Die „Arbeitsgruppe Wolf“ im Märkischen Kreis hat einen neuen Namen. Weil es in Meinerzhagen und Plettenberg mehrere belastbare Sichtungen eines (Eurasischen) Luchses gegeben hat, ist das professionelle Monitoring der Unteren Naturschutzbehörde auf beide Tiere ausgeweitet worden. Zum aktuellen Stand tauschten sich die Experten im Kreishaus Lüdenscheid aus.

Überregionale Meldungen

Die „Arbeitsgruppe Wolf und (nun auch) Luchs“ kam erneut im Kreishaus Lüdenscheid zusammen, teilt die Kreisverwaltung mit. Ziel sei es, das Vorkommen und die Wege von Wolf und Luchs im Märkischen Kreis fachlich fundiert zu erfassen und die Interessen von Naturschutz, Landwirtschaft, Kommunen und Öffentlichkeit zusammenzuführen. Koordiniert werde die Gruppe durch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises. Teilnehmer sind darüber hinaus unter anderem Vertreterinnen und Vertreter der Landwirtschaftskammer inklusive Herdenschutzberatung, der Städte und Gemeinden (darunter Halver und Meinerzhagen), des Naturschutzbeirates, des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, von Wald und Holz, Luchs- und Wolfsberatende, des ehrenamtlichen Wolfschutzes, der Polizei, der Unteren Jagdbehörde sowie des Kreises Olpe.

Das Monitoring von Wolf und Luchs erfolge im Märkischen Kreis systematisch durch Fotofallen, Spurensuchen (Fährten oder Losung), genetische Untersuchungen sowie durch überprüfte Sichtungsmeldungen aus der Bevölkerung. Die Untere Naturschutzbehörde des Märkischen Kreises hat aktuell 19 Fotofallen im Kreisgebiet und führt mit dem LANUK sowie ehrenamtlichen Wolfs- und Luchsberatern die fachliche Auswertung durch. Diese Arbeit ist sowohl regional als auch bundesweit sehr wichtig und anerkannt: Die erhobenen Daten fließen in das landes- und bundesweite Monitoring ein. Entwicklungen können so frühzeitig erkannt werden.

Aktuelles Fotofallenbild eines Wolfes aus Meinerzhagen - aufgenommen Anfang Februar 2026.
Foto: Märkischer Kreis

Ein bis zwei Wölfe im Märkischen Kreis

Nach derzeitigem Kenntnisstand leben nach Angaben der Kreisverwaltung ein bis zwei Wölfe im Märkischen Kreis, wobei die Zahl durchziehender Tiere naturgemäß nicht exakt bestimmt werden könne. Die letzten Fotofallen-Nachweise datieren von Oktober 2025 in Iserlohn-Letmathe (ein Wolf), von Dezember 2025 in Meinerzhagen (ein Wolf), von Januar dieses Jahres in Herscheid sowie von Anfang Februar in Meinerzhagen (ein Wolf). Der letzte offiziell bestätigte Nutztierriss datiert vom 4. November 2025 in Lüdenscheid.

Für das sogenannte Ebbe-Territorium sei bestätigt: Die dort nachgewiesene Fähe (GW 2856f) hält sich weiterhin im Ebbegebirge auf. Der zuletzt 2024 nachgewiesene Rüde wurde seit Sommer 2024 weder genetisch noch durch Fotofallen „erfasst“. LANUK und die Untere Naturschutzbehörde des Kreises gehen davon aus, dass der Rüde (GW 3278m) nicht mehr lebt. Das könne natürliche Gründe haben, wie zum Beispiel eine Krankheit. Hinweise auf eine illegale Tötung liegen nicht vor, können aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Eine Reproduktion des Ebbe-Rudels findet aktuell nicht statt.

Schutz von Weidetieren

Bei Weidetieren habe das Tierwohl noch lebender Tiere oberste Priorität — das sei während der Sitzung des Arbeitskreises deutlich geworden. Das bedeute: Bei einem Weidetierriss hat die medizinische Erstversorgung verletzter Tiere Vorrang vor der genetischen Analyse. Wichtig sind eine schnelle Meldung und die Sicherung von DNA-Material innerhalb von 24 Stunden sowie eine sorgfältige Fotodokumentation. Die Landwirtschaftskammer berät Weidetierhalter umfassend zu präventiven Maßnahmen und begleitet sie von der Erstberatung bis zur Antragstellung für Fördermittel. Weitere Informationen dazu gibt es im Internet unter https://www.landwirtschaftskammer.de/

Im Rahmen der Arbeitskreis-Sitzung wurde die geänderte rechtliche Situation erläutert. Für den Wolf gilt derzeit gemäß Bundesnaturschutzgesetz ein Zugriffs-, Fang- und Tötungsverbot. Verstöße sind strafbar. Es läuft ein Gesetzgebungsverfahren zur Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht.

Junge Wölfe wandern im Alter von ein bis zwei Jahren ab, um eigene Territorien zu suchen. Dabei können sie auch Siedlungsräume durchqueren. Wichtig sei ein ruhiger Umgang mit Sichtungen. Unbeaufsichtigte Hunde könnten von Wölfen als Artgenossen wahrgenommen werden und sollten daher angeleint werden.

Die Arbeitsgruppe betonte im Kreishaus die Bedeutung der Umweltbildung. Waldjugendspiele und begleitete Spaziergänge im Wald sollten fortgeführt werden, so die Experten. Der Wald bleibe ein wichtiger Lern- und Erlebnisraum auch für Kinder und Jugendliche.

Seltener Naturnachweis: Anfang November ist ein Luchs im Märkischen Kreis nachgewiesen worden. Hinweise auf Luchse werden ausdrücklich erbeten. Für Menschen bestehe keine Gefahr; das Risiko für Weidetierrisse sei sehr gering, teilt das Kreisveterinäramt mit..
Foto: Privat

Luchs: Neue Nachweise im Kreisgebiet

Zum Luchs: Erstmals wurden im November 2025 Luchsnachweise in Meinerzhagen und im Kreis Olpe festgestellt. Weitere bestätigte Nachweise folgten im Januar dieses Jahres in Plettenberg, darunter Fotofallenbilder und Hinweise auf Wildtierrisse. Hinweise auf Luchse werden ausdrücklich erbeten (Mail: [email protected] ). Für Menschen besteht keine Gefahr, das Risiko für Weidetierrisse ist sehr gering.

Am Ende der Arbeitskreissitzung gab es viel Lob für das Wolfs- und Luchsmonitoring des Märkischen Kreises. Tenor: Ohne die Initiative des Kreises und den Einsatz eigener Fotofallen wären viele Nachweise gar nicht möglich.