Natur- und Artenschutz, ehrenamtliches Engagement, jagdliches Brauchtum und die Verantwortung für das heimische Wild – dafür steht der Hegering Halver seit 100 Jahren. Was 1926 als Zusammenschluss örtlicher Jäger begann, hat sich im Laufe eines Jahrhunderts zu einer vielseitigen Gemeinschaft entwickelt.

Kristian Filling, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit, erzählt im Gespräch mit LokalDirekt den Werdegang des Hegerings Halver. Er selbst ist seit 2017 Mitglied und hat 2021 die Öffentlichkeitsarbeit im Verein übernommen.

Hegegemeinschaft mit vielfältigen Aufgaben

„Der Hegering Halver ist eine Hege- und Jagdgemeinschaft“, erklärt Filling. Das Jagdgebiet ist dabei in verschiedene Reviere unterteilt. „Das sind rund 16 Parzellen, die größtenteils Teil des Hegerings Halver sind“, so Filling. Die Flächen befinden sich überwiegend in Privatbesitz. Die Eigentümer vergeben sie an Jagdpächter. Voraussetzung dafür ist ein gültiger Jagdschein.

Kristian Filling, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit des Hegerings Halver, porträtiert vor grünem Hintergrund. Er hat einen Bart und trägt ein grünes T-Shirt.
Kristian Filling, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit beim Hegering.
Foto: Amaris Seegmüller

Die Jagd dient dabei nicht allein der Gewinnung von Wildbret. Vielmehr steht die Regulierung der Wildbestände im Vordergrund. „Man versucht ein gutes Zusammenspiel zwischen den Populationen zu finden“, sagt Filling. Insbesondere Rehwild wird bejagt, um junge Waldbestände vor Verbissschäden zu schützen. Gleichzeitig gewinnt die Eindämmung invasiver Arten wie Marder oder Waschbären zunehmend an Bedeutung. Gerade in Wohngebieten richten die nachtaktiven Tiere immer wieder Schäden an Gebäuden an.

Mit vier Pfoten auf Spurensuche

Auch die Entwicklung der Wildschweinbestände wird aufmerksam beobachtet. „Die Wildschweine sind gerade stark im Kommen in Halver“, berichtet der Pressesprecher. Vor dem Hintergrund der Afrikanischen Schweinepest kommt der Bestandskontrolle eine besondere Bedeutung zu.

Dabei kommt es immer wieder vor, dass die Mitglieder des Hegerings auch in unerwarteten Situationen helfen: Bei einem Revierrundgang mit seiner Hündin Yule bemerkte Filling plötzlich, dass sich die Hündin ungewöhnlich verhielt. „Yule wurde auf einmal sehr aufgeregt und entfernte sich bellend von meiner Seite“, erinnert er sich.

Ein mittelgroßer, grauer Hund steht auf einem Sitz und blickt aus einem Fenster auf eine Landschaft.
„Ohne Yule hätte ich die Frau vermutlich gar nicht entdeckt“, erzählt Filling.
Foto: Kristian Filling, Hegering Halver

Weit abseits der üblichen Waldwege stand mitten im Wald eine Frau mit ihrem Hollandrad und rief um Hilfe. Sie hatte sich zunächst verfahren und anschließend im Wald verlaufen. Als die Wege schließlich endeten, fand sie nicht mehr zurück. „Ohne Yule hätte ich die Frau vermutlich gar nicht entdeckt“, erzählt Filling. Gemeinsam konnten Hund und Hundeführer die verirrte Radfahrerin wieder auf den richtigen Weg bringen.

