Dragons zähmen die Wölfe
Die SGSH Dragons haben dem Tabellenzweiten SG Menden Sauerland Wölfe am Samstagabend, 7. November, in dessen eigener Halle die Zähne gezogen und sich nach einem packenden Schlagabtausch mit 32:29 (14:15) durchgesetzt. In einer bis in die Schlussminuten völlig offenen Begegnung beweisen die Schalksmühler eindrucksvolle Comeback-Qualitäten und entscheiden das Duell auf dem Schlussakkord.
Die Rollen waren eigentlich klar verteilt: Während die gastgebenden Wölfe als Tabellenzweiter und Favorit in das Regionalliga-Derby gingen, hatten die Dragons-Coaches Gawer/Jaeger im Vorfeld neben der taktischen Ausrichtung auch einige personelle Fragezeichen zu beantworten. Umso erfreulicher, dass mit Max Jaeger und Julian Athanassoglou zwei zunächst fragliche Leistungsträger rechtzeitig grünes Licht geben konnten. Beide sollten im weiteren Verlauf noch eine entscheidende Rolle spielen. Von der Kulisse ließen sich die Dragons unterdessen nicht einschüchtern: Die bestens gefüllte Kreissporthalle lieferte mit ihrer lautstarken Atmosphäre den passenden Rahmen für einen Derbyabend.
Dabei gehörte die Anfangsphase zunächst den Hausherren. Zwar egalisierte Christopher Börner den frühen Führungstreffer von Tobias Boeck zum 1:1 (3.), anschließend fanden die Wölfe jedoch besser in ihren Rhythmus. Besonders über Kim Norman Peter Voss-Fels und Christian Klein entwickelte die Mendener Offensive zunächst reichlich Durchschlagskraft. Nach dem 3:2-Anschluss durch Erik Blaauw vom Siebenmeterstrich (5.) setzten sich die Gastgeber auf 6:2 ab (9.). Die Dragons ließen sich davon allerdings nicht aus dem Konzept bringen. Börner und Athanassoglou verkürzten auf 6:4 (11.), ehe Menden erneut das Tempo anzog und sich über 8:5 (12.) bis auf 11:5 (15.) absetzte. Beim Sechs-Tore-Rückstand sahen sich die Dragons zur ersten Auszeit gezwungen.
Die richtigen Worte
Die Unterbrechung verfehlte ihre Wirkung nicht. Mit einer zunehmend griffigen, offensiv ausgerichteten Deckung stellten die Schalksmühler ihre Kontrahenten nun vor deutlich größere Probleme, erzwangen Fehler und brachten mehr Tempo in ihr eigenes Angriffsspiel. Max Löher und Athanassoglou übernahmen Verantwortung, verkürzten mit vier Treffern in Serie innerhalb von nicht einmal zwei Minuten auf 11:9 (17.) und zwangen ihrerseits die Mendener Bank zur grünen Karte. Das Derby hatte spätestens jetzt richtig Fahrt aufgenommen. Die Intensität stieg, jeder Ballgewinn wurde umkämpft, und auch zwischen den Pfosten lieferten die Schlussmänner beider Mannschaften starke Vorstellungen ab.
Zwar fanden die Wölfe nach ihrer Auszeit wieder Antworten und stellten durch Voss-Fels auf 12:9 (18.), doch die Gäste aus dem Sauerland blieben bissig. Blaauw verwandelte seinen nächsten Strafwurf zum 12:10 (19.), Max Jaeger hielt mit dem Treffer zum 12:11 (20.) den Anschluss. In einer zunehmend ausgeglichenen Begegnung gelang es den Mendenern zunächst noch, ihren Vorsprung zu behaupten. Nach dem 15:12 durch Jonas Schulte (27.) drohte den Dragons ein Drei-Tore-Rückstand zur Pause. Doch erneut zeigten die Schalksmühler Moral: Blaauw und Jaeger verkürzten mit einem Doppelschlag auf 15:14 (28.), während Keeper Jannack mit wichtigen Paraden dafür sorgte, dass die Gäste in Schlagdistanz blieben. So ging es nach einer abwechslungsreichen ersten Hälfte mit dem knappsten aller Rückstände in die Kabinen.
