Was Haushalte im Ennepe-Ruhr-Kreis in die Biotonne werfen, kommt seit 2013 als Strom zurück. Und diesen Weg setzen der Kreis und die Abfallentsorgungs- und Verwertungsgesellschaft AHE nun für weitere 20 Jahre fort.
Millionen fleißige Helfer im Einsatz
Die Bananenschale vom Frühstückstisch, Speisereste vom Mittagessen, der Rasenschnitt aus dem Garten und die Blumenerde vom Balkon: Wer diese und andere Küchen- und Gartenabfälle im Ennepe-Ruhr-Kreis in die Biotonne wirft, schickt sie seit 2013 auf eine Reise, die am Ende zurück in die Haushalte führt. Denn der Biomüll kommt als Strom aus der Steckdose zurück.
Vor gut 15 Jahren hatten Kreisverwaltung und Kreistag entschieden, den Weg des reinen Kompostieren zu verlassen. Den Zuschlag für Bau und Betrieb der Vergärungsanlage im Wittener Stadtteil Bebbelsdorf vergab die Kreisverwaltung seinerzeit an das wettersche Unternehmen AHE. Seither sind dort „Millionen von Mitarbeitern“ tätig: Unzählige Bakterien lassen in der Vergärungsanlage aus organischen Abfällen Biogas werden. Zwei Blockheizkraftwerke verwandeln dieses Gas in elektrische Energie, die ins Stromnetz der Stadtwerke Witten eingespeist wird. Ein konkretes Beispiel: Eine Bananenschale aus der Biotonne liefert 34 Minuten Licht für eine 11Watt-Glühbirne.
„Paradebeispiel für lokale Kompetenz“
Was die vielen kleinen Helfer gemeinsam schaffen, kann sich sehen lassen: Rund 25.000 Tonnen Bioabfall aus Breckerfeld, Ennepetal, Gevelsberg, Hattingen, Herdecke, Schwelm, Sprockhövel, Wetter und Witten verarbeitet die Anlage jedes Jahr. Daraus entstehen rund 5,5 Millionen Kilowattstunden Strom — rechnerisch genug für etwa 2000 Haushalte.
Doch damit ist die Verwertung längst nicht erledigt. Zusätzlich produziert die Anlage jährlich rund 5000 Tonnen Kompost und 10.000 Tonnen Biodünger. Außerdem spart sie nach Angaben des Kreises rund 4000 Tonnen Kohlendioxid ein.
Mit ihren Unterschriften besiegelten Landrat Jan-Christoph Schaberick und AHE-Geschäftsführer Johannes Einig jetzt am Ende einer europaweiten Ausschreibung, dass dies für weitere 20 Jahre so bleiben wird. Einig sieht darin ein „Paradebeispiel dafür, wie lokale Kompetenz vor Ort eingebracht und nachhaltig genutzt werden kann". Er ergänzt: „Wir freuen uns sehr darüber, auch zukünftig Partner für diese nachhaltige und regionale Kreislaufwirtschaft zu sein."
Plastiktüten bleiben das größte Problem
Seit 2015 müssen alle deutschen Kommunen Bioabfälle getrennt sammeln. Im Ennepe-Ruhr-Kreis gibt es die Biotonne bereits seit dem Jahr 2000 flächendeckend. Kreis und Städte arbeiten weiter daran, die Qualität des Bioabfalls zu verbessern und Störstoffe fernzuhalten. Das größte Problem sind Plastiktüten, auch solche, die als „kompostierbar" gekennzeichnet sind. Kreis und Städte werben deshalb dafür, ausschließlich Papiertüten zu verwenden.
Überdies weist der Kreis darauf hin, dass lediglich folgende Abfälle in der Biotonne landen dürfen: Gemüse- und Obstreste, Kaffeesatz und -filter, Tee und Teefilter, Schalen von Südfrüchten, Brotreste, Eierschalen, Nussschalen, verdorbene, unbehandelte Lebensmittel, gekochte Speisereste, Knochen, Fleisch- und Fischreste sowie Wischtücher aus Papier. Aus dem Garten können Schnittblumenreste, Baum- und Strauchschnitt, Laub, Rasenschnitt, Wildkräuter, Sägemehl und Holzwolle über die Biotonne entsorgt werden.
Künftig auch Bananenschalen aus Hagen?
Nach Angaben der AHE hat die Ablage in Witten noch freie Kapazitäten, um auch den Biomüll aus den benachbarten Großstädten aufzunehmen. Eine langfristige Kooperation könne so kommunale Kreislaufwirtschaft und erneuerbare Energieerzeugung verknüpfen. Der Ennepe-Ruhr-Kreis grenzt an die Nachbarstädte Dortmund, Bochum und auch Hagen: „Perspektivisch könnten auch deren Bananenschalen zu nachhaltiger Energie umgewandelt werden.“







