Der Schülerverkehr fällt ganz weg, zahlreiche Arbeitnehmer nutzen die Sommerferien für einen ausgedehnten Familienurlaub. Als Konsequenz ist der Verkehr auf den Straßen im Kreis geringer. Beim Landesbetrieb Straßen.NRW hingegen herrscht Hochbetrieb: Die Straßenwärter nutzen die Zeit für dringend notwendige Arbeiten.

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Gunst der Stunde nutzen

Drei Tage hat der Landesbetrieb für die verschiedenen Aufgaben an der L694 eingeplant. Zwischen Meinerzhagen-Lengelscheid und Kierspe-Neuebrücke ist die Landstraße tagsüber voll gesperrt. Vorrangig wollen die Mitarbeiter der Straßenmeisterei Schlaglöcher flicken, im Rahmen der Sperrung wird jedoch auch die Gunst der Stunde genutzt und es werden einige Gefahrenbäume entlang der Landstraße gefällt.

Die Trupps arbeiten dabei von den gegenüberliegenden Enden der Sperrung aufeinander zu. Kurz hinter Wiebelsaat steht am Dienstagmorgen, 28. Juli, der große Fällbagger und entnimmt Bäume vom Straßenrand. Vorne am Ausleger des Baggers ist keine Schaufel, sondern ein großer Greifer mit eingebauter Motorsäge. Der Maschinist greift den Stamm, sägt ihn ab und kann die einzelnen Stammstücke präzise ablegen – im Idealfall direkt im bereitstehenden Lkw. Zum einen geht das schneller als die klassische Fällung mit der Kettensäge, zum anderen ist es sicherer: Kein Baum fällt unkontrolliert um, kein Mensch steht im Gefahrenbereich.

Stück für Stück tragen die Mitarbeiter den Baum ab, ehe sie mit dem Bagger und dem Lkw weiterfahren zum nächsten Baum, dessen Standsicherheit gefährdet ist. Zurück bleiben lediglich einige Blätter und kleinere Äste an der Stelle der Fahrbahn, wo der Bagger die Baumstücke zwischengelagert hat. Der einzige Punkt, an dem wieder Handarbeit ins Spiel kommt und die Blätter mit Rechen und Besen zusammengefegt werden, damit die Fahrbahn sauber hinterlassen wird.

Handarbeit beim Asphaltieren

Anders sieht es zwischen Wiebelsaat und Neuemühle aus, hier macht Handarbeit noch den deutlich größeren Teil der Arbeit aus. Eine Kolonne aus fünf Mitarbeitern von Straßen.NRW ist am anderen Ende der Sperrung damit beschäftigt, Schlaglöcher provisorisch zu reparieren. "Es ist mehr ein Flicken als eine wirkliche Reparatur", erklärt einer der Straßenwärter.

Bei rund 25 Grad Außentemperatur und einem Straßenabschnitt, der an beiden Seiten von Bäumen umgeben ist, ist die Stimmung unter den Arbeitern gut. In den kommenden Tagen soll das Thermometer jedoch auf über 30 Grad steigen und die Kolonne kommt an Streckenabschnitte, die keinen Schatten haben. Dann wärmt sich nicht nur die Straße deutlich mehr auf als die Umgebungsluft, hinzu kommt noch der rund 160 Grad Celsius heiße Asphalt, mit dem die Schlaglöcher ausgebessert werden. Für die Arbeiter ein Knochenjob.

Härteprozess dauert mehrere Stunden

Zuerst spritzen sie eine Bitumen-Wasser-Mischung auf die Straße. Nach wenigen Minuten ist das Wasser darin verdunstet, zurück bleibt ein klebriger Bitumenfilm. Dieser hilft, dass der neue Asphalt besser an der bestehenden Straßendecke kleben bleibt. Anschließend kippt ein Lkw den heißen Asphalt in die Schlaglöcher. Mit Rechen und Schiebern verteilen die Arbeiter diesen auf der gesamten Fläche, so dass die Schlaglöcher und angrenzenden Bereiche gut abgedeckt sind. Anschließend verdichtet eine Walze den Bereich. Nach dem Aushärten des Asphalts können wieder Fahrzeuge darüber fahren. "Je nach Tiefe und Größe des Schlaglochs kann dieser Härteprozess mehrere Stunden dauern, bei kleineren Stellen geht es schneller", erklären die Mitarbeiter.

Verkehrsteilnehmer missachten Sperrung

Unverständnis kommt auf, als eine Radfahrerin die Sperrung missachtet und durch ein frisch asphaltiertes Stück auf der Straße fährt. Weder die aufgestellten Schranken und Pylonen an der Straße, noch die mittig auf der Fahrbahn stehenden Lkw mit der auffälligen Markierung und den orangenen Leuchten können die Radlerin stoppen, selbst durch die Rufe der Asphaltierer lässt sie sich nicht aufhalten.

Immerhin war der Asphalt anscheinend schon genug ausgehärtet, dass er das Gewicht der Radfahrerin aushält. Nicht nur, dass die Strecke neu asphaltiert werden müsste, wenn zu früh darüber gefahren wird — schlimmer ist die Gefahr, dass ein Rad im frischen Asphalt steckenbleiben und die Radfahrerin stürzen könnte. Ein kurzes Kopfschütteln bei den Arbeitern, nachdem die junge Frau vorbei ist, ohne sich noch einmal umzudrehen oder anzuhalten, dann geht es weiter.

Am ersten Tag schafft die Kolonne die Strecke zwischen Wiebelsaat und Neuemühle. In den kommenden Tagen werden sich die Straßenwärter weiter in Richtung Meinerzhagen-Lengelscheid vorarbeiten.