Eine kurze Einweisung, ein Hinweis auf den Notausgang und den Feuerlöscher. Dann verabschiedet sich Lea Kemper, Mitarbeiterin in der Buchhandlung Schmitz, für die nächsten zweieinhalb Stunden. Zurück bleiben sieben Frauen, die mit einem Sekt auf ihr Treffen anstoßen: Buchgenuss nach Ladenschluss.
So heißt die Aktion, die die Buchhandlung Schmitz seit Jahresbeginn anbietet. Ein Angebot, das ankommt. „Bisher schon mehr als 15 Gruppen“, berichtet Lea Kemper, haben schon nach Ladenschluss gestöbert. Die Klientel ist breit gefächert: junge Frauen, die nach Kinderbüchern schauen, Familien, die das als Geburtstags-Event feiern, Freundeskreise oder Arbeitskollegen, die den Abend als verschenkt haben.
18 Uhr. Das Laden schließt. Vor der Sitzgruppe stehen Kaltgetränke und ein kleines Buffet mit Fingerfood bereit. Erstmal kosten, dann verteilen sich die Frauen zwischen Kinderbüchern und Kalendern, Krimis und Kochbüchern. Zweieinhalb Stunden haben die Besucher Zeit, sich umzusehen, neue Bücher zu entdecken und sich „einen schönen Abend in der Buchhandlung“ zu machen, wie es auf dem Handzettel zur Aktion heißt.
Hannegret aus Lüdenscheid hatte sich schon mal gewünscht, in einer Buchhandlung mit mehreren Etagen in Münster eingeschlossen zu werden, ist aber auch von der Light-Version auf einer Ebene in Meinerzhagen angetan. Annette aus Drolshagen hatte ihrem Lesekreis den Buchgenuss nach Ladenschluss vorgeschlagen. Und Astrid und Gerda, beide ortsansässig, finden: „Man lernt den Laden nochmal ganz anders kennen.“
Angebot für „Leseratten“
Der Austausch über Bücher fördert auch die Kommunikation in der Gruppe. „Wir haben uns gegenseitig Tipps gegeben“, erzählt Annette. Bücher aus dem Regal ziehen, blättern, Klappentexte lesen, alles kein Problem. Nur: „Bitte, nicht zurückstellen“, mahnt Lea Kemper eingangs. „Das machen wir lieber selbst.“ Schließlich will das Laden-Team die Titel auch wiederfinden, wenn jemand danach fragt. Für die Exemplare steht ein Bücherwagen bereit. Abgerechnet wird, wenn der Buchgenuss um 21 Uhr endet.
„Es sind immer buchaffine Menschen“, beschreibt Lea Kemper die Kundschaft. „Die sich anmelden, kennen wir in der Regel“, sagt Kerstin Bestgen, Mitarbeiterin der Buchhandlung. Sie kannte die Aktion aus anderen Buchhandlungen. „Kunden hatten auch nachgefragt“, schildert sie einen Beweggrund, den Laden abends für Gruppen zu öffnen.
„Standbein für unabhängige Buchhandlungen“
Und Inhaber Wolfgang Schmitz sieht in der neuen Idee auch ein „Standbein für unabhängige Buchhandlungen“. Man ist nah am Kunden, bietet ein Stöber- und Einkaufserlebnis, das es online nicht gibt. Es ist auch ein Beitrag zur Belebung der Innenstadt. Auswärtige lernen Meinerzhagen kennen, andere kaufen vorher ein, gönnen sich ein Eis oder gehen essen.
Für das Team bedeutet der abendliche Buchgenuss zusätzlichen Aufwand, manchmal sicher auch zusätzlichen Umsatz. Wolfgang Schmitz ist jedenfalls zufrieden. Die Frage, ob damit zusätzlich was in der Kasse klingelt oder der Einkauf nur vorgezogen ist, bleibt zunächst offen. Ebenso wie die Frage: Was machen die den ganzen Abend und worüber reden die? „Das interessierte uns auch“, schmunzelt Kerstin Bestgen. Es wird ein Geheimnis bleiben.









