Lange Zeit bewegten sie sich unter dem Radar. Seit dem vergangenen Herbst sind Bündnis 90/Die Grünen wieder im Schalksmühler Gemeinderat vertreten. Im Gespräch mit LokalDirekt ziehen Fraktionsvorsitzende Denise Brilla und ihr Stellvertreter Jochen Bernsdorf eine erste Bilanz ihrer bisherigen Ratsarbeit.

"Wir sind mittlerweile gut im Rat angekommen", sagt Fraktionsvorsitzende Denise Brilla. "Und sind froh, seitdem schon einige alte Strukturen aufgebrochen zu haben. Es wird in Schalksmühle unseres Erachtens ohnehin zu wenig über Umwelt- und Klimaschutz gesprochen", ergänzt ihr Stellvertreter Jochen Bernsdorf.

Nachtfahrverbot für Mähroboter

Auch erste Projekte haben die Grünen bereits angestoßen - darunter einen Antrag, dass Mähroboter nicht mehr in der Dämmerung und der Nacht fahren dürfen. Eine solche Einsatzbegrenzung führt Brilla weiter aus, gibt es bereits in den umliegenden Städten und Kommunen. Der Antrag wird deshalb inzwischen auch andernorts aufgegriffen, unter anderem in Kierspe. Generell, so führt sie weiter aus, steht die Fraktion in engem Austausch mit den Nachbarkommunen.

Die mittlerweile in vielen Modellen verbauten Erkennungssysteme für Igel und andere Kleintiere entkräftet den Antrag laut Denise Brilla übrigens nicht: "Auch, wenn dadurch keine Igel geschreddert werden, werden die Tiere von den Geräten dennoch empfindlich gestört."

Bildung, Teilhabe und Digitalisierung an Schulen

"Die Schere zwischen Arm und Reich ist bei uns größer als in vielen anderen Kommunen", sagt Bernsdorf. Deshalb wolle sich die Fraktion künftig verstärkt für mehr Teilhabe einsetzen – etwa durch sichere Radwege, einen besseren ÖPNV oder sozialverträgliche Gebühren der Musikschule. Auch die Musikschule, so Bernsdorf weiter, müsse allen Elternhäusern zugänglich gemacht werden. Natürlich müsse Kultur was kosten, jedoch dürfe man dabei die Verhältnismäßigkeiten nicht aus den Augen verlieren - dies gelte besonders für die Festlegung der Gebühren.

Klare Meinung zur Digitalisierung

Und auch zum Thema Digitalisierung an den beiden Schulen der Volmegemeinde hat Bernsdorf eine klare Meinung: "Zur Teilhabe gehört für uns auch die Teilnahme am digitalen Schulunterricht. Wir reden bei der Musikschule über einen Betrag in Höhe von 300.000 Euro jährlich, auf der anderen Seite feilschen wir über rund 70.000 Euro für Tablets mit einer simplen Ausstattung. Wir sind dafür, dass jedes Kind ein Tablet bekommt, aber es ist nicht damit getan, den Schülern die Geräte einfach nur in die Hand zu drücken. Eine entsprechende Begleitung seitens Schule und Lehrkräfte muss unseres Erachtens definitiv erfolgen." Denkbar sei für die Fraktion eine Lösung dahingehend, dass die Tablets nach Unterrichtsschluss in der Schule verbleiben - auch, um sie vor einem möglichen Diebstahl zu schützen.

"Wir möchten ab der nächsten Wahlperiode mindestens vier Sitze im Rat haben"

Für die kommende Kommunalwahl formuliert die Fraktion bereits ein klares Ziel. "Wir wünschen uns, ab der nächsten Wahlperiode mindestens vier Sitze im Rat zu haben - oder sogar mehr", betont Bernsdorf. Vor allem, um die Strukturen des bestehenden Rates noch ein Stück weiter aufzubrechen und die Umsetzung weiterer Ziele der Grünen zu erreichen - dazu gehöre unter anderem auch die Beschattung des Rathausplatzes, wie sie auch von der UWG gewünscht wird.

