Der Evangelische Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg wird sich von seinem Haus „Alter Leuchtturm“ auf Borkum trennen. Diesen Beschluss fasste eine außerordentliche Kreissynode am 18. August mit großer Mehrheit.

71 von 74 Synodalen stimmten dafür, die Ferien- und Tagungsstätte zum Ende des Jahres aufzugeben; drei Mitglieder enthielten sich.

Damit werden die seit Jahren verfolgten Pläne für eine umfassende Sanierung des Hauses nicht weitergeführt. Ausschlaggebend dafür sind die inzwischen deutlich gestiegenen Kosten: Nach aktuellen Berechnungen der Ingenieurgemeinschaft Henninga GmbH aus Wiesmoor belaufen sich die notwendigen Investitionen auf insgesamt rund 9,5 Millionen Euro.

„Als ich diese Zahl gesehen habe, war ich schockiert“, erklärte Superintendent Dr. Christof Grote zu Beginn der kurzfristig einberufenen Sondersynode. Um möglichst vielen Synodalen die Teilnahme zu ermöglichen, fand die Versammlung digital statt. Neben der Urlaubszeit spielte dabei vor allem der erhebliche Zeitdruck eine Rolle. Eine Entscheidung über die Zukunft des Hauses konnte nicht länger aufgeschoben werden.

Backsteingebäude und ein hoher Turm hinter Bäumen, während Menschen auf Fahrrädern und zu Fuß eine gepflasterte Straße passieren.
Seit 60 Jahren war das Haus „Alte Leuchtturm“ auf Borkum ein Ort der Begegnung, Erholung und Gemeinschaft.
Foto: EKKLP

Noch vor wenigen Wochen war der Kreissynodalvorstand davon ausgegangen, dass eine Sanierung bei Kosten von rund 6,2 Millionen Euro wirtschaftlich tragfähig wäre. Der zu finanzierende Eigenanteil von etwa sechs Millionen Euro hätte durch die positiven Betriebsergebnisse des Hauses getragen werden können. Die jährlichen Belastungen für Zinsen und Tilgung von rund 235.000 Euro wären nach damaliger Einschätzung aus den laufenden Überschüssen zu finanzieren gewesen.

„Wir haben das Haus wirtschaftlich aus der Defizitzone geführt, in den letzten Jahren gute Ergebnisse erzielt und müssen nun leider feststellen: Das reicht bei Weitem nicht aus“, sagte Superintendent Grote.

Denn mit der aktualisierten Kostenberechnung vom 17. August ergab sich eine zusätzliche Finanzierungslücke von rund 212.000 Euro pro Jahr. „Diese Lücke können wir nicht schließen“, erklärte Claudia Adams-Kuhbier, Geschäftsführerin des Hauses. Der „Alte Leuchtturm“ sei trotz seines Sanierungsbedarfs „eine echte Perle“. Sichtlich bewegt ergänzte sie: „Ich kann es kaum fassen, dass wir diesen Weg nun gehen müssen.“

Die bisherigen Planungen basierten vor allem auf der Beseitigung bereits bekannter Schäden wie Setzrissen in der Fassade und Schäden im Klinkerbereich. Im Zuge weiterer Untersuchungen wurden jedoch zusätzliche, erhebliche Mängel festgestellt. Dazu zählen unter anderem marode Wasserleitungen in den Bädern, umfassende Schäden in der Küche sowie eine vollständig zu erneuernde Elektroinstallation.

