzbau nur sieben Jahre später — wiederum durch viel Eigenleistung — durch einen Neubau ersetzt wurde. 1979 kam die Mehrzweckhalle dazu, in der geturnt und gefeiert werden konnte.

1996 wurde das Vereinsheim vergrößert, es erhielt einen Kassenbereich und neue Umkleidekabinen. Und wieder packten viele Vereinsmitglieder an, denn um die Vereinskasse war es zu diesem Zeitpunkt nicht gut bestellt, sodass fehlende finanzielle Mittel mit körperlichem Einsatz wettgemacht werden mussten.

Um auch sportlich gegen die anderen Vereine des Kreises bestehen zu können, musste, darin waren sich die Vereinsmitglieder einig, ein Kunstrasen her. Von der ersten Planung 2008 bis zur Fertigstellung 2010 dauerte es aber nicht nur zwei Jahre — dem Vorstand des Vereins hat vor allem die Suche nach finanzieller Unterstützung "einige graue Haare" beschert. Erst aufgrund eines Finanzkonzepta, das erhebliche Eigenleistungen durch die Vereinsmitglieder beinhaltete, wurde dem TuS Ennepe 2010 mit knapper Mehrheit vom Rat der Stadt Halver ein Zuschuss bewilligt.

Die "Rentner-Gang" — eine Stütze des Vereins

Gerade beim Kunstrasenprojekt zeigte sich, dass die Verbundenheit zum TuS Ennepe nicht endet, wenn die aktive Zeit vorbei ist. Die "Rentner-Gang", wie die zwölf älteren Vereinsmitglieder liebevoll genannt werden, haben für das große Ziel, dem Dorfverein ein moderne Spielfläche zu ermöglichen, über fünf Monate lang sechs Tage in der Woche die gesamte Anlage rund um den neuen Kunstrasenplatz gestaltet. Sie haben gepflastert, Zäune aufgestellt, Grünflächen angelegt und Werbebanden montiert.

Raum für Begegnungen und Erholung

Ein offener Treffpunkt für alle

Vereinsmitglieder, Schwenker, Halveraner und Gäste aus der Nachbarschaft sollen die Möglichkeit haben, auf der Friedrichshöhe zusammenzukommen, gemeinsam zu spielen, zu grillen oder einfach die Aussicht auf die Höhen des westlichen Südwestfalens zu genießen — so lautete das erklärte Ziel des Vereins.

Die Mitglieder des TuS Ennepe arbeiteten also wieder einmal gemeinsam, diesmal aber für ein Projekt, das über die reine Vereinsnutzung hinaus geht. Sie glätteten Erdhügel, legten Wege an und bauten einen Multifunktionsplatz zum Bolzen, Boulen und Basketballspielen. Auch eine Hütte, die bei schlechtem Wetter Schutz bietet, wurde errichtet — und diese hat seither auch schon so manche Grillfeier miterlebt, die bis in die Nacht dauerte.

TuS Ennepe - Aufbau der Wetterschutzhütte
Foto: Bernd Eicker / privat

Das vorerst letzte große Projekt

2021 wurde das bestehende Vereinsheim abgerissen und durch einen modernen, luftigen und barrierefreien Neubau ersetzt. Wie immer und für alle selbstverständlich, packte jeder, der konnte, mit an. "Selbst Spieler der 1. Mannschaft beteiligten sich aktiv an den Arbeiten — ein Engagement, das den besonderen Zusammenhalt im Verein unterstreicht", heißt es in der Chronik. Mit diesem Teamgeist schritten die Bauarbeiten rasch voran, so dass 2022 das neue Vereinsheim offiziell eingeweiht werden konnte.

TuS Ennepe — mehr als Fußball

In Halver und im Kreis ist der TuS Ennepe heute vor allem für seine Erfolge im Fußball bekannt. Inzwischen hat der Verein neben den drei Herrenmannschaften auch ein Frauen- und ein Alt-Herren-Team. Groß aufgestellt ist TuS vor allem im Jugendbereich: Von den Minikickern bis zur B-Jugend sind alle Jahrgänge vorhanden. Die A-Jugendmannschaft verstärkt seit dem letzten Jahr die Herrenmannschaft.

Dabei begann die Fußball-Ära im Verein bereits 1939, als der TuS Ennepe erstmals eine Mannschaft aufstellen konnte. Durch den Zweiten Weltkrieg gingen viele Vereinsunterlagen verloren, so dass heute nicht mehr exakt nachvollziehbar ist, wie es in dieser Zeit sportlich weiterging. Sicher ist, dass der Turnverein Ennepe 1950 seinen Betrieb wieder aufnehmen konnte und eine Fußball- sowie Leichtathletikabteilung zum Turnbetrieb hinzufügte. "Damit war der Grundstein für die erneute sportliche Entwicklung in Schwenke gelegt", heißt es in der Chronik. 1952 nannte sich der Verein in den "Turn- und Sportverein Ennepe 1926" um, und es fand das erste einer langen Reihe von Fußballspielen statt.