"Allein die Tatsache, dass der Feierabendmarkt erst in den Abendstunden richtig gut besucht ist, weil die Bürger sich vorher auf dem Rathausplatz wegen der Hitze kaum aufhalten können, begründet schon unseren Hitzeschutz-Antrag. Das sind einfach Themen, mit denen die Bürger sich in Zeiten des Klimawandels beschäftigen müssen." Eine Auseinandersetzung mit diesem Thema sei ebenso wichtig wie eine solche mit dem Thema Katastrophenschutz - denn in den nächsten Jahren sei nicht nur mit einer zunehmenden Erderwärmung, sondern auch mit weiteren Ereignissen wie der Flut im Juli 2021 zu rechnen.

Auch Denise Brilla spricht sich dafür aus, diese Themen weiter in den Fokus zu rücken: "Noch im Wahlkampf waren alle Fraktionen für den Klima- und Umweltschutz. Kaum ist dieser vorbei, rutscht er auf der Agenda wieder nach unten und die Kosten für mögliche Projekte wieder in den Vordergrund."

"Wir sind keine Verbotspartei"

Brilla und Bernsdorf verstehen ihre Fraktion übrigens ausdrücklich nicht als "Verbotspartei, die den Menschen nur Dinge verbieten oder vorschreiben möchte", wie Brilla betont. Im Gegenteil, so ergänzt Jochen Bernsdorf, habe die Fraktion in den vergangenen Wochen einige Dinge im Rat angestoßen und zum Positiven verändert. So sei auf ihren Vorschlag hin das Budget des Stadtmarketingvereins erhöht worden, sodass der Kulinarische Treff und damit verbundene monatliche Feierabendtreff möglich wurden.

Ein weiteres Ziel sei es nun, einen Namen für den Platz gegenüber dem Hotel zur Post zu finden, außerdem sei auch das Radwegekonzept wieder von ihnen aufs Tableau gebracht worden. All diese Themen sollen nach den Worten Bernsdorfs Schalksmühle nachhaltiger machen und vor allem den Bürgern zugutekommen.

Radwege, Projekte und Prioritäten

Bernsdorf wünscht sich laut seiner Aussage vor allem die Schaffung von neuen und sinnvollen Radwegen - auch in Richtung Halver, um eine Anbindung an die Nachbarkommune zu schaffen. Gerade in Zeiten von E-Bikes seien solche Verbindungen seines Erachtens wesentlicher denn je.

Zum Thema Mobilität, so ergänzt Brilla, gehöre für sie auch die Verbesserung des Nahverkehrsplans. Gerade die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei in Schalksmühle ein großes Problem. Dazu gehöre ihres Erachtens vor allem eine Erhöhung der Taktung. Für Bernsdorf sei auch die Schaffung eines sogenannten "On-demand-Busverkehr" denkbar, also Fahrten auf Anforderung.

Generell sieht Denise Brilla eines der größten Probleme der Gemeinde aktuell darin, dass zu viel Geld und Personal an große Projekte gebunden sind - wie zum Beispiel das Feuerwehrgerätehaus und der Umbau des 8Giebel. Sie wünscht sich daher mehr Aufmerksamkeit und Priorität auch für kleinere Projekte wie die Beschattung von Spielplätzen.

Zusammenarbeit auf Augenhöhe

"Auch, wenn die Meinungen natürlich gelegentlich auseinandergehen - insgesamt arbeiten wir mit dem Rat respektvoll und auf Augenhöhe zusammen", betont Jochen Bernsdorf. Laut Brilla partizipiere die Fraktion dabei besonders von den Erfahrungen langjähriger Ratsmitglieder, sodass am Ende auch die Kompromissfindung meist möglich sei.

"Wir können nicht die Welt retten"

Auf die Frage, über welche Themen in Schalksmühle zu wenig gesprochen wird, muss Jochen Bernsdorf nicht lange überlegen: "Über Klima- und Umweltschutz, Nachhaltigkeit - und den Anteil, den jeder Einzelne von uns dazu beitragen kann."

Für Brilla zählen zu diesen Themen auch der Einsatz und Ausbau von erneuerbaren Energiequellen - zum Beispiel durch Photovoltaik-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden und Windrädern, die gleichzeitig eine zusätzliche Einnahmequelle für die Gemeinde darstellen würden.

"Wir können nicht die Welt retten", betont Jochen Bernsdorf, "aber doch unseren Teil zu einer Verbesserung beitragen."