Einsatz für Natur und Umwelt

„Der Hegering Halver betreibt seit seiner Gründung im Jahr 1926 aktiven Naturschutz in und um Halver und ist bestrebt, diesen Prozess kontinuierlich fortzuführen“, erklärt Filling. Zu den Maßnahmen zählen die Renaturierung von Teichen, die Anlage von Wildäckern sowie die Pflanzung von Hecken und Obstbäumen. Darüber hinaus kümmern sich die Mitglieder regelmäßig um die Beseitigung von Müll in Wald und Flur. „Aktion Sauberes Halver ist bei uns Jägern 365 Tage im Jahr“, sagt Filling lachend. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kitzrettung während der Mähsaison. „Es ist nicht schön, wenn die Kitze durch den Trecker verenden“, macht Filling deutlich.

Ein Feld mit hohem, trockenem Gras wird durch das Okular eines Zielfernrohrs betrachtet. Im Gras ist ein einzelnes, rosafarbenes Objekt zu erkennen. Ein weißer Pfahl steht im Hintergrund.
Für Filling selbst bedeutet die Jagd dabei weit mehr als die Regulierung von Wildbeständen.
Foto: Kristian Filling, Hegering Halver

Für ihn bedeutet die Jagd dabei weit mehr als die Regulierung von Wildbeständen. „Die Jagd ist für mich ein Ruhepol, den ich leider aktuell viel zu wenig nutze“, sagt er. Besonders die Stunden rund um Sonnenauf- und Sonnenuntergang hätten ihren ganz eigenen Reiz. „Es ist atemberaubend, die Natur zu beobachten. Dabei reicht es auch die Natur einfach mal zu beobachten.“ Gleichzeitig bereite es ihm Freude, das während der Jagdausbildung erworbene Wissen im Revier anzuwenden.

Ansprechpartner für Bürger und Behörden

Der Hegering fungiert außerdem als Bindeglied zwischen Jägerschaft, Behörden und Bevölkerung. Der Vorstand gibt Informationen des Landesjagdverbandes weiter, unterstützt bei jagdrechtlichen Fragen und arbeitet mit Polizei sowie Unterer Jagdbehörde zusammen.

Regelmäßig werden die Mitglieder auch nach Wildunfällen tätig. Besonders während der Paarungszeit des Rehwildes kommt es vermehrt zu Zusammenstößen auf den Straßen. „Informiert werden wir in der Regel unmittelbar durch die Polizei“, berichtet Filling. Anschließend kümmern sich die Jäger um die Bergung der Tiere.

Sonnenlicht fällt durch Bäume auf eine Wiese mit hohem Gras und Farnen. Im Hintergrund ist Wasser zu sehen. Das Bild vermittelt eine natürliche, ländliche Szene.
Der Hegering fungiert außerdem als Bindeglied zwischen Jägerschaft, Behörden und Bevölkerung.
Foto: Kristian Filling, Hegering Halver

Wissen vermitteln und Traditionen bewahren

Ein wichtiger Bestandteil der Vereinsarbeit ist die Öffentlichkeitsarbeit. Mit der rollenden Waldschule sowie Besuchen in Schulen, Kindergärten und auf Veranstaltungen vermittelt der Hegering Wissen über die heimische Tier- und Pflanzenwelt. „Durch die Präparate ist es eine einmalige Gelegenheit für die Kinder, die Tiere aus der Nähe zu sehen“, erläutert Filling.

Gleichzeitig pflegt der Hegering traditionelle Bestandteile des Jagdwesens. Dazu zählt insbesondere das Bläsercorps. Ursprünglich dienten die Jagdhörner der Verständigung während der Jagd. „Jedes Tier hat sein eigenes Signal“, so der Pressesprecher.

Ein Mann kniet auf einer gepflasterten Fläche und streichelt eine Dackeldame. Im Hintergrund ist grünes Laub zu sehen.
Kristian Filling, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit beim Hegering und seine Dackeldame Yule.
Foto: Amaris Seegmüller

Zur waidgerechten Jagdausübung gehört auch die Ausbildung geeigneter Jagdhunde. Sie kommen beispielsweise bei der Nachsuche verletzten Wildes oder beim Apportieren zum Einsatz. „Die Ausbildung eines geprüften Jagdhundes dauert in der Regel 18 Monate und wird mit einer Prüfung abgeschlossen“, so Filling. Je nach Einsatzgebiet müssen die Hunde unterschiedliche Leistungsnachweise erbringen.