Weil die Vereinskasse klamm war, wurden die Mitglieder erfinderisch — und veranstalteten 1953 das erste Pokalturnier in Schwenke. In Verbindung mit einem Waldfest konnten Einnahmen erzielt werden, die dem TuS finanziell weiterhalfen. "Seitdem und auch im Jubiläumsjahr 2026 wird das traditionelle Turnier — mehr als sieben Jahrzehnte nach seiner Premiere — weiterhin jährlich ausgetragen", betonen die Autoren der Chronik nicht ohne Stolz. Auch die Durchführung des jährlichen Großereignisses, das inzwischen über fünf Tage läuft, sei ohne das große Engagement der Vereinsmitglieder nicht möglich.

Der Einsatz der Vereinsmitglieder ermögliche zudem, dass auch andere Sportarten im Verein ausgeübt werden können. Gerade im Jugendbereich ist der Verein sehr aktiv und fördert Bewegung nicht nur beim Spiel mit dem Ball sondern auch beim Kinderturnen und Trampolinspringen. Bei den weiblichen Vereinsmitgliedern sind vor allem die Bodyfit-Stunden und das seit 1983 bestehende Gymnastikangebot beliebt.

Gemeinsam durch Höhen und Tiefen

Titel wie "Kreispokalsieger" (1956), der Aufstieg in die Kreisliga A (1987) oder der Aufstieg in die Bezirksliga (1996) waren Meilensteine in der Vereinsgeschichte. Aber egal, ob Spiele gewonnen oder verloren wurden — gefeiert wurde immer. Gemeinsam. Als Team. Die Mannschaften freuen sich nach einem Sieg gemeinsam und nach einer Niederlage blicken sie gemeinsam nach vorn. So "funktioniert" Sport beim TuS Ennepe.

Der Bezirksligaaufstieg 2020 wurde kräftig gefeiert: Hinten (v.l.): Moritz Hein, Felix Nowak, Leon Hasenburg, Kevin Bock, Tom Skorupski, Roman Grümer, Aron Wengenroth, Daniel Rösgen, Justin Schneider, Tristan Wengenroth. Mittlere Reihe (v.l.).: Peter Schebestik, Yasin Singil, Tom Eicker, Dennis Wiebe, Joshua Brandt, Steven Miekus, Lukas Brandt, Brian Heyer, Kevin Klahr, Jan Baumhardt, Nick Winkelsträter, Marc Braun, Henry Eicker, Martin Skorupski, Christian Miekus, Markus Titt, Markus Boesler, Lutz Wengenroth, Gerd Rottschy, Bernd Eicker. Vorne (v.l.): Lukas Brosch, Max Woitschig, Torsten Kriegeskorte, Colin Wiegand, Tom Woitschig, Aaron Heims, Andre Rittinghaus, Fynn Renneckendorf, Marvin Zedel, David Lüttringhaus, Markus Peter, Tobias Misterek. Vorne liegend: Ralf Eicker
Foto: Bernd Eicker / privat

Spaß und Gemeinschaft auch neben dem Sport

Schon 1968 ging der TuS Ennepe auf die erste Vereinsfahrt. Sie führte die Sportler nach Ostfriesland zu einem Freundschaftsspiel gegen den TuS Esens. Weitere Fahrten führten nach Berlin und Burgwallbach in die Rhön. Die Jugendmannschaft reiste 1975 in die Partnerstadt Katrineholm.

Dass die Schwenker feiern können, zeigt sich alljährlich in der Karnevalssaison: Seit 1956 wird der Schwenker Karnevalsprinz gewählt, Prunksitzungen, ein Rosenmontagszug nach Kreuzberg und auch ein Kinderkarneval sind fester Bestandteil des Terminkalenders.

Die Geschichte des TuS Ennepe in Kürze

Neben all den Anekdoten sind die wichtigsten Eckdaten der Vereinsgeschichte in der Chronik aufgeführt. Dazu zählt natürlich die Gründung des Turnvereins Ennepe am 6. November 1926 sowie die Gründung ersten Hand- und Faustballmannschaften im Jahr 1930.

Ein weiteres, wichtiges Datum war am 21. August 1932 die Einweihung des Sportsplatzes in Schwenke, der zu Ehren des Grundstücksspenders Friedrich Wilhelm Clever den Namen "Friedrichshöhe" erhielt. 1938 wurde die erste Fußballmannschaft ins Leben gerufen.

1951 erfolgte nach langer kriegsbedingter Pause die Umbenennung auf den heute noch gültigen Vereinsnamen "Turn- und Sportverein Ennepe 1926". Ein Jahr später fand das erste Pokalturnier statt, das in leicht abgeänderter Form, noch heute gespielt wird.

1956 entstand das vereinseigene Sportlerheim in Eigenleistung. 1974 kam eine Flutlichtanlage hinzu, 1979 ein Anbau an das Sportlerheim.

1993 gründete sich die erste Mutter-Kind-Turngruppe. 2005 wurde das erste Mitternachtsturnier für Hobbymannschaften ausgetragen. 2006 begannen die ersten Planungen, den Ascheplatz durch eine Kunstrasenspielfläche zu ersetzen. 2010 stimmte der Rat der Stadt der finanziellen Unterstützung für die Anlage eines Kunstrasenplatzes zu, der dann 2011 fertig gestellt wurde.

2016 fand das erste Schwenker Fußballcamp statt, an dem damals 37 Kinder teilnahmen. 2021 begann der Umbau zu einem barrierefreien Kabinen- und Sanitätstrakt. Ein Jahr später konnte es dann eingeweiht werden.

2024 wurde der Sportplatz in die "MGH-Arena Friedrichshöhe" umbenannt.