Acht Kinder, 36 Enkel und 41 Urenkel: Maria und Rubin Hartwich haben sich in 65 Ehejahren eine große Familie aufgebaut. Am 28. Oktober 1961 gaben sie sich im sibirischen Gebiet Omsk das standesamtliche Jawort. Heute, 65 Jahre später, blicken sie auf ein gemeinsames Leben zurück, das sie von Sibirien über Kirgisien nach Halver führte.
150 Kilometer voneinander entfernt
"Wir waren mehrfach gemeinsam auf Feiern eingeladen, kannten uns aber eigentlich nicht", erinnert sich die heute 84-jährige Maria Hartwich an die Zeit von vor 65 Jahren. "Und auf einmal hat es gefunkelt", sagt sie noch immer mit einem Leuchten in den Augen.
Rund 150 Kilometer trennten die beiden, regelmäßige Besuche waren deshalb kaum möglich. „Das ging auch nicht, weil wir beide in der Landwirtschaft tätig waren“, erzählt Maria Hartwich. Briefe halfen ihnen, die räumliche Entfernung zu überbrücken. Erst als es die Arbeit auf den Feldern der Kolchose zuließ, konnten sie einen Hochzeitstermin vereinbaren.
Auf der Ladefläche zum Heimatdorf
Am 28. Oktober 1961 gaben sich die damals 19-jährige Maria und der 25-jährige Rubin standesamtlich das Jawort. Die große Feier folgte am 5. November mit der kirchlichen Hochzeit im Heimatdorf der Braut. Zwei Tage später ging es mit rund 20 Gästen auf der Ladefläche eines Lastwagens ins Heimatdorf des Bräutigams. Die Ladefläche war notdürftig mit Bänken ausgestattet und mit einer Plane gegen die sprichwörtliche sibirische Kälte geschützt. „Zehn Stunden haben wir für die 150 Kilometer gebraucht, denn die Straßen waren so schlammig, dass wir kaum durchkamen“, erzählt Maria Hartwich.
Zufällig in Halver gelandet
„Dass wir in Halver gelandet sind, war eher zufällig. Es wurde uns angeboten, und die Schwester meines Mannes wohnte bereits in Meinerzhagen. So passte das gut“, erzählt Maria Hartwich. Nach und nach zogen auch die übrigen Familienangehörigen, die noch in Russland oder Kirgisien geblieben waren, nach Deutschland.
In Halver wohnte die Familie zunächst in einer Sammelunterkunft am Bahnweg 8, später bezogen die Hartwichs zwei Zimmer im heutigen Kulturbahnhof. „Dort haben wir uns mit acht Personen zwei Zimmer geteilt“, erinnert sich Olga Weidmann, eine der Töchter, die heute gemeinsam mit ihrem Ehemann in einer Wohnung im Haus ihrer Eltern wohnt.
Deutsch als Familiensprache
In der Familie wurde schon immer Deutsch gesprochen. „Meine Mutter konnte gar kein Russisch, und mein Vater hat immer gesagt, dass ich bloß keinen Russen heiraten solle. Sonst könne er sich ja gar nicht mit ihm unterhalten“, erzählt Maria Hartwich lachend.
In Halver angekommen, arbeiteten Maria und Rubin Hartwich als Hilfsarbeiter bei der Firma Wippermann. Daneben erledigten sie für ihren Arbeitgeber auch Arbeiten von zu Hause aus: Sie drechselten Stuhlbeine und übernahmen weitere handwerkliche Tätigkeiten. „Dabei haben auch die Kinder immer mitgeholfen“, erzählen die beiden nicht ohne Stolz.
Hausbau in Eigenregie
Auf die Unterstützung ihrer Familie konnten sie auch beim Bau ihres Hauses in Oberbrügge zählen. Rubin Hartwich mauerte das Haus selbst, errichtete den Dachstuhl und deckte das Dach. Einer der Söhne kümmerte sich um die Elektrik, der Schwager übernahm die Putzarbeiten. So entstand mit vereinten Kräften ein Zuhause für die Familie.
Großes Familienfest zum Ehejubiläum
Bis heute wird der Zusammenhalt in der Familie großgeschrieben, auch wenn ihre Mitglieder inzwischen über ganz Deutschland verstreut leben. Zur Eisernen Hochzeit kamen jedoch mehr als 100 Familienmitglieder und Gäste im großen Saal der Christlichen Gemeinde in Oberbrügge zusammen, um das Ehejubiläum von Maria und Rubin Hartwich zu feiern.
Ein Fest ganz nach dem Geschmack von Maria Hartwich. Sie liebt es, so sagt sie, möglichst viele Menschen um sich zu haben: „Am schönsten ist es, wenn ich die Enkel hier habe, es draußen stürmt und regnet und wir gemütlich hier am Kaffeetisch sitzen“, schwärmt sie.
Traum von Griechenland
Für viele Gäste zu kochen und zu backen, war zeitlebens ihre größte Leidenschaft. Allerdings war das nicht immer einfach: „Wir mussten zwar nie hungern, aber oft gab es in den Geschäften nichts zu kaufen“, erinnert sie sich. Gut, dass sich die Familie zu einem großen Teil selbst versorgen konnte. Ein großer Nutzgarten, ein Schwein, eine Kuh, Hühner, Enten und Gänse sorgten dafür, dass alle satt wurden.
Große Pläne habe sie nicht mehr, sagt Maria Hartwich. Einen Traum habe sie allerdings noch, erzählt ihre Tochter Olga: „Sie würde so gerne mal nach Griechenland reisen.“ Einmal sei es fast so weit gewesen, dass sie mit den Eltern einen Flug gebucht hätten: "Aber der Vater hatte kurz vorher Bedenken, weil er um die Gesundheit unserer Mutter fürchtete.“
So blieb es bei Urlaubsreisen mit dem Auto nach Spanien und Sardinien sowie bei Kuraufenthalten in Polen, Ungarn, Tschechien und an der Ostsee. Der Wunsch nach einer Reise nach Griechenland ist geblieben – und vielleicht erfüllt sich dieser Traum ja doch noch.








