Skatepark oder Pumptrack oder gar beides? Rund eine Stunde diskutierte die Breckerfelder Stadtvertretung am Donnerstag, 15. Oktober, über neue Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche — und über Kosten von „500.000 Euro plus X“. Am Ende der Debatte setzte sich der Vorschlag von CDU und SPD durch: Weiterverfolgt werden sollen ausschließlich Planungen für einen Pumptrack in der Parkanlage „Alter Friedhof“. Gegen den Willen von Grünen und FDP, die auch eine Kombination aus Skatepark und Pumptrack prüfen lassen wollten.
Was tut Breckerfeld für Kinder und Jugendliche?
Das Thema Skatepark und Pumptrack lockte ungewöhnlich viele Interessierte in den Saal der Feuer- und Rettungswache, wo die Breckerfelder Stadtvertretung traditionell tagt: Rund 20 Bürgerinnen und Bürger verfolgten am Donnerstagabend die öffentliche Sitzung. Schon in der Bürgerfragestunde unmittelbar vor der politischen Debatte ging es um den Bedarf an Freizeitangeboten für junge Menschen – und um die Frage, was die Stadt dafür bereits tut.
Mika Altenbeck beispielsweise wollte wissen, welche neuen Angebote die Stadt in den vergangenen Jahren für Kinder und Jugendliche geschaffen hat. Bürgermeister André Dahlhaus (CDU) verwies auf mehrere Investitionen: den Ausbau des Jugendtreffs, die Aufwertung des Sportplatzes in Zurstraße, die dem SC Zurstraße mehr Möglichkeiten für seine Jugendarbeit eröffnet habe, sowie das frei nutzbare Mehrzweckfeld an der Sport- und Freizeitanlage. Letzteres habe die Stadt rund 400.000 Euro gekostet.
Auch die Spielplätze halte die Stadt kontinuierlich in Schuss und erneuere bei Bedarf Spielgeräte, betonte der Bürgermeister. Zudem soll demnächst im Ort ein 3x3-Basketballfeld entstehen. Dahlhaus betonte abschließend, dass sich kommunale Pflichtaufgaben und freiwillige Leistungen gerade in diesem Bereich häufig überschneiden. In den vergangenen zwei bis drei Jahren habe die Stadt aus seiner Sicht jedoch „relativ viel“ für Kinder und Jugendliche investiert.
Doch reicht das bestehende Angebot aus? Diese Frage zog sich anschließend durch die Diskussion über den möglichen Skatepark und Pumptrack.
500.000 Euro und mehr für eine kombinierte Anlage
Noch vor Beginn der politischen Beratung wollte Tobias Ludwig wissen, wie konkret die Planungen für einen Pumptrack bereits seien. Würde die Stadt eine aufgesetzte Anlage bauen wollen oder das Gelände entsprechend modellieren? Dahlhaus stellte in seiner Antwort klar, dass es noch keine Detailplanung gebe. Zunächst müsse ein Standort festgelegt werden, erst danach könne die Verwaltung Gespräche mit Herstellern führen und belastbare Kosten ermitteln.
Als grobe Orientierung nannte der Bürgermeister für einen reinen Pumptrack 300.000 bis 400.000 Euro. Eine kombinierte Anlage aus Pumptrack und Skatepark mit 500 bis 700 Quadratmetern könnte 500.000 bis 600.000 Euro kosten, hinzu kämen mögliche Lärmschutzmaßnahmen. „Wir sprechen hier also von einer Summe in Höhe von 500.000 Euro plus X“, sagte Dahlhaus.
Auch beim Lärmschutz gebe es Unterschiede: Vor allem Sprünge könnten auf einer Skateanlage höhere Geräuschemissionen verursachen als das Befahren eines Pumptracks. Die Verwaltung hätte neben den drei bereits gutachterlich untersuchten Flächen – am Hansering, an der Sport- und Freizeitanlage und im Park „Alter Friedhof“ – auch weitere Bereiche geprüft, so Dahlhaus, etwa im Bereich Brauck, Wengeberg und Gewerbegebiet. Geeignete städtische Flächen habe sie dort jedoch nicht gefunden.
CDU: Nicht jeder Wunsch rechtfertigt die Kosten
Axel Zacharias machte in der anschließenden politischen Diskussion für die CDU deutlich, dass seine Fraktion das Projekt nicht grundsätzlich ablehne. Ein zusätzliches Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche sei durchaus ein Argument dafür. Die Kosten und die Frage, ob sich Nutzungszeiten tatsächlich kontrollieren ließen, sprächen aus seiner Sicht jedoch gegen einen kombinierten Skatepark mit Pumptrack.
Zacharias verwies auf Erfahrungen mit anderen Sportstätten, bei denen es Beschwerden wegen der Nutzung außerhalb erlaubter Zeiten gegeben habe. Auch die erwartete Nutzerzahl sei zu berücksichtigen. Die Interessengemeinschaft Skatepark gehe selbst von einer vergleichsweise überschaubaren Gruppe aus, erinnerte er an vergangene Gespräche mit der Initiative Skatepark und der Ideenwerkstatt Breckerfeld. Das Argument, eine Anlage könne auch Jugendliche aus Nachbarstädten anziehen, überzeugte ihn ebenfalls nicht: „In Halver wurde eine Skateanlage vor einiger Zeit abgerissen.“
Für den von allen vier Fraktionen favorisierten Standort „Alter Friedhof“ nannte Zacharias weitere Bedingungen: Der alte Baumbestand müsse erhalten bleiben und der Lärmschutz funktionieren. Zudem gebe es dort eine Gedenkstätte für Opfer von Krieg und Gewalt. Dies jedenfalls sei in Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern mit Bedenken genannt worden: Dass ein Skatepark nicht ohne Weiteres in dieses Umfeld passe.
