Für einen Tag trafen in Breckerfeld Kunst, Funktechnik und ein Hauch Science-Fiction aufeinander: Auf einem Feld an der Wahnscheider Straße konnten Bürger am Donnerstag, 12. März, Botschaften ins Weltall schicken. Möglich machte das die Berliner Künstlerin Mona Schulzek mit ihrem Projekt „Outer Space Transmitter“, das im Rahmen der „Grand Snail Tour“ von Urbane Künste Ruhr Station in der Hansestadt machte.

Eine Funkstation für das Universum

Ein kühler Wind weht über das Feld an der Wahnscheider Straße, auf dem sich immer wieder kleine Gruppen neugieriger Besucher versammeln. Auf den ersten Blick erinnert der Aufbau aus Funkgeräten, Kabeln und einer großen Parabolantenne an eine kleine Weltraumforschung-Kommandozentrale. Dabei handelt es sich um einen „Outer Space Transmitter“, eine spezielle Funkstation, die Mona Schulzek eigens für ihr Kunstprojekt entwickelt hat.

Der "Outer Space Transmitter".
Foto: Jung

Um ihre Idee technisch umsetzen zu können, ließ sie sich sogar zur Funkerin ausbilden. „Ohne die Funkcommunity hätte ich das Projekt nicht realisieren können“, sagt sie und blickt zur Besuchergruppe vom Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) aus dem Ortsverband Ennepetal. „Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung und dafür, dass ich von ihnen mit offenem Herzen empfangen wurde.“

Für die Amateurfunker ist die Zusammenarbeit mit der Künstlerin ebenfalls ein spannendes Experiment. Einer von ihnen erklärt, warum Funk bis heute eine besondere Rolle spielt: „Es ist die einzige Technologie, die auch dann noch funktioniert, wenn andere Kommunikationsmittel — etwa bei einem Stromausfall — nicht mehr genutzt werden können.“ Deshalb gebe es auch spezielle Funk-Notfallgruppen, die im Ernstfall Kommunikation sicherstellen können.

Amateurfunker des DARC-Ortsverbandes Ennepetal ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, das künstlerische Funkprojekt von Mona Schulzek zu verfolgen.
Foto: Jung

Kunst als Kommunikationsform

Seit rund zehn Jahren beschäftigt sich Mona Schulzek in ihrer Kunst mit dem Universum. Dabei gehe es ihr nicht nur um astronomische Dimensionen, sondern vor allem um philosophische Fragen: „Das Thema Universum berührt viele Ängste, eröffnet viele Fragen — zum Beispiel, was im Leben wirklich relevant ist“, sagt sie. Gleichzeitig spreche der Blick in den Kosmos immer auch die Fantasie an. Fast automatisch tauche dabei die Frage auf, ob es außerhalb der Erde noch andere Lebensformen geben könnte — und wie eine Kommunikation mit ihnen aussehen würde.

Inmitten dieser Gedanken zum Kosmos kam Mona Schulzek eine ungewöhnliche Idee: Die Künstlerin entwickelte ein eigenes „extraterrestrisches Alphabet“. Damit können Botschaften in eine Bildsprache übersetzt und anschließend als Funkwellen gesendet werden. „Vielleicht kann Kunst eine Form der Kommunikation sein — auch mit möglichen außerirdischen Lebensformen“, sagt Schulzek.

Fragen an das Universum

Auf einem Tisch neben dem „Outer Space Transmitter“ liegen Formulare, auf denen Besucher ihre Fragen und Wünsche notieren können. Besonders viele Botschaften stammen von Kindern der Grundschule Breckerfeld, die im Vorfeld über das Projekt informiert worden war. Schulzek übersetzt ihre Gedanken, Fragen und Wünsche in das von ihr entwickelte Zeichensystem — und sendet sie über die Antenne in Richtung All.

„Jeder Mensch hat andere Fragen an das Universum“, erzählt die Künstlerin, die mit ihrem "Outer Space Transmitter" bereits in mehreren Städten Halt gemacht hat. Während Erwachsene eher über die eigene Zukunft oder Existenz nachdenken, seien Kinder häufig einfach nur neugierig darauf, wie außerirdisches Leben aussehen könnte. Auch Breckerfelds Bürgermeister André Dahlhaus lässt sich die Gelegenheit am Donnerstagvormittag nicht entgehen und schickt eine eigene Botschaft ins All. Mit Blick auf den Standort sagt er schmunzelnd: „Hier sind wir ja noch ein bisschen näher am Universum.“

Breckerfelds Bürgermeister André Dahlhaus ließ sich die Chance nicht entgehen, eine Botschaft fürs All zu formulieren.
Foto: Jung

Denn dass das Projekt ausgerechnet in Breckerfeld stattfand, ist kein Zufall. Mit 441 Metern ist der nahegelegene Wengeberg die höchste Erhebung im Ruhrgebiet. Schon im 19. Jahrhundert stand hier eine Station der Telegrafenlinie zwischen Berlin und der Rheinprovinz.

Signale, die zurückkommen

Gleichzeitig beschäftigt den Bürgermeister aber auch eine ganz praktische Frage: „Ich denke, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es irgendwo im Universum weitere, wie auch immer geartete Lebensformen gibt. Aber ich frage mich, ob die von der Erde gesendeten Radiowellen angesichts der unermesslichen Weite des Alls nicht irgendwann einfach ins Leere laufen.“

Ganz spurlos verschwinden die Botschaften jedenfalls nicht. Wie Mona Schulzek erklärt, erreichen die Funkwellen nach etwa drei Sekunden zunächst einen Satelliten in rund 30.000 Kilometern Entfernung. Nach etwa derselben Zeit komme eine Empfangsbestätigung zurück zur Erde. „Das bedeutet zwar noch keinen Kontakt mit Aliens — aber immerhin eine Rückmeldung aus dem All“, schmunzelt die Künstlerin. „Wie weit die Funkwellen vom Satelliten aus weiterwandern, lässt sich nicht konkret ermessen — bisher kam noch keine Antwort zurück. Was angesichts der kosmischen Größe allerdings nicht unerklärlich ist.“

Einladung zum Träumen

Mona Schulzek steht auf dem Feld an der Wahnscheider Straße, es ist noch immer windig und leicht bewölkt — und doch: „Der Ort hier ist perfekt, mit solch einem ungestörtem Blick in Richtung Himmel“, sagt die Berlinerin und erzählt, dass sie ihr Projekt vor allem als Einladung zu einem Gedankenexperiment verstehe: Wie viele unterschiedliche Lebensformen könnte es im Universum geben? Wie könnte Kommunikation funktionieren, wenn Sprache nicht nur aus Worten besteht? Und welchen Aspekt könnte das menschliche Ego beim extraterrestrischen Kontakt spielen, das schon auf der Erde oftmals einem friedlichen Zusammensein im Wege stehe?

Am Ende gehe es ihr bei ihrem Kunstprojekt jedoch weniger um wissenschaftliche Antworten als vielmehr um Fantasie und Offenheit, sagt Mona Schulzek: „Ich möchte die Menschen damit einfach zum Träumen einladen.“