Sie liegen das ganze Jahr auf der Lauer, haben ihre Ohren überall, bekommen Nachrichten zugespielt: Die Schöffen des Biergerichts Oestertal benötigen immer Material und die Schützen im Oestertal können noch so vorsichtig sein. Am Ende sehen sich die Sünder auf der Bühne wieder und werden mit einer speziellen Aufbereitung ihrer Sünden konfrontiert.

Auf der Bühne läuft dabei das Moderatoren-Duo Präses Jan Müller und Schöffe Carsten Bock auf Hochtouren. Redegewandt, schlagfertig und mithin ganz schön spitzfindig führen die beiden durch das Programm. Fast mucksmäuschenstill ist es in der Oesterhalle, lauschen die Gäste mit gespitzten Ohren, um ja nichts von den „fliegenden Wortbällen“ zu verpassen, die immer eines gemeinsam haben: großes Gelächter, humorvolles Gekicher, wenn die Pointe gelungen ist.

Zwei Personen auf einer Bühne, eine Frau hält ein Mikrofon, ein Mann trägt eine goldene Kette, vor ihnen eine Pyramide aus Bierkrügen.
Biergerichtspräsident Jan Müller führte schlagfertig durchs Programm
Foto: Ai-Lan Na-Schlütter/LokalDirekt

Das Biergericht begab sich auf die Spur, um herauszufinden, warum die Geburtenrate in der EU so dramatisch sinkt. Dazu verfolgte der Schützenreport Meldungen zu einem verirrten Geschoss im Hintern sowie zur Nachricht über den „pfiffigen“ Behelf eines Inders, der mit seiner toten Schwester anstelle eines Totenscheins beim Amt erschien.

Original und Fälschung in den eigenen Reihen des Vereins konnten bildtechnisch einwandfrei belegt werden sowie die Sanierung der Ebbetalstraße unter Vollsperrung zwischen Himmelmert und Kückelheim. Auch hier gelang es mit Fotos, den „rasanten“ Fortlauf der Arbeiten zu dokumentieren: Nach einer Woche wurden Straßensperren aufgestellt, nach drei Wochen die Positionslampen umpositioniert, in Woche vier wurde ein Baufahrzeug gesichtet. Carsten Bock versuchte bereits sein Möglichstes in China. Dort lehnten die chinesischen Unternehmen den Auftrag allerdings ab: Für zwei Tage wollten sie nicht nach Deutschland reisen.

Drei Männer stehen auf einer Bühne vor einer Wand mit einem Schriftzug. Der Mann rechts hält Papiere und spricht in ein Mikrofon.
Carsten Bock (rechts) nahm die Baustelle auf der Ebbetalstraße aufs Korn.
Foto: Ai-Lan Na-Schlütter/LokalDirekt

Infolge dieser Vollsperrung prangerte Präses Jan Müller die „kommunale Wegelagerei“ an, da die Stadt nur in begründeten Fällen einen kostenpflichtigen Passierschein für die Durchfahrt Immecke ausstelle.

Isa Brinkers Einkaufstick, nur mit einem Einkaufskorb im Supermarkt einkaufen zu gehen, nahmen die Schöffen auf die Schippe. Sie sollte im Wettstreit mit ihrem Gatten zeigen, wie schnell sie mit ihrem kleinen Korb etwa 20 Rollen Toilettenpapier von einem Tisch zum anderen auf der Gegenseite transportieren und aufbauen kann. Isa, nicht auf den Kopf gefallen, zögerte nicht lange und schob einfach den gesamten Tisch auf die andere Seite und den leeren zurück, bevor ihr Mann Christoph überhaupt einen Fuß in Bewegung setzen konnte. Die Lacher waren der schlauen Isa sicher.

Auf der langen Leitung stand gewissermaßen Ex-König und Neu-Oberst Dirk Pröstler. Von seinen Offizieren sollte er Lieder raten, allerdings erhielt er pro Offizier immer nur einen Bruchteil des Liedes gesungen und nicht in geordneter Reihenfolge. Je öfter Pröstler die Offiziere singen ließ, desto mehr amüsierte sich das Publikum, das natürlich viel schneller das Lied erraten hatte und fast schon Mitleid mit dem schwitzenden Oberst hatte.

In einem interaktiven Verfahren stellte Carsten Bock auf schnellste Weise die Senioren des Vereins fest, indem er alle aufstehen ließ. Setzen durften sich nacheinander alle unter 18 Jahren, alle, die keine Mitglieder im Oestertaler Schützenverein sind, sowie alle, die keine persönliche Einladung zur Seniorenfeier bekamen. Stehen blieben somit alle ab 60-jährigen Mitglieder im Schützenverein, die alle fünf Jahre einen Frühstückskorb zum Geburtstag erhalten und ab sofort einen um 5 Euro höheren Jahresbeitrag zu zahlen hatten. Die Mautstellenkasse unter der Leitung von Tanja und Stephan Scherweit klingelte kräftig.

Als Stimmungsmacher erwiesen sich die extra fürs Biergericht gegründeten „Zapfenstreich Boys" mit ihrem KI-Hit "Die Schützenkompanie aus dem Oestertal". Mit der Abschlussnummer der „elfenhaften“ Altmajestäten (Die Elfen) endete ein amüsanter Biergerichtsfrühschoppen.