Wenn der Dackel ins Spiel kommt

Wie wichtig gut ausgebildete Jagdhunde sein können, hat Filling bereits kurz nach seinem Eintritt in den Hegering erlebt. Bei einer Drückjagd im Jahr 2017 war er als Treiber eingesetzt. Diese sorgen dafür, dass sich das Wild aus den Böschungen und Feldern in Bewegung setzt. In einem rund zwei Meter hohen Maisfeld hatte sich jedoch eine Rotte Wildschweine versteckt und lief immer wieder mitten durch die Treiber.

„Das war eine beunruhigende Situation, aber auch interessant anzusehen“, erinnert sich Filling. Mehrere Hunde wurden eingesetzt, doch die Wildschweine blieben im Feld. Schließlich kündigte ein Mitjäger an: „Dann hole ich jetzt meinen Dackel.“ Wenig später verschwand der kleine Hund im Maisfeld. Bereits nach wenigen Minuten verließen die Wildschweine das Feld.

Von der Gründungsversammlung bis heute – Die Chronik

Die Geschichte des Hegerings begann am 10. September 1926 mit einer Versammlung unter der Leitung des Fabrikanten Heinrich Giersieper. Damals gehörten 18 Mitglieder der Gemeinschaft an. Zu den ersten Aufgaben zählten die Organisation der Jagdbezirke sowie die Festlegung gemeinsamer Hegegrundsätze.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der Hegering seine Arbeit wieder auf und passte sich den veränderten Rahmenbedingungen an. Mit zunehmender Bebauung, wachsender Mobilität und dem Ausbau der Infrastruktur rückten Fragen des Natur- und Wildtierschutzes stärker in den Mittelpunkt.

1950 – Gründung des Bläsercorps

Ein weiterer bedeutender Meilenstein war die Gründung des Bläsercorps im Jahr 1950 durch Emil Baberg und Karl Heukelbach. 1979 begann der Hegering schließlich gezielt mit der Öffentlichkeitsarbeit, um auch Menschen ohne jagdlichen Hintergrund über Natur- und Artenschutz zu informieren.

Seit den 1990er-Jahren gewann auch die Umweltbildung zunehmend an Bedeutung. Die stationäre Waldschule und zahlreiche Informationsangebote für Kinder und Jugendliche wurden feste Bestandteile der Vereinsarbeit. Für ihr Engagement im Bereich der Biotoppflege erhielten die Mitglieder im Jahr 2000 den Umweltschutzpreis „Klima 2000“. Weitere Anerkennung folgte 2023 mit dem Heimatpreis.

Heute zählt der Hegering Halver rund 164 Mitglieder. Neben aktiven Jägern engagieren sich auch Fördermitglieder für die Arbeit der Gemeinschaft. „Der Hegering ist eine Möglichkeit, um sich gegenseitig auszutauschen und Bekanntschaften und Freundschaften zu knüpfen“, sagt Filling. Der gemeinsame Einsatz für Natur, Wildtiere und Brauchtum bildet dabei seit einem Jahrhundert die Grundlage des Vereinslebens.

Leiter des Hegerings Halver

• 1926–1934: Heinrich Giersieper
• 1934–1935: Eugen Zimmermann
• 1935–1950: Erich Wippermann
• 1950–1954: Gustav Schriever
• 1954–1965: Ernst Filling
• 1965–1972: Fritz Schnöring
• 1972–1979: Ernst Bürger
• 1979–1991: Hasso Freunder
• 1991–2001: Bernd Volkenrath

Am Sonntag findet ab 11 Uhr in der Villa Wippermann ein großes Jubiläumsfest statt.