„Wir wollen nur bauen, was auch wirklich Sinn macht und von einer großen Mehrheit der Bürger akzeptiert wird“, sagte Zacharias. Einen reinen Pumptrack am Alten Friedhof könne sich die CDU somit vorstellen – sofern die Rahmenbedingungen stimmten. Als mögliche Ergänzung brachte er erneut eine Boulderwand ins Gespräch.
SPD will nicht am Bedarf vorbeiplanen
Arno Förster (SPD) zeigte sich von der Entwicklung der Diskussion irritiert. Er habe bislang den Eindruck gehabt, dass alle Fraktionen das Projekt grundsätzlich unterstützten. In der Sitzung gehe es doch zunächst darum, einen Standort für weitere Prüfungen festzulegen, erinnerte er die Stadtvertreter an die eigentliche Beschlussvorlage. Über belastbare Kosten und weitere Aspekte im Hinblick auf die Umsetzung könne die Politik erst danach diskutieren.
„Wir müssen uns auf einen Standort einigen und uns dann darauf verständigen, wie wir weiter vorgehen wollen“, sagte Förster. Zugleich müsse die Stadt aufpassen, nicht am tatsächlichen Bedarf vorbeizuplanen. Die Interessengemeinschaft Skatepark und auch die Ideenwerkstatt sollten deshalb seiner Ansicht nach weiter in die Überlegungen eingebunden werden.
Auch sein Fraktionskollege Uwe Manthey wünschte sich einen anderen Verlauf der Debatte. „Ein Miteinander aller Fraktionen in dieser Sache wäre auf jeden Fall besser als ein Gegeneinander!“, betonte er.
Grüne und FDP wollen beide Varianten prüfen
Die Grünen hielten es für verfrüht, das Projekt vor einer konkreten Planung an den Kosten scheitern zu lassen. Dr. Andreas Balster verwies darauf, dass sich vergleichbare Anlagen in ihrer Bauweise und damit auch beim Lärm deutlich unterscheiden könnten. Zudem seien mögliche Finanzierungswege wie Sponsoring oder Crowdfunding noch gar nicht ausgelotet worden.
Balster plädierte zudem für einen gemeinsamen Bürgerdialog mit allen Fraktionen. Denn eine solche Anlage könne mehr sein als ein Sportangebot: Sie solle auch als Treffpunkt dienen und möglichst vielen Menschen offenstehen, darunter kleinen Kindern und Rollstuhlfahrern. „Diese Gruppe ist groß, aber sie geht vielleicht noch nicht wählen“, merkte er mit Blick auf die CDU-Mehrheit an.
Ines Reiling (Grüne) schlug vor, am Alten Friedhof die Möglichkeiten sowohl für einen reinen Pumptrack als auch für eine kombinierte Anlage prüfen zu lassen. Auch Björn Menna (FDP) wollte das Projekt nicht aufgeben, bevor die Fakten auf dem Tisch liegen. „Generell fände ich es schade, wenn diese Idee stirbt, bevor wir die Fakten kennen“, sagte er.
Dahlhaus hielt dagegen, dass die Verwaltung ohne Standortentscheidung keine belastbaren Kosten ermitteln könne. Zugleich warnte er davor, die Diskussion weiter zuzuspitzen.
Abstimmung bringt eine klare Richtung
Am Ende der Sitzung lagen zwei Vorschläge auf dem Tisch. Grüne und FDP beantragten, am Alten Friedhof sowohl einen reinen Pumptrack als auch eine kombinierte Anlage prüfen zu lassen – unter der Voraussetzung, dass der alte Baumbestand erhalten bleibt. Dafür stimmten sechs Stadtvertreter, zwei enthielten sich, die übrigen votierten dagegen.
Eine deutliche Mehrheit fand dagegen der Vorschlag von CDU und SPD, am Alten Friedhof ausschließlich die Planungen für einen Pumptrack weiterzuverfolgen. 19 Stadtvertreter stimmten dafür, sechs dagegen, ein SPD-Mitglied enthielt sich.
Damit hat die Stadtvertretung eine Richtung vorgegeben: Der Bau eines kombinierten Skateparks mit Pumptrack wird nicht weiterverfolgt. Die Prüfung eines reinen Pumptracks am Alten Friedhof dagegen soll weitergehen. Wie die Anlage aussehen könnte, welche Kosten tatsächlich entstehen und welche Lärmschutzmaßnahmen nötig sind, muss sich nun in den nächsten Planungsschritten zeigen.
Was ist ein Pumptrack?
Ein Pumptrack ist ein geschlossener Rundkurs mit Wellen, Steilkurven und gegebenenfalls kleinen Sprüngen. Durch rhythmische Auf- und Abwärtsbewegungen des Körpers - „pumpen“ - können die Nutzer Geschwindigkeit aufbauen, ohne in die Pedale zu treten. Die etwa einen Meter breite Strecke lässt sich dabei in beide Richtungen befahren. Als besonders langlebig und vielseitig gelten asphaltierte Bahnen, jedoch gibt es auch Pumptracks aus Holz oder Beton. Harte Oberflächen bieten dabei in der Regel Vorteile bei der Instandhaltung und Nutzungsvielfalt. Sie eignen sich für Mountainbikes, BMX-Räder, Laufräder, Roller, Skateboards und Inlineskates – und bieten damit Fahrspaß für alle Generationen. (Quelle: pumptrack.info)