Spiel auf Augenhöhe
Nach dem Seitenwechsel kamen die Dragons mit mächtig Schwung zurück aufs Parkett. Blaauw stellte vom Strich zunächst auf 15:15 (32.), ehe Max Jaeger wenig später die erste SGSH-Führung des Abends besorgte (33.). Die Wölfe glichen zwar umgehend aus, doch Christopher Börner legte zum 17:16 nach (33.). Aus der zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Hypothek war binnen weniger Spielminuten eine eigene Führung geworden - das Momentum schien nun auf die Seite der Gäste zu kippen. Menden hatte allerdings keineswegs vor, sich den Schneid abkaufen zu lassen. Angeführt vom treffsicheren Tobias Boeck, der immer wieder Lücken in der Schalksmühler Defensive fand, kämpften sich die Gastgeber zurück.
Es entwickelte sich ein Derby, das seinen Namen in jeder Hinsicht verdiente. Leidenschaftliche Abwehraktionen, starke Torhüter, packende Zweikämpfe und ständig wechselnde Spielanteile hielten die Zuschauer in Atem. Als die Wölfe durch Boeck und Jonas Schulte erneut auf 24:22 davonzogen (45.), schien sich die Begegnung wieder zugunsten des Favoriten zu neigen. Hinzu kamen Zeitstrafen gegen Athanassoglou (44.) und Nico Jannack (47.), die den Schalksmühlern zusätzliche Widerstandskraft abverlangten. Doch die Gäste ließen sich nicht abschütteln. Der umtriebige Blaauw stellte auf 24:23 (48.), Athanassoglou besorgte den Ausgleich zum 24:24 (49.), und Tim Kobilinski drehte die Partie mit seinem Treffer zum 25:24 aus Sicht der Dragons endgültig wieder auf links (49.). Es ging bis in die Crunch Time Schlag auf Schlag.
6:0-Lauf bringt die zwei Punkte
Blaauw behielt vom Siebenmeterpunkt die Nerven und stellte zunächst auf 27:27 (53.), kurze Zeit später blieb er abermals cool und vollstreckte eiskalt zum 29:27 (56.). Die Wölfe, die zuvor über weite Strecken die passende Antwort gefunden hatten, setzten nunmehr alles auf eine Karte - und zogen die falsche. Die SGSH-Deckung stand kompromisslos, dahinter erwies sich Jannack als sicherer Rückhalt. Jeder gelungene Defensivmoment gab der SGSH zusätzliche Energie. Wieder Blaauw schraubte das Ergebnis auf 30:27 (57.), Börner legte das 31:27 nach (58.). Und als Jannack seine starke Vorstellung mit einem Treffer ins verwaiste Mendener Gehäuse zum 32:27 krönte (59.), war der Auswärtssieg endgültig perfekt. Den Wölfen blieb in den Schlusssekunden lediglich Ergebniskosmetik.
Diesen Erfolg an einzelnen Namen festzumachen, wäre zu kurz gegriffen. Die Dragons überzeugen als Kollektiv, lassen sich weder vom frühen Sechs-Tore-Rückstand noch von den wiederholten Mendener Führungen aus der Ruhe bringen und haben in der entscheidenden Phase schlicht mehr zuzusetzen. Die Jungs von Jens Gawer und Philipp Jaeger beweisen nicht nur spielerische Qualität, sondern vor allem Charakter, Widerstandsfähigkeit und bemerkenswerte Nervenstärke.
Match Facts
SG Menden 29:32 SGSH Dragons
SGSH Dragons: Gipperich (1), M. Jaeger (6), Plöger, Plate, Löher (2), Bulk, N. Jannack, J. Jannack (1), Athanassoglou (5), Richter, Blaauw (10/5), Börner (6), Kobilinski (1).
Siebenmeter: SGM 1/1 - SGSH 5/5 Zeitstrafen: SGM 0 - SGSH 3
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