Stockende sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, steigende Arbeitslosigkeit in beiden Rechtskreisen und sinkende Arbeitskräftenachfrage sind laut der Agentur für Arbeit in Iserlohn die Bilanz des Jahres 2025. Vor allem die strukturellen Probleme der heimischen Industrie führten zu Beschäftigungseinbußen und verschöben die Branchenstruktur. Die Zurückhaltung der Unternehmen mache sich bei geringen Zahlen von Einstellungen bemerkbar, so die Agentur.
„Eine spürbare Entlastung am Arbeitsmarkt bleibt weiterhin aus“, äußert sich Stefan Steinkühler, Geschäftsführer operativ, mit Blick auf das Jahr 2025. „Bis zum Spätsommer stieg die Arbeitslosigkeit an, allerdings mit einem geringeren Anstieg als im Vorjahr. Es war erneut ein herausforderndes Jahr“, so der Arbeitsmarktexperte. „Saisonale Erholungen blieben aus und die Arbeitslosigkeit verfestigte sich auf einem bereits hohen Niveau. Viele Betriebe konnten Teile ihrer Belegschaft nicht halten, da der wirtschaftliche Druck zu groß war“, berichtet Steinkühler.
Beschäftigung ist rückläufig
Der Arbeitsmarkt im Märkischen Kreis zeigt deutliche Auswirkungen schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Mitte des Jahres waren im Märkischen Kreis 158.598 Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt – ein Rückgang um 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Verlust der Beschäftigungen im verarbeitenden Gewerbe von 7 Prozent (-5.667) kann durch Zuwächse z. B. im Dienstleistungs- und Gesundheitssektor von 2,6 Prozent (+2.157) nicht ausgeglichen werden. „Es ist offensichtlich, dass die Verluste im verarbeitenden Gewerbe die regionale Wirtschaftskraft schwächen“, erläutert Steinkühler.
Arbeitslosigkeit im Märkischen Kreis wächst
Im Jahresdurchschnitt 2025 waren 18.689 Menschen im Märkischen Kreis arbeitslos – ein Anstieg um 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit gehört der Märkische Kreis zu den drei Kreisen und kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen, deren Arbeitslosigkeit am stärksten gestiegen ist. Allerdings ist der Anstieg geringer als im Vorjahr.
Die Arbeitslosenquote liegt im Jahresdurchschnitt bei 8,3 Prozent und damit deutlich über der NRW-Marke von 7,8 Prozent. Die Arbeitslosigkeit steigt in beiden Rechtskreisen, allerdings im SGB III (Jobcenter) doppelt so stark und betrifft besonders den Helferbereich: Insgesamt waren von den 18.689 arbeitslosen Menschen 11.438 Personen ungelernt (+ 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Das entspricht einem Anteil von 61,2 Prozent. Dem gegenüber wurden von den gemeldeten Arbeitsstellen 74,5 Prozent mindestens für Fachkräfte und höhere Qualifikationen ausgeschrieben und nur 25,5 Prozent für ungelernte Personen.
„Das zeigt das deutliche Ungleichgewicht, mit dem wir es zu tun haben und verdeutlicht, wie wichtig es ist, in die Weiterbildung zu investieren. Nur dann haben auch geringqualifizierte Arbeitskräfte eine echte Chance am Arbeitsmarkt“, erklärt Steinkühler. Die Agentur für Arbeit Iserlohn habe 2025 über 2.000 Weiterbildungsmaßnahmen im Rahmen der beruflichen Bildung ermöglicht. Das sei ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um rund 25 Prozent.
Die Zahl der gemeldeten Stellen (Stellenzugänge) sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 7.874 Stellen gemeldet. Die Zahl der offenen Stellen im Bestand mit 3.889 ergibt einen deutlichen Rückgang um 13,1 Prozent. Besonders auf dem Helferniveau ergibt sich ein Stellenrückgang bei den Zugängen von 10,6 Prozent. Demgegenüber steht ein Zuwachs bei den gemeldeten Stellen für Fachkräfte von 2,3 Prozent. „Der Rückgang der gemeldeten Stellen zeigt, dass Unternehmen unter den aktuellen Bedingungen zurückhaltend reagieren. Dennoch bleiben die Beschäftigungschancen für Fachkräfte, auch mit Blick auf demografische Effekte, nach wie vor gut“, erläutert Steinkühler.
