Schneeregen, Kälte und widrige Bedingungen konnten sie nicht aufhalten: Auch in diesem Jahr haben hunderte Teilnehmende bei der Aktion „Wandern für die Andern“ wieder ein starkes Zeichen der Solidarität gesetzt. Am Montagabend, 4. Mai, wurden die am 14. März erwanderten Spendengelder offiziell übergeben.

Überregionale Nachrichten

11.130 Euro für Menschen in Not

Insgesamt kamen 11.130 Euro zusammen, die erstmals auf zwei Organisationen aus der Region verteilt wurden: „Luthers Waschsalon“, eine Einrichtung der Diakonie Mark-Ruhr in Hagen, und der Verein „Lichtschmiede“ aus Gevelsberg erhielten jeweils einen symbolischen Scheck über 5565 Euro.

„Wir freuen uns, dass wir in unserer Region zwei Organisationen gefunden haben, die unser Ziel unterstützen, Menschen in großer Armut das Leben etwas erträglicher zu machen“, betonte Michael Borlinghaus vom Verein „Wandern für die Andern“.

Dass die Spendensumme trotz der schwierigen Wetterbedingungen zustande kam, unterstreiche die Verbundenheit vieler Teilnehmender mit der traditionsreichen Aktion, die bereits seit 1990 das Wandern rund um die Hansestadt mit sozialem Engagement verbindet. Ursprünglich vom Ökumenischen Arbeitskreis Dritte Welt ins Leben gerufen, konnten über die Jahre bereits mehr als 350.000 Euro gesammelt werden. „Diese Marke haben wir mit den diesjährigen Spenden geknackt“, freute sich Monika Löcken. Rund 1000 Euro stammten dabei allein aus dem Verkauf von Eine-Welt-Artikeln im Breckerfelder LokalLaden.

Lob für Organisation und Engagement

Auch die Empfänger der Spenden zeigten sich beeindruckt. Vertreter der Lichtschmiede, die selbst mit einer Gruppe an der Wanderung teilgenommen hatten, lobten die Durchführung der Veranstaltung: Die Aktion sei „top organisiert“ gewesen — sowohl in der Vorbereitung als auch entlang der Strecke.

In diesem Zusammenhang machte der Verein „Wandern für die Andern“ deutlich, dass der Erfolg einzig von der Einsatzbereitschaft ehrenamtlicher Helfer: „Wir müssen jedes Jahr aufs neue Unterstützer gewinnen, um die Aktion stemmen zu können“, erklärte Martina Janßen. Hilfreich sei dabei auch der Aufruf von Bürgermeister André Dahlhaus und seinen Stellvertretern.

Hilfe, die Würde zurückgibt

Wie existenziell die finanzielle Unterstützung der beiden begünstigten Einrichtungen ist, wurde bei der Spendenübergabe eindrücklich erläutert. Ilona Ladwig-Henning schilderte die Arbeit von „Luthers Waschsalon“ nicht nur als soziale Hilfe, sondern als einen Ort, der Menschen ein Stück Würde zurückgibt: Wer dort ankomme, habe oft mehr verloren als nur ein Zuhause: Struktur, Sicherheit, soziale Kontakte.

Der „Waschsalon“ verstehe sich als Ort der Begegnung und des Austauschs. Gleichzeitig bietet er den Gästen werktags die Möglichkeit zur Körper- und Wäschepflege, zweimal wöchentlich ein Frühstück und medizinische sowie zahnmedizinische Grundversorgung.

„Sauberkeit und Hygiene gehören für viele Betroffene beispielsweise trotz ihrer persönlichen Situation zu einem würdevollen Leben dazu“, sagt Ladwig-Henning. Hinter diesem einfachen Satz verberge sich für viele der erste Schritt zurück in ein selbstbestimmteres Leben: Ein Frühstück, eine Dusche, saubere Kleidung — was für die meisten Menschen selbstverständlich ist, sei beispielsweise für Obdachlose ein meist seltener Moment von Normalität.

Rund 25 Ehrenamtliche engagieren sich Woche für Woche in „Luthers Waschsalon“, beraten Hilfesuchende in persönlichen und sozialen Fragen: „Denn es geht nicht nur um materielle Hilfe, sondern darum, diese Menschen wieder wahrzunehmen“, machte sie deutlich.

Hilfe im Kampf ums Überleben

Drastischere Worte fanden die Vertreter der „Lichtschmiede“ als sie die Realität auf der Straße beschrieben. „Obdachlosigkeit bedeutet im Klartext, sich jeden Tag dem Kampf ums Überleben zu stellen“, betonte der Vereinsvorsitzende Andreas Steinhof. Die abendlichen Touren führen das rund 25-köpfige Lichtschmiede-Team zu Menschen, die oft im Verborgenen leben — in Hauseingängen, unter Brücken oder in notdürftigen Unterkünften. Mit Schlafsäcken, Isomatten, warmem Essen und Kaffee versuchen die Ehrenamtlichen dann, zumindest ein wenig Linderung zu schaffen. Doch ihre Hilfe geht weit darüber hinaus: „Wir begleiten Menschen zu Behörden, helfen beim Ausfüllen von Anträgen und suchen gemeinsam nach Perspektiven“, erklärte Olaf Schilling.

Gleichzeitig richtet der 2021 gegründete Verein den Blick auch auf jene, deren Not weniger sichtbar ist. Familien und Alleinerziehende zum Beispiel, deren Einkommen kaum für das Nötigste reicht und die bei unerwarteten Ausgaben schnell in existenzielle Schwierigkeiten geraten. „Oft ist diese Not mit großer Scham verbunden“, schilderten die Helfer. Ein gefüllter Kühlschrank, ein funktionierendes Haushaltsgerät oder ein Geburtstagsgeschenk für ein Kind — Dinge, die für viele selbstverständlich sind, werden dann zu wertvollen Zeichen von Unterstützung und Menschlichkeit.

Beide Organisationen betonten, wie groß die Dankbarkeit der Menschen sei, die ihre Hilfe annehmen. Gleichzeitig werde es immer schwieriger, das tatsächliche Ausmaß der Not in Zahlen zu erfassen, da die sogenannte verdeckte Obdachlosigkeit stetig zunimmt.

Blick auf die Situation vor Ort

Auf Nachfrage ordnete Bürgermeister André Dahlhaus die Lage für Breckerfeld ein: Dauerhafte Obdachlosigkeit sei in der Stadt derzeit nicht bekannt, jedoch hielten sich immer wieder Menschen vorübergehend dort auf. Ilona Ladwig-Henning meinte, dass dies wahrscheinlich mit einer fehlenden Infrastruktur für Wohnungslose zu erklären sei: „In größeren Städten finden sie leichter leerstehende Gebäude oder andere Rückzugsorte und zugleich belebtere Bereiche, an denen sie sich tagsüber aufhalten können, um wenigstens ein Gefühl von Nicht-Alleinsein zu haben.“

Ein Zeichen der Solidarität

Die Aktion „Wandern für die Andern“ machte auch in diesem Jahr einmal mehr deutlich, wie viel durch gemeinschaftliches Engagement erreicht werden kann. Sowohl die „Lichtschmiede“ als auch „Luthers Waschsalon“ sind angesichts steigender Armut bei ihrer Arbeit auf Spenden angewiesen. Somit haben die Teilnehmenden trotz widriger Wetterumstände nicht nur Kilometer zurückgelegt, sondern auch Hoffnung gespendet — für Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind.