„Zumba mit dem Säugling in der Wickeltasche“ – solche und ähnliche Schlagzeilen begleiten die Geschichte der AWO-Familienbildungsstätte am Christine-Schnur-Weg. Insbesondere für Mütter, Kinder, Jugendliche und Menschen mit Migrationshintergrund ist die Einrichtung unverzichtbar. Am 15. Oktober feierte die Familienbildungsstätte ihr 50-jähriges Jubiläum.
Das Gebäude selbst hat eine bunte Geschichte. Es diente als Lehrlingsheim und bot eine Zeit lang ausländischen Arbeitnehmerinnen als Wohnstätte einen geschützten Raum. „Mit dem Einzug der Arbeiterwohlfahrt wurde es zum einem Platz für lebenslanges Lernen“, blickte Karin Löhr bei der Jubiläumsfeier zurück. Sie leitete die Einrichtung 31 Jahre lang bis im Jahr 2011 ihre Nachfolgerin Manuela Lex übernahm.
Streifzug durch 50 Jahre Bildungsarbeit
Karin Löhr erinnerte bei ihrem Streifzug durch 50 Jahre Bildungsarbeit auch an die „schwärzeste Stunde“ der Einrichtung. Sie schlug 1992, als das Angebot am heutigen Christine-Schnur-Weg (früher Duisbergweg) auf Beschluss des Bezirksvorstands aus Finanznot ersatzlos gestrichen werden sollte. „Damals entstand eine starke Initiative, die für den Erhalt der Bildungsstätte kämpfte. Wir waren sechs Monate lang ständig in den Medien vertreten“, sagte Karin Löhr. Das Engagement hatte Erfolg und die Familienbildungsstätte wurde weitergeführt.
Im Festvortrag unter dem Titel „Familienbildung im Wandel“ unterstrich Prof. Dr. Ute Müller-Giebeler von der Technischen Hochschule Köln den hohen Stellenwert von Familienbildung. Umso bedauerlich sei es, dass die NRW-Landesregierung hier Zuschüsse gekürzt habe. Unter anderem schaffe Familienbildung den Raum dafür, dass Menschen „gesellschaftliche Zumutungen besser verarbeiten können“, sagte sie. Familienbildung stünde heute vor zahlreichen Herausforderungen wie schwacher Finanzierung und steigenden politischen und gesellschaftlichen Anforderungen auf der anderen Seite.
Druck auf Familien wächst
Gleichzeitig wachse der Druck auf Familien, etwa durch Kriege, die Folgen der Corona-Pandemie, Flucht und Migration oder durch Veränderungen in der Arbeitswelt. Dem träten Familienbildungsstätten mit ihren niedrigschwelligen Angeboten entgegen.
In der AWO-Familienbildungsstätte können sich Mütter, Väter, Kinder und Jugendliche bei offenen Treffs oder anderen Angeboten austauschen.
Bis zu 90 Prozent der Angebote sind kostenfrei. Die Entwicklung des Angebots orientiert sich am Familienbegriff, der sich immer wieder ausweitet, etwa durch Regenbogen- oder Patchworkfamilien.
Die Awo-Familienbildungsstätte in Lüdenscheid ist immer montags bis donnerstags jeweils von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Mittwochs sind Besucher zudem auch nachmittags zwischen 15 und 17 Uhr willkommen.