Ein Techniker bedient an einem Mischpult ein Studio-Setup mit Kameras und Monitoren für die Sondersynode vor einer Gruppe von Teilnehmern.
Um die Sondersynode professionell durchführen zu können, hatte der Kirchenkreis im Haus der Ev. Kirche in Lüdenscheid ein Studio aufbauen lassen. So konnte gewährleistet werden, dass die Synode – mit allen wichtigen Abstimmungen – problemlos stattfinden konnte.
Foto: EKKLP

„Eine Teilsanierung ist keine realistische Option“, erläuterte Superintendent Grote. Hinzu komme, dass die Stadt Borkum den Betrieb der Küche in ihrem derzeitigen Zustand nur noch bis zum Ende dieses Jahres dulde. Vor dem Hintergrund der geplanten Sanierungsmaßnahmen waren bereits für das Jahr 2027 keine neuen Buchungen mehr angenommen worden.

In der Aussprache sprachen sich zahlreiche Synodale für den Beschluss aus, auch wenn dieser vielen sichtbar schwerfiel. „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, sagte Heike Esken, Vorsitzende des Presbyteriums der Kirchengemeinde Halver. Martin Cordt, Mitglied des Leitungsausschusses „Alter Leuchtturm“, betonte: „Eine solche finanzielle Belastung dürfen wir nachfolgenden Generationen nicht aufbürden.“ Die vorliegenden Zahlen nehmen der Synode die Entscheidung letztlich weitgehend ab. Zugleich regte er an, einen möglichen Verkaufserlös auch künftig für diakonische Zwecke einzusetzen. Genau diesem Auftrag habe das Haus seit seiner Errichtung vor 60 Jahren gedient.

Superintendent Dr. Christof Grote spricht an einem Mikrofon vor einem blauen Hintergrund des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg.
„Als ich diese Zahl gesehen habe, war ich schockiert“, gestand Superintendent Dr. Christof Grote.
Foto: EKKLP

Diese Einschätzung teilte auch Iris Jänicke, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis. Sie erinnerte daran, dass die Einrichtung erst nach den notwendigen Preisanpassungen der vergangenen Jahre ihren ursprünglichen diakonischen Anspruch nicht mehr in vollem Umfang erfüllen konnte. Bedürftige Zielgruppen wie Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen oder Empfänger staatlicher Transferleistungen hätten sich Aufenthalte zunehmend nicht mehr leisten können. „Wir dürfen dankbar sein, dass wir dieses wichtige diakonische Angebot über so viele Jahrzehnte aufrechterhalten konnten“, sagte Jänicke.

Mit dem Beschluss beauftragte die Synode den Kreissynodalvorstand zugleich damit, die Vermarktung der Immobilie einzuleiten. Die Chancen auf einen Käufer sind nach Einschätzung des Kirchenkreises gut. Das Haus verfüge über eine Beherbergungsgenehmigung, die auf Borkum nur schwer zu erhalten sei. Daher bestehe durchaus Interesse daran, bestehende Gebäude zu übernehmen und zu sanieren, statt neue Kapazitäten zu schaffen.

Ein Laptop zeigt die Videokonferenz der digitalen Sondersynode mit vielen Teilnehmern in einer Rasteransicht.
Knapp 100 Personen – davon 74 stimmberechtigt - nahmen an der digitalen Sondersynode des Kirchenkreises teil.
Foto: EKKLP

Zum Ende der digitalen Synode überwogen Trauer und Nachdenklichkeit. Besonders schmerzhaft war die Entscheidung für Rolf Meuser, den Leiter des Hauses „Alter Leuchtturm“, der als Gast an der Sitzung teilnahm. Im Anschluss informierte er die Mitarbeitenden über den Synodenbeschluss.

Mit der Entscheidung endet ein wichtiges Kapitel kirchlicher und diakonischer Arbeit. Seit 60 Jahren war das Haus „Alte Leuchtturm“ auf Borkum ein Ort der Begegnung, Erholung und Gemeinschaft. Familienfreizeiten, Mutter-Kind-Maßnahmen, Seniorenreisen sowie zahlreiche Veranstaltungen von Kirchengemeinden und Vereinen prägten die Geschichte des Hauses. Über Jahrzehnte hinweg leistete die Einrichtung damit einen bedeutenden Beitrag zur diakonischen Arbeit des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg.