"Wenn er sprechen könnte, hätte er viel zu erzählen", heißt es auf der Homepage der Villa Wippermann. Gemeint ist der Kirchturm der evangelischen Kirche Nicolai und dessen 250-jährige Geschichte, die ab sofort in der Villa Wippermann zu sehen und zu erleben ist.

Lebendige Ausstellung mit interaktiven Elementen

Kirchenglocken läuten in der ersten Etage der Villa Wippermann. Das ist keine akustische Täuschung, sondern die Klänge weisen Besuchern den Weg in den Ausstellungsraum zur 250-jährigen Geschichte des Kirchturms der evangelischen Kirche in Halver. Mit vielen kreativen Ideen und akribischer Recherche hat Kuratorin Jana Eilhardt, gemeinsam mit Mitgliedern des Presbyteriums, eine umfassende, aber dennoch kurzweilige Ausstellung zusammengestellt.

Interaktive Elemente, wie ein Turm zum Selberbauen, oder Kirchenglocken, die per Knopfdruck gestartet werden können, laden zum Mitmachen ein. Vor allem das zehnminütige Hörspiel, das die Besucher selbst starten können, vermittelt einen Einblick in die wechselhafte Geschichte des Turms.

Jana Eilhardt hat die Informationen, die darin zu hören sind, aus vielen verschiedenen Quellen von Heimatforschern entnommen, abgeschrieben und per KI zu einem Hörbuch verarbeitet. "Es war für mich beeindruckend zu erfahren, wieviel Heimatforscherpotential in den Halveranern steckt. Nur leider liest ja heute niemand mehr. Daher habe ich mich zu der Version des Hörspiels entschieden", erklärt sie. Eine Entscheidung, die viele Besucher der Ausstellung begrüßen werden, denn der kurzweilige Text nimmt jeden Hörer mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Ein besonderer Dank ging dabei an Jörg Grigull, der viel zur Geschichte des Turms beigetragen hat und der diese Geschichten auch immer wieder bei den von ihm durchgeführten Turmführungen erzählt.

Anekdoten zu Turm, Geläut und Wetterhahn

Die Ausstellung widmet sich dabei aber nicht nur dem reinen Gebäude, auch zum Geläut, der Uhr und dem Hahn sind teils spannende, teils lustige und immer sehr interessante Anekdoten zu finden, beispielsweise über wiederholte Diebstähle. "Immer wenn der Turm eingerüstet war, wurde etwas gestohlen", erzählt die Kuratorin. "Zweimal waren es die Zeiger der Uhr, einmal sogar eine 50 Kilo schwere Kirchenglocke." Ein Fahndungsplakat zu der seit 1912 verschwundenen Glocke hängt daher ebenso in der Ausstellung wie die kuriose Geschichte des Wetterhahns, der 1967 im Rahmen einer Restaurierung verschwand und 19 Jahre später in den Besitz der Kirchengemeinde zurückgegeben wurde. Wo er die fast zwei Jahrzehnte war, ist bis heute ein Geheimnis. "Wir würden uns natürlich freuen, wenn sich, vielleicht animiert durch diese Ausstellung, jemand findet, der dieses Rätsel lösen kann", wünscht sich Jana Eilhardt.

Auch wenn der Kirchturm inzwischen 250 Jahre alt ist, ist die Geschichte des Platzes, auf dem er bis jetzt steht, noch um einiges älter. Sie beginnt vor mehr als 1200 Jahren, als der Sternberg, auf dem die heutige Kirche steht, als Platz zur Feier von heidnischen Festen genutzt wurde.

Spende der Sparkasse für Fest und Ausstellung

Ein Jahr lang werden die Halveraner nun Zeit haben, die Geschichte eines der Wahrzeichen ihrer Stadt zu besichtigen. "Diese Ausstellung vorzubereiten hat viel Recherchearbeit gekostet", erklärt Jana Eilhardt die Dauer der Ausstellung. "Sie ist interessant für jeden Halveraner, aber speziell zum Beispiel auch für Konfirmanden um die Geschichte ihrer Kirche näher kennen zu lernen."

Markus Hacke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse an Volme und Ruhr, würdigte die Ausstellung mit einem finanziellen Zuschuss. Insgesamt 1000 Euro überreichte er am Mittwoch, 15. Juli, an Heike Esken, Vorsitzende des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Halver, und 2200 Euro an Cathrin Brückmann vom Heimatverein. "Ich freue mich über die Kooperation der evangelischen Kirche und des Heimatvereins", sagte er in einer kurzen Ansprache. "Die Kirche mit ihrem Turm hat das Stadtbild geprägt. Daher ist es eine gute Idee, anlässlich des Turmjubiläums diese Ausstellung zu initiieren", sagte er.