Appell an Arbeitgeber: Bei Ausbildung nicht nachlassen
Obwohl für 2026 ein leichter Aufschwung auf Bundesebene vorhergesagt wird, befürchtet die heimische Arbeitsagentur, dass dieser nicht in der Region ankommt. Der hohe Anteil an verarbeitendem Gewerbe lasse eine steigende Arbeitslosigkeit bei gleichzeitig sinkender Beschäftigung erwarten, da das verarbeitende Gewerbe als konjunkturabhängige Branche nicht nur die Konjunkturschwäche zu verkraften, sondern auch mit dem Strukturwandel zu kämpfen habe.
„Unser Fokus 2026 liegt darauf, die Entwicklungen auf dem regionalen Arbeitsmarkt eng mit allen Netzwerkpartnern zu begleiten und Perspektiven zu entwickeln. Gleichzeitig forcieren wir die berufliche Beratung – sowohl bei Arbeitnehmern als auch bei Arbeitgebern. Anforderungen und Branchen verändern sich mit Blick auf die Digitalisierung und hier setzen wir mit unserer Beratung an. Arbeitgeber möchten wir für unterschiedliche Personengruppen und Unterstützung bei der Beschäftigung aufschließen – denn hier schlummert noch Potenzial“, erklärt Steinkühler. Bei den Jugendlichen sei es besonders wichtig, vor allem die Berufsorientierung und die betriebliche Ausbildung zu stärken. Die heutigen Jugendlichen seien der Nachwuchs von morgen. „Den heimischen Unternehmen empfehle ich daher, trotz wirtschaftlich herausfordernder Zeiten bei der Ausbildung junger Menschen nicht nachzulassen – sie sind ihre zukünftigen Fachkräfte“, betont Steinkühler.
Der Arbeitsmarkt im Dezember
Die Arbeitslosigkeit ist im Bezirk der Agentur für Arbeit Iserlohn im Dezember 2025 gestiegen. Nach Angabe der Agentur waren 18.608 Menschen arbeitslos gemeldet, 369 Personen mehr (2 Prozent) als im November und 477 Personen bzw. 3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote betrug 8,3 Prozent und lag mit 0,2 Prozentpunkten über dem Vormonatsniveau. Vor einem Jahr lag sie bei 8 Prozent.
Im vergangenen Monat meldeten sich insgesamt 3.436 Personen arbeitslos. Davon kamen 1.117 Personen direkt aus Erwerbstätigkeit. 3.070 Menschen beendeten ihre Arbeitslosigkeit; davon nahmen 676 eine Erwerbstätigkeit auf.
Die Unternehmen suchen weiterhin Mitarbeitende: 574 Stellen wurden im Dezember neu gemeldet (42 mehr als im Vormonat und 81 mehr als vor einem Jahr). Die meisten freien Stellen gibt es aktuell in den Branchen sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, verarbeitendes Gewerbe, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen, Gesundheits- und Sozialwesen, Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz, Baugewerbe. Aktuell befanden sich damit 3.429 freie Stellen im Bestand der Arbeitsagentur.
Im Jobcenter Märkischer Kreis sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften im Vorjahresvergleich um 313 (entspricht -2 Prozent) auf insgesamt 17.296. Hierbei wurden im Dezember insgesamt 23.563 erwerbsfähige Bürgergeldberechtigte betreut; das waren 497 Personen weniger (-2 Prozent) als vor einem Jahr.
Die Unterbeschäftigung lag nach vorläufigen Angaben im Dezember bei 22.689 Personen. Sie erhöhte sich gegenüber dem Vormonat November (165 Personen bzw. 0,7 Prozent) und sank verglichen mit Dezember 2024 (-430 Personen bzw. -1,9 Prozent). Zur Unterbeschäftigung zählen neben den Arbeitslosen solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie z. B. im